Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Prochaska, Prohaska, (Marie Christiane) Eleonore

* 11. März 1785 in Potsdam, † 5. Okt. 1813 in Dannenberg, Flötistin und Trommelspielerin. Älteste Tochter eines Offiziers und Musiklehrers, wuchs sie teilweise im Potsdamer Militärwaisenhaus auf, lebte aber zwischen 1810 und 1813 wieder bei ihrem Vater. Von ihm unterrichtet, hatte sie sich der „Allgemeinen musikalischen Zeitung" zufolge „frühzeitig eine große Fertigkeit auf der Flöte erworben, und gab daher auch vor einigen Jahren mit ihrem Vater Concerte hier in Berlin“ (AmZ 1813, Sp. 758). 1813 schloss sie sich unter dem Namen August Renz als freiwilliger Jäger zu Fuß dem Lützow’schen Freikorps an. In der Schlacht an der Göhrde, wo Preußen und Russen über die Franzosen siegten, wurde sie am 16. Sept. 1813 tödlich verwundet. Ihr kriegerischer Einsatz an der Seite von Theodor Körner, Ludwig Jahn und Friedrich Förster wurde von Florian Pichler, Friedrich Förster und Friedrich Rückert in Gedichten besungen. Das bekannteste der ihr gewidmeten Dramen stammt von Friedrich Duncker (Leonore Prohaska), Beethoven schrieb 1815 dazu die Schauspielmusik (WoO 96).

 

LITERATUR

AmZ 1813, Sp. 758; 1814, Sp. 200f.

Becker, ADB

Friedrich Förster, Geschichte der Befreiungs-Kriege 1813.1814.1815, Bd. I, 9 Berlin 1889.

C. von Zepelin, Die Befreiungskriege 1813-1815, Berlin 1913.

Otto Karstädt, Heldenmädchen und -Frauen aus großer Zeit (1813), Hamburg 1913.

Freia Hoffmann, Instrument und Körper. Die musizierende Frau in der bürgerlichen Kultur, Frankfurt a. M. u. Leipzig 1991.

Freia Hoffmann, „Musik zu Dunckers ‚Leonore Prohaska' WoO 96", in: Beethoven. Interpretationen seiner Werke, hrsg. von Albrecht Riethmüller [u. a.], 2 Bde., Bd. 2, Laaber 1994, S. 504-508.

Matthew Head, Sovereign Feminine. Music and Gender in Eighteenth-Century Germany, Berkeley [u. a.] 2013.

 

FH

 

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