Hundt, Aline

Hundt, Aline

Hundt, Aline

 

 

* um 1849 (Ort unbekannt), † 23. Jan. 1872 in Berlin, Pianistin, Klavierlehrerin, Dirigentin und Komponistin. Über ihre musikalischen Anfänge ist nichts bekannt. Der „Neuen Berliner Musikzeitung“ zufolge absolvierte sie „ein längeres ernstes [Kompositions-] Studium bei den Professoren Marx, Kullak und Stern“ (Bock 1872, S. 37). Adolf Bernhard Marx (1795-1866), Theodor Kullak (1818-1882) und Julius Stern (1820-1883) waren die Gründer der „Musikschule für Gesang, Klavier und Komposition“ (1850), aus der sich später das erste Berliner Konservatorium entwickelte (das später in „Stern’sches Konservatorium“ umbenannt wurde). Möglich ist, dass sie Schülerin dieses Instituts gewesen ist und dort neben Kompositonsunterricht auch Klavierunterricht erhalten hat. Später (vor 1860) wurde sie Schülerin von Franz Liszt in Weimar, den sie über Hans von Bülow kennen gelernt hatte. Franz Liszt protegierte sie als Pianistin und Komponistin und zeigte großes Interesse an ihrem beruflichen Werdegang. In zwei Briefen an die Sängerin Emilie Merian-Genast (3. und 8. Nov. 1860) berichtet er von Aline Hundts Ernennung zur Sächsisch-Weimarischen Hofpianistin und ihrer Anstellung als Klavierlehrerin der Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar im Jahre 1860. Mindestens zweimal trat Liszt auch gemeinsam mit ihr auf, wobei sie beide Male seine Dante-Symphonie in der Fassung für zwei Klaviere spielten.

 

Aline Hundt blieb fünf Jahre am Weimarer Hof (1860-1865). In dieser Zeit sind neben Auftritten in Weimar Konzerte in Magdeburg, Leipzig und Karlsruhe nachweisbar, bei denen sie als Pianistin und als Komponistin in Erscheinung trat. Danach unternahm sie Reisen nach Paris und Italien, „wo sie in Rom ebenfalls unter dem Schutze des Abbate Franz Liszt die interessantesten Kreise zu besuchen Gelegenheit fand“ (Neue Berliner Musikzeitung 1872, S. 37). Es folgte ein dreijähriger Aufenthalt in Stuttgart bei der befreundeten Familie Sabini, wo sie sich verstärkt der Komposition zuwandte und sich erstmals an größere Formen wagte, u. a. entstanden dort ihre Symphonie und größere Chorwerke. In Stuttgart freundete sie sich mit dem Hofkapellmeister und Komponisten Carl Eckert (1820-1979) und seiner Frau an. Bei Konzerten im Hause des Ehepaares hatte sie Gelegenheit, eigene Werke aufzuführen, wobei sie selbst als Pianistin in Erscheinung trat. Als Carl Eckert als Hofkapellmeister nach Berlin berufen wurde, folgte sie dem Ehepaar dorthin. In Berlin wirkte sie weiterhin bei Konzerten im Haus des Ehepaars Eckert als Pianistin und Komponistin mit und bekam auch Gelegenheit, im Opernhaus eigene Kompositionen aufzuführen. Am 28. März 1871 schockierte sie die Musikwelt, indem sie ihre Symphonie in einem Konzert der Singakademie in Berlin selbst dirigierte. Vom ungewöhnlichen Auftritt einer Frau als Komponistin und Dirigentin nahm selbst die internationale Presse Notiz und reagierte teilweise mit Ablehnung und Vorurteilen, anderseits aber auch mit Anerkennung.

 

Ein Jahr nach ihrem großen Berliner Auftritt starb Aline Hundt an einer ungeklärten Krankheit, der eine Zeit des unerbittlichen Leidens vorausgegangen sein muss (Neue Berliner Musikzeitung 1872, S. 38). Im Jahr vor ihrem Tod wirkte sie noch an mehreren, von Franz Liszt veranstalteten Matineen mit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

WERKE FÜR KLAVIER SOLO

 

Phantasie für Piano, op. 1, Leipzig und Dresden: Klemm 1861; Trois Fantaisie-Caprices pour le Piano op. 2, Leipzig und Dresden: Klemm 1861; Ballade op. 4, Leipzig: Gustav Heinze 1863.

 

Werke ohne Opuszahl: Mazurka-Caprice für Klavier, Berlin: Challier o. J.; Polka für Klavier, Berlin: Challier: o. J.; Valse (über eine Publikation ist nichts bekannt, diese Kompostion wurde bei einem Konzert im Jahre 1862 von der Pianistin → Sophie Pflughaupt aufgeführt).

 

 

LITERATUR

 

Bock 1866, S. 11; 1870, S. 85, 127; 1871, S. 61; 1872, S. 37f.

 

NZfM 1860 I, S. 235; 1860 II, S. 208; 1861 I, S.74, 210; 1861 II, S. 144f., 1862 I, S. 35; 1862 II, S. 25, 190; 1863 I, S. 215; 1863 II, S. 12; 1864, S. 366; 1865, S. 408; 1866, S. 89, 264f.; 1868, S. 242; 1869, S. 170, 211; 1870, S.174, 183; 1871, S. 145, 172, 299f., 327; 1872, S. 65

 

MusW 1871, S. 223

 

New York Times, Rubrik News from Abroad 2. Apr. 1871

 

Signale 1861, S. 561; 1866, S. 121; 1867, S. 849; 1870, S. 406; 1871, S. 145, 266, 294; 1872, S. 128; 1873, S. 100

 

Mendel Suppl., Pazdirek, Altmann (Art. Eckert, Karl), Cohen

 

Amy Fay, Musikstudien. Aus Briefen in die Heimath, Berlin 1882, Repr. Regensburg 1996.

 

Franz Liszt, Briefe, hrsg. von La Mara, 8 Bde., Leipzig 1893-1905.

 

Franz Rudolf Jung (Hrsg.), Franz Liszt in seinen Briefen: Eine Auswahl, Frankfurt a. M. 1988.

 

Klára Hamburger, Franz Liszts Briefe an Emilie Merian-Genast aus den Beständen des Goethe- und Schiller-Archiv Weimar, Teil 1, in: Studia Musicologica 3-4 (2007), S. 353-390.

 

Silke Wenzel, Aline Hundt, http://mugi.hfmt-hamburg.de/A_lexartikel/lexartikel.php?id=hund1849, Zugriff am 18. Juni 2010.

 

Arthur Elson, Woman’s Work in Music, http://www.gutenberg.org/files/20571/20571-h/20571-h.htm, Zugriff am 1. Aug. 2008.

 

 

Bildnachweis

 

Aline Hundt, Trois Fantaisie-Caprices, Titelblatt des Drucks von C. A. Klemm, Leipzig [u. a.], o. J.

 

 

Hanna Bergmann

 

 

© 2009 Freia Hoffmann