Roeckel, Jane

Roeckel, Jane

Roeckel, Jane, geb. Jackson, Jules de Sivrai (Pseudonym)

 

 

*1834 in Clifton, † 26. Aug. 1907 ebd., Pianistin, Violinistin und Komponistin. Ersten Unterricht erhielt sie von ihrem Vater Samuel Jackson, einem Maler und Musikliebhaber. Ihre Studien setzte sie bei Alexander Esain, Ernst Pauer, Sir Charles Hallé, → Clara Schumann, Jacob Blumenthal und Bernhard Molique fort. Als Solopianistin debütierte sie 1854 in drei Konzerten von Ernst Pauer, die dieser in London veranstaltete. Das erste fand am 9. März in den Willie’s Rooms statt, wo sie zusammen mit Pauer ein Klavierduett spielte: „The pianoforte duet of Onslow, the best of the two by that composer, was among the most attractive performances of the evening. It was admirable played by Miss Jane Jackson and Herr Pauer, and received with much favour“ (MusW 1854, S. 167). Ab 1862 gab sie regelmäßig Konzerte in ihrer Heimatstadt Clifton, wo sie unter anderem mit der Interpretation von Hummels Klavierkonzerten von sich reden machte. In einer dieser Veranstaltungen, „given by one whom we know to be skilled pianist – Miss Jane Jackson“ (The Athenaeum 1864, S. 552), wurde im Apr. 1864 die Kantate Ruth des seinerzeit bekannten, ebenfalls in Clifton ansässigen Komponisten Joseph Leopold Roeckel aufgeführt, während sie selbst „in her finished and elegant style the second and third movements of Mendelssohn’s concerto in d, with orchestral accompaniments“ (The Orchestra 1864, S. 445) spielte. Konzertgeberin und Komponist müssen Gefallen aneinander gefunden haben, denn bereits am 13. Juli 1864 (The Orchestra 1864, S. 669) heirateten sie in der Cliftoner Christ Church. Während ihrer Ehe blieb Jane Roeckel weiterhin beruflich aktiv, reduzierte aber die Anzahl ihrer Auftritte, um sich vