Dietz, Cathinka

Dietz, Cathinka

Dietzvon Dietz, de Dietz, Diez, Cathinka, Kathinka, verh. Mackenzie de Dietz

 

 

* 1813 vermutlich in Landsberg/Lech (nicht 1816 in München, wie bei Schilling, Gaßner, Mendel angegeben), † 6. Dez. 1901 in Paris, Pianistin und Komponistin. Die Musikerin nannte sich von Dietz bzw. de Dietz, die Familie ist jedoch nicht adelig; sowohl ein Gesuch des Vaters Joseph Dietz, Landgerichtsarzt in Kulmbach, im Jahr 1835 als auch eine Bittschrift von Cathinka Dietz aus dem Jahr 1842 auf Erhebung des Vaters in den Adelsstand wurde vom bayrischen König Ludwig I. abgelehnt.

 

Cathinka Dietz erregte bereits als Kind bei Auftritten in privaten Zirkeln und bei Hof Bewunderung. Ihre Eltern erhielten finanzielle Zuwendungen vom bayrischen Königshaus, damit die Tochter zunächst bei Johann Nepomuk Hummel in Weimar und ab 1828 bei Friedrich Kalkbrenner in Paris ausgebildet werden konnte (Dauer und Höhe des Stipendiums lassen sich nicht nachweisen, lediglich aus der Regierungszeit Ludwig I. ist für Oktober 1829 ein Beleg der Kabinettskassenverwaltung überliefert, wonach „Landgerichtsarzt Diez in Kulmbach f. seine Tochter Cath.“ der Betrag von 8 Florin angewiesen wurde). Ihr Pariser Konzertdebüt gab sie am 7. Febr. 1836 in der Salle Pleyel mit dem 1. Satz aus Hummels Klavierkonzert a-Moll op. 85 und Kalkbrenners Grand Duo D-Dur op. 128 für zwei Klaviere, das sie mit dem zu der Zeit bereits berühmten Sigismund Thalberg spielte. Die Zeitungskritiken waren voll des Lobes, innerhalb kurzer Zeit erwarb sich Cathinka Dietz in Paris den Ruf als eine der führenden Pianistinnen.

 

 

 

 

Im Herbst und Winter 1838 reiste sie durch Deutschland. Sie konzertierte vor dem bayerischen Hof, überreichte König Ludwig I. eine Sammlung von selbst verfassten Gedichten und wurde zur Kammervirtuosin der Königin Therese ernannt. Weitere Stationen waren u. a. Bayreuth, Bamberg, Dresden und Berlin. Im Gegensatz zu den Pariser Erfolgen verlief die Tournee durch Deutschland weniger positiv. Ihr Spiel wurde als nicht mehr zeitgemäß und zu wenig virtuos charakterisiert.

 

→ Clara Wieck schrieb am 25. Nov. 1838 aus Maxen (in Sachsen gelegenes Schloss im Besitz des Ehepaars Serre) an Robert Schumann: „Kathinka von Dietz ist jetzt da und giebt Dienstag Concert, worin ich mit ihr ein Duo von Kalkbrenner (sie spielt nur von ihm und Hummel) spielen sollte. […] Die Dietz hat eine ganz eigene Spielart; sehr schwach und süßlich. Sie selbst ist recht liebenswürdig, schon ziemlich alt und nicht hübsch; sie will nach 3 Jahren Arbeit noch (für ihre Geschwister) als Organistin in ein Kloster gehen“.

 

Im deutschsprachigen Raum trat Cathinka Dietz – abgesehen von einer Tournee entlang des Rheins im Sommer 1846 – nur noch in Bayern auf, wenn sie dort ihren Verpflichtungen als Kammervirtuosin nachzukommen hatte.

 

Paris blieb Cathinka Dietz’ Lebensmittelpunkt. 1841 spielte sie erstmalig vor dem französischen Hof, 1845 wurde sie zur Salondame und Pianistin der französischen Königin Marie-Amélie ernannt. Sie konzertierte mit großem Erfolg in Frankreich und England; von 1843 bis 1847 ging sie alljährlich auf Tournee nach London und durch englische Seebäder. Die Konzertreisen der 1840er Jahren unternahm sie gemeinsam mit der Sängerin Anna (Nanny) Bochkoltz (verheiratete Bochkoltz-Falconi).

 

Bei einem Konzert in London spielte Cathinka Dietz 1845 neben einer Fantasie Kalkbrenners und der Kreutzer-Sonate Beethovens (gemeinsam mit Prosper Philippe Catherine Sainton) auch ein Klavierkonzert Mozarts. „Madame de Dietz is a brilliant and finished pianist, and performed a concerto of Mozart, with full orchestra […] with admirable effect. In the concerto of Mozart, the fair pianist introduced a cadence written by Kalkbrenner, which had better been omitted, being out of character with Mozart’s music" (MusW 1845, S. 345). Zu ihrem Repertoire gehörten auch mehrere Bearbeitungen von Schubert-Liedern für Klavier von Franz Liszt sowie dessen Réminiscences de „Robert le Diable“ und eigene Werke. Außerdem trug sie Klavierlieder vor; Conradin Kreutzer vertonte ein Gedicht Victor Hugos für sie. Auch andere Komponisten widmeten ihr Werke, darunter Friedrich Kalkbrenner ( 12 Etudes progressives op. 161).

 

Cathinka Dietz war darum bemüht, enge Kontakte zu höfischen Kreisen zu halten. So widmete sie ihre Kompositionen (überwiegend Salonstücke) adeligen Gönnerinnen, die auf den Titelblättern der Notenausgaben namentlich genannt werden. In London trat sie mehrfach vor Königin Victoria auf; die Regentin nahm 1847 die Widmung eines Oratoriums an (das Werk ist nicht überliefert, ebenso ein weiteres Oratorium, das Dietz der russischen Zarin widmete).

 

Im Aug. 1847 heiratete Cathinka Dietz in der Kirche All Souls in St. Marylebone, London, Captain William Mackenzie Shaw. Fortan nannte sie sich Mackenzie de Dietz. Ab 1854 sind Konzerte belegt, die sie mit einem größeren Kreis wechselnder SolistInnen in ihrer Villa in Saint-Germain-en-Laye westlich von Paris gab. Ab Mitte der 1860er Jahre trat sie selbst nicht mehr auf, war aber weiterhin als Veranstalterin von Konzerten sowie als Klavierlehrerin, Komponistin und Autorin (sie schrieb Gedichte und veröffentlichte Bearbeitungen flämischer Legenden in französischen Zeitschriften) tätig.

 

Drei autographe Briefe in französischer Sprache (alle ohne Jahresangabe) sind von Cathinka Dietz erhalten, sie behandeln Auftrittsangelegenheiten (zwei dieser Briefe liegen in der Universitätsbibliothek Frankfurt a. M., der dritte im Zentrum für Theaterforschung in Hamburg).

 

 

WERKE FÜR KLAVIER

 

Souvenirs de Londres. 6 Valses, Paris, London, Leipzig, undat.

 

Souvenirs de Londres. 2 Suites de Valse [erschienen 1846]

 

Caprice pour le Piano, op 3 Paris, London (vermutlich 1847 komponiert)

 

Gemeinsam mit E[mile] Albert [frz. Komponist, 1823-1865], Grand Duo de Salon für zwei Klaviere, op. 18, Mailand 1850

 

Œnone. Pensée romantique, Paris o.J.

 

La Marche héroïque ottomane, für zwei Pianoforte, komponiert zur Feier anlässlich des Geburtstags des Sultans Abd-ul-Hamid Khan H Ghazi am 5. März 1893 in Paris

 

Arabesque musicale, Le Printemps (études en octaves), komponiert 1866

 

 

BEARBEITUNGEN

 

Marche hongroise op. 13 v. Henri Kowalski; [arranged by] A Madame Mackensie [sic], née Cathinka de Dietz, Sydney: W. H. Paling & Co., 1900

 

 

LITERATUR

 

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Heroldenamt 911

 

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Geheimes Hausarchiv, Kabinettskassenverwaltung König Ludwig I.

