Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

LarrivéeL’Arrivée, (Agathe Elisabeth) Henriette, verh. Borghese

* 1764 oder 1765 in Paris, † 26. März 1839 ebd., Violinistin, Pianistin und Komponistin, nach Kutsch / Riemens auch Sängerin. Sie war die Tochter Henri Larrivées (1737-1802), der eigentlich Friseur war, dann als Sänger entdeckt wurde und zum berühmten Bariton an Glucks Pariser Oper (Journal des débats, 1827, 13. Aug.) aufstieg. Ihre Schwester war Camille Larrivée, verh. Delaval, die eine bekannte Harfenistin wurde.

Nach der Pensionierung des Vaters 1786 reiste dieser mit seiner Frau Marie-Jeanne, geb. Lemière (Le Mière) (1733-1786) – ebenfalls eine bekannte Sängerin – und den beiden Töchtern durch die französische Provinz, um zu konzertieren. Danach scheint Henriette Larrivée auf Konzertreisen gegangen zu sein. In London spielte sie 1791 am Hanover Square gemeinsam mit ihrer Schwester, der inzwischen verheirateten Harfenistin → Camille Delaval. Henriette Larrivée betätigte sich dabei sowohl als Pianistin (Sinfonia Concertante von Gossec für Harfe und Klavier mit ihrer Schwester) als auch als Geigerin (Konzert von Giornovichi). Auch im folgenden Jahr traten beide in einem von Salomon geleiteten Konzert an gleicher Stelle auf. 1794 konzertierte Henriette Larrivée erneut am Hanover Square. Neben Camille Delaval musizierte dieses Mal auch die Violinistin Louise Gautherot mit Henriette Larrivée; beide spielten gemeinsam eine nicht näher bezeichnete Concertante von Viotti. Ein Konzert, in dem gleich drei Instrumentalistinnen auftraten, dürfte im 18. Jahrhundert eine große Ausnahme gewesen sein.

Henriette Larrivée heiratete den Komponisten und Musikschriftsteller Antonio Borghese (ca. 1745-1806), der Zeitpunkt der Heirat ist jedoch ungewiss. MGG 2000 vermutet, die Verehelichung habe zwischen 1784 und 1789 stattgefunden. Dies erscheint jedoch unwahrscheinlich, da die Londoner Zeitungen zu Beginn der 1790er Jahre stets den Geburtsnamen der Musikerin angeben (im Gegensatz zu ihrer Schwester, die mit ihrem neuen Familiennamen bezeichnet wird). Spätestens 1799 war die Geigerin jedoch verheiratet, da sie in diesem Jahr in Paris mit ihrem Ehemann konzertierte. Im selben Jahr spielte sie in einem Pariser Konzert je ein Violinkonzert von Viotti und Giornovichi.

Über das weitere Leben der Musikerin sind zurzeit keine Informationen auffindbar. Sie war jedoch auch als Komponistin tätig, erhalten ist u. a. eine Triosonate (Clavier, Violine, Bass). In düsterster Wahrnehmungstradition schreibt noch MGG 2000: „Die beiden erhaltenen Kompositionen von Henriette Borghese […] sind liebenswürdige und leichte Werke, ohne Originalität und Erfindergeist“ (Personenteil Bd. 3, Sp.404).

 

LITERATUR

Morning Chronicle (London) 1792, 18. Apr.; 1794, 1. Apr.

Morning Herald (London) 1792, 18. Apr.

Morning Post (London) 1794, 7. Apr.

Oracle (London) 1791, 9. Apr.; 1794, 31. März

Mendel, Fetis, MGG 1, MGG 2000 (Art. Borghese), Kutsch/Riemens

Thomas B. Milligan, The Concerto and London’s Musical Culture in the Late Eighteenth Century, Ann Arbor 1983.

 

VT

 

© 2009 Freia Hoffmann