 

Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kriegsarchiv, OP 84534 Akte Joseph Dietz

 

Katholisches Stadtpfarramt Mariä Himmelfahrt in Landsberg/Lech

 

AmZ 1838, Sp. 875; 1839, Sp. 67, 153; 1845, Sp. 400

 

Annuaire des lettres, des arts et des théâtres 1847, S. 254

 

L’Artiste 1840, S. 191

 

AWM 1844, S. 212; 1847, S. 207

 

Castelli 1836, S. 46, 55; 1838, S. 88, 146, 186

 

Catalogue général de la librairie française (hgg. v. Otto Lorenz), 1866-1875, Bd. I – Z, S. 194

 

GaillardBMZ 1847, Nr. 4

 

Iris 1838, S. 204; 1839, S. 12

 

Journal des beaux-arts et de la littérature [Paris] 1838, S. 47

 

Le Ménestrel 1837/38 Nr. 10 S. 4, Nr. 39 S. 4; 1838/39 Nr. 3 S. 3; 1840/41 Nr. 31 S. 1; 1841/42 Nr. 39 S. 3, Nr. 40 S. 3, Nr. 44 S. 4, Nr. 52 S. 4; 1842/43 Nr. 11 S. 1, Nr. 48 S. 3; 1843/44 Nr. 2 S. 3, Nr. 19 S. 3, Nr. 31 S. 3; 1844/45 Nr. 2 S. 3, Nr. 18 S. 1; 1845/46 Nr. 11 S. 3, Nr. 31 S. 3, Nr. 33 S. 3, Nr. 38 S. 4, Nr. 40 S. 3; 1846/47 Nr. 9 S. 2; 1862/63 Nr. 18 S. 7

 

Monatshefte für Musik-Geschichte 1902, S. 137

 

The Morning Chronicle [London] 1859 (Issue 28771), S. 6

 

Musical Standard 1871, S. 375

 

Musikalisch-literarischer Monatsbericht 1850, S. 116

 

MusW 1841, S. 173; 1845, S. 345; 1847, S. 529, S. 811; 1853, S. 284

 

Le nouvel organe. Historique, Philosophique, Littéraire 1861, S. 6

 

NZfM 1836 I, S. 132; 1838 II, S. 54, 162, 182, 185f., 190, 202; 1839 I S. 46; 1843 I, S. 102; 1845 I, S. 54

 

The Patrician 1847, S. 289

 

Revue du théâtre, journal des auteurs, des artistes et des gens du monde 1838, S. 140, 280

 

RGM 1836, S. 60, 71; 1838, S. 16, 53; 1840, S. 437; 1842, S. 424; 1844, S. 132, 435; 1845, S. 102, 107, 236; 1846,S. 221; 1847, S. 10; 1854,S. 203; 1856, S. 311; 1858, S. 114, 134, 163; 1859, S. 165, 339; 1861, S. 294, 310; 1863, S. 118, 158; 1865, S. 39, 250; 1866, S. 198; 1868, S. 36, 279, 318, 335

 

Theatrical Observer (London), 20. Juni 1844, S. 1

 

Theatrical Times 1847, S. 22

 

Schilling, Gaßner, Mendel

 

Hector Berlioz.La Critique musicale, 1823-1863, hrsg. von Robert Cohen und Yves Gérard, 6 Bde. Bd. 2, Paris 1996.

 

Clara und Robert Schumann, Briefwechsel. Kritische Gesamtausgabe, hrsg. von Eva Weissweiler, 3 Bde., Bd. 1, Basel u. Frankfurt a. M. 1987.

 

Augustin Grisier [u. a.], Les armes et le duel, Paris 1847.

 

Gustav Klemm, Die Frauen. Culturgeschichtliche Schilderungen des Zustandes und Einflusses der Frauen in den verschiedenen Zonen und Zeitaltern, 6 Bde. Bd. 5, Dresden 1858.

Delphine de Girardin, Œuvres complets. Lettres parisiennes, Années 1840-1848, 5 Bde. Bd. 5., Paris 1868.

 

Arséne Houssaye, Le confessions. Souvenirs d’un demi-siècle, 1830-1880, Paris 1885.

 

Hans Nautsch, Friedrich Kalkbrenner. Wirkung und Werk (= Hamburger Beiträge zur Musikwissenschaft 25), Hamburg 1983.

Therese Ellsworth, The piano concerto in London concert life between 1801 and 1850, Ann Arbor 1991.

Freia Hoffmann, Instrument und Körper. Die musizierende Frau in der bürgerlichen Kultur, Frankfurt a. M. u. Leipzig 1991.

 

Katherine Ellis, Female Pianists and Their Male Critics in Nineteenth-Century Paris”, in: Journal of the American Musicological Society 2-3 (1997), S. 353-385.

 

Hommage an Rossini. Katalog zur Ausstellung 9.6. bis 7.7.1999 Stuttgart, hrsg. von Reto Müller (= Schriftenreihe der Deutschen Rossini-Gesellschaft e.V. 3), Leipzig 1999.

 

Therese Ellsworth, Women Soloists and the Piano Concerto in Nineteenth-Century London”, in: Ad Parnassum. A Journal of Eighteenth- and Nineteenth-Century Instrumental Music II/1 (2003), S. 21-49.

 

David Korevaar/Laurie J. Sampsel, The Ricardo Viñes Piano Music Collection at the University of Colorado at Boulder”, in: Notes 2 (2004), S. 361-400.

 

Bildnachweis

 

Abb. mit freundlicher Genehmigung der New York Public Library for the Performing Arts/Music Division, http://digitalgallery.nypl.org/nypldigital/id?1148142, Zugriff am 6. Jan. 2010.

 

 

Heike Frey

 

 

 

© 2010 Freia Hoffmann

Dietzvon Dietz, de Dietz, Diez, Cathinka, Kathinka, verh. Mackenzie de Dietz

 




* 1813 vermutlich in Landsberg/Lech (nicht 1816 in München, wie bei Schilling, Gaßner, Mendel angegeben), † 6. Dez. 1901 in Paris, Pianistin und Komponistin. Die Musikerin nannte sich von Dietz bzw. de Dietz, die Familie ist jedoch nicht adelig; sowohl ein Gesuch des Vaters Joseph Dietz, Landgerichtsarzt in Kulmbach, im Jahr 1835 als auch eine Bittschrift von Cathinka Dietz aus dem Jahr 1842 auf Erhebung des Vaters in den Adelsstand wurde vom bayrischen König Ludwig I. abgelehnt.





Cathinka Dietz erregte bereits als Kind bei Auftritten in privaten Zirkeln und bei Hof Bewunderung. Ihre Eltern erhielten finanzielle Zuwendungen vom bayrischen Königshaus, damit die Tochter zunächst bei Johann Nepomuk Hummel in Weimar und ab 1828 bei Friedrich Kalkbrenner in Paris ausgebildet werden konnte (Dauer und Höhe des Stipendiums lassen sich nicht nachweisen, lediglich aus der Regierungszeit Ludwig I. ist für Oktober 1829 ein Beleg der Kabinettskassenverwaltung überliefert, wonach „Landgerichtsarzt Diez in Kulmbach f. seine Tochter Cath.“ der Betrag von 8 Florin angewiesen wurde). Ihr Pariser Konzertdebüt gab sie am 7. Febr. 1836 in der Salle Pleyel mit dem 1. Satz aus Hummels Klavierkonzert a-Moll op. 85 und Kalkbrenners Grand Duo D-Dur op. 128 für zwei Klaviere, das sie mit dem zu der Zeit bereits berühmten Sigismund Thalberg spielte. Die Zeitungskritiken waren voll des Lobes, innerhalb kurzer Zeit erwarb sich Cathinka Dietz in Paris den Ruf als eine der führenden Pianistinnen.




Im Herbst und Winter 1838 reiste sie durch Deutschland. Sie konzertierte vor dem bayerischen Hof, überreichte König Ludwig I. eine Sammlung von selbst verfassten Gedichten und wurde zur Kammervirtuosin der Königin Therese ernannt. Weitere Stationen waren u. a. Bayreuth, Bamberg, Dresden und Berlin. Im Gegensatz zu den Pariser Erfolgen verlief die Tournee durch Deutschland weniger positiv. Ihr Spiel wurde als nicht mehr zeitgemäß und zu wenig virtuos charakterisiert.

 


→ Clara Wieck schrieb am 25. Nov. 1838 aus Maxen (in Sachsen gelegenes Schloss im Besitz des Ehepaars Serre) an Robert Schumann: „Kathinka von Dietz ist jetzt da und giebt Dienstag Concert, worin ich mit ihr ein Duo von Kalkbrenner (sie spielt nur von ihm und Hummel) spielen sollte. […] Die Dietz hat eine ganz eigene Spielart; sehr schwach und süßlich. Sie selbst ist recht liebenswürdig, schon ziemlich alt und nicht hübsch; sie will nach 3 Jahren Arbeit noch (für ihre Geschwister) als Organistin in ein Kloster gehen“.

 




Im deutschsprachigen Raum trat Cathinka Dietz – abgesehen von einer Tournee entlang des Rheins im Sommer 1846 – nur noch in Bayern auf, wenn sie dort ihren Verpflichtungen als Kammervirtuosin nachzukommen hatte.

 




Paris blieb Cathinka Dietz’ Lebensmittelpunkt. 1841 spielte sie erstmalig vor dem französischen Hof, 1845 wurde sie zur Salondame und Pianistin der französischen Königin Marie-Amélie ernannt. Sie konzertierte mit großem Erfolg in Frankreich und England; von 1843 bis 1847 ging sie alljährlich auf Tournee nach London und durch englische Seebäder. Die Konzertreisen der 1840er Jahren unternahm sie gemeinsam mit der Sängerin Anna (Nanny) Bochkoltz (verheiratete Bochkoltz-Falconi).

 




Bei einem Konzert in London spielte Cathinka Dietz 1845 neben einer Fantasie Kalkbrenners und der Kreutzer-Sonate Beethovens (gemeinsam mit Prosper Philippe Catherine Sainton) auch ein Klavierkonzert Mozarts. „Madame de Dietz is a brilliant and finished pianist, and performed a concerto of Mozart, with full orchestra […] with admirable effect. In the concerto of Mozart, the fair pianist introduced a cadence written by Kalkbrenner, which had better been omitted, being out of character with Mozart’s music" (MusW 1845, S. 345). Zu ihrem Repertoire gehörten auch mehrere Bearbeitungen von Schubert-Liedern für Klavier von Franz Liszt sowie dessen Réminiscences de „Robert le Diable“ und eigene Werke. Außerdem trug sie Klavierlieder vor; Conradin Kreutzer vertonte ein Gedicht Victor Hugos für sie. Auch andere Komponisten widmeten ihr Werke, darunter Friedrich Kalkbrenner ( 12 Etudes progressives op. 161).

 




Cathinka Dietz war darum bemüht, enge Kontakte zu höfischen Kreisen zu halten. So widmete sie ihre Kompositionen (überwiegend Salonstücke) adeligen Gönnerinnen, die auf den Titelblättern der Notenausgaben namentlich genannt werden. In London trat sie mehrfach vor Königin Victoria auf; die Regentin nahm 1847 die Widmung eines Oratoriums an (das Werk ist nicht überliefert, ebenso ein weiteres Oratorium, das Dietz der russischen Zarin widmete).

 




Im Aug. 1847 heiratete Cathinka Dietz in der Kirche All Souls in St. Marylebone, London, Captain William Mackenzie Shaw. Fortan nannte sie sich Mackenzie de Dietz. Ab 1854 sind Konzerte belegt, die sie mit einem größeren Kreis wechselnder SolistInnen in ihrer Villa in Saint-Germain-en-Laye westlich von Paris gab. Ab Mitte der 1860er Jahre trat sie selbst nicht mehr auf, war aber weiterhin als Veranstalterin von Konzerten sowie als Klavierlehrerin, Komponistin und Autorin (sie schrieb Gedichte und veröffentlichte Bearbeitungen flämischer Legenden in französischen Zeitschriften) tätig.

 




Drei autographe Briefe in französischer Sprache (alle ohne Jahresangabe) sind von Cathinka Dietz erhalten, sie behandeln Auftrittsangelegenheiten (zwei dieser Briefe liegen in der Universitätsbibliothek Frankfurt a. M., der dritte im Zentrum für Theaterforschung in Hamburg).

 

 




WERKE FÜR KLAVIER

 


Souvenirs de Londres. 6 Valses, Paris, London, Leipzig, undat.

 


Souvenirs de Londres. 2 Suites de Valse [erschienen 1846]

 


Caprice pour le Piano, op 3 Paris, London (vermutlich 1847 komponiert)

 


Gemeinsam mit E[mile] Albert [frz. Komponist, 1823-1865], Grand Duo de Salon für zwei Klaviere, op. 18, Mailand 1850

 


Œnone. Pensée romantique, Paris o.J.

 


La Marche héroïque ottomane, für zwei Pianoforte, komponiert zur Feier anlässlich des Geburtstags des Sultans Abd-ul-Hamid Khan H Ghazi am 5. März 1893 in Paris

 


Arabesque musicale, Le Printemps (études en octaves), komponiert 1866

 

 




BEARBEITUNGEN

 


Marche hongroise op. 13 v. Henri Kowalski; [arranged by] A Madame Mackensie [sic], née Cathinka de Dietz, Sydney: W. H. Paling & Co., 1900

 

 




LITERATUR

 


Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Heroldenamt 911

 


Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Geheimes Hausarchiv, Kabinettskassenverwaltung König Ludwig I.

 


Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Kriegsarchiv, OP 84534 Akte Joseph Dietz

 


Katholisches Stadtpfarramt Mariä Himmelfahrt in Landsberg/Lech

 


AmZ 1838, Sp. 875; 1839, Sp. 67, 153; 1845, Sp. 400

 


Annuaire des lettres, des arts et des théâtres 1847, S. 254

 


L’Artiste 1840, S. 191

 


AWM 1844, S. 212; 1847, S. 207

 


Castelli 1836, S. 46, 55; 1838, S. 88, 146, 186

 


Catalogue général de la librairie française (hgg. v. Otto Lorenz), 1866-1875, Bd. I – Z, S. 194

 


GaillardBMZ 1847, Nr. 4

 


Iris 1838, S. 204; 1839, S. 12

 


Journal des beaux-arts et de la littérature [Paris] 1838, S. 47

 


Le Ménestrel 1837/38 Nr. 10 S. 4, Nr. 39 S. 4; 1838/39 Nr. 3 S. 3; 1840/41 Nr. 31 S. 1; 1841/42 Nr. 39 S. 3, Nr. 40 S. 3, Nr. 44 S. 4, Nr. 52 S. 4; 1842/43 Nr. 11 S. 1, Nr. 48 S. 3; 1843/44 Nr. 2 S. 3, Nr. 19 S. 3, Nr. 31 S. 3; 1844/45 Nr. 2 S. 3, Nr. 18 S. 1; 1845/46 Nr. 11 S. 3, Nr. 31 S. 3, Nr. 33 S. 3, Nr. 38 S. 4, Nr. 40 S. 3; 1846/47 Nr. 9 S. 2; 1862/63 Nr. 18 S. 7

 


Monatshefte für Musik-Geschichte 1902, S. 137

 


The Morning Chronicle [London] 1859 (Issue 28771), S. 6

 


Musical Standard 1871, S. 375

 


Musikalisch-literarischer Monatsbericht 1850, S. 116

 


MusW 1841, S. 173; 1845, S. 345; 1847, S. 529, S. 811; 1853, S. 284

 


Le nouvel organe. Historique, Philosophique, Littéraire 1861, S. 6

 


NZfM 1836 I, S. 132; 1838 II, S. 54, 162, 182, 185f., 190, 202; 1839 I S. 46; 1843 I, S. 102; 1845 I, S. 54

 


The Patrician 1847, S. 289

 


Revue du théâtre, journal des auteurs, des artistes et des gens du monde 1838, S. 140, 280

 


RGM 1836, S. 60, 71; 1838, S. 16, 53; 1840, S. 437; 1842, S. 424; 1844, S. 132, 435; 1845, S. 102, 107, 236; 1846,S. 221; 1847, S. 10; 1854,S. 203; 1856, S. 311; 1858, S. 114, 134, 163; 1859, S. 165, 339; 1861, S. 294, 310; 1863, S. 118, 158; 1865, S. 39, 250; 1866, S. 198; 1868, S. 36, 279, 318, 335

 


Theatrical Observer (London), 20. Juni 1844, S. 1

 


Theatrical Times 1847, S. 22

 


Schilling, Gaßner, Mendel

 


Hector Berlioz.La Critique musicale, 1823-1863, hrsg. von Robert Cohen und Yves Gérard, 6 Bde. Bd. 2, Paris 1996.

 


Clara und Robert Schumann, Briefwechsel. Kritische Gesamtausgabe, hrsg. von Eva Weissweiler, 3 Bde., Bd. 1, Basel u. Frankfurt a. M. 1987.

 


Augustin Grisier [u. a.], Les armes et le duel, Paris 1847.

 


Gustav Klemm, Die Frauen. Culturgeschichtliche Schilderungen des Zustandes und Einflusses der Frauen in den verschiedenen Zonen und Zeitaltern, 6 Bde. Bd. 5, Dresden 1858.

 


Delphine de Girardin, Œuvres complets. Lettres parisiennes, Années 1840-1848, 5 Bde. Bd. 5., Paris 1868.

 


Arséne Houssaye, Le confessions. Souvenirs d’un demi-siècle, 1830-1880, Paris 1885.

 


Hans Nautsch, Friedrich Kalkbrenner. Wirkung und Werk (= Hamburger Beiträge zur Musikwissenschaft 25), Hamburg 1983.

 


Therese Ellsworth, The piano concerto in London concert life between 1801 and 1850, Ann Arbor 1991.

 


Freia Hoffmann, Instrument und Körper. Die musizierende Frau in der bürgerlichen Kultur, Frankfurt a. M. u. Leipzig 1991.

 


Katherine Ellis, Female Pianists and Their Male Critics in Nineteenth-Century Paris”, in: Journal of the American Musicological Society 2-3 (1997), S. 353-385.

 


Hommage an Rossini. Katalog zur Ausstellung 9.6. bis 7.7.1999 Stuttgart, hrsg. von Reto Müller (= Schriftenreihe der Deutschen Rossini-Gesellschaft e.V. 3), Leipzig 1999.

 


Therese Ellsworth, Women Soloists and the Piano Concerto in Nineteenth-Century London”, in: Ad Parnassum. A Journal of Eighteenth- and Nineteenth-Century Instrumental Music II/1 (2003), S. 21-49.

 


David Korevaar/Laurie J. Sampsel, The Ricardo Viñes Piano Music Collection at the University of Colorado at Boulder”, in: Notes 2 (2004), S. 361-400.

 

 




Bildnachweis

 


Abb. mit freundlicher Genehmigung der New York Public Library for the Performing Arts/Music Division, http://digitalgallery.nypl.org/nypldigital/id?1148142, Zugriff am 6. Jan. 2010.

 

 


 

 


Heike Frey

 

 

© 2010 Freia Hoffmann

 

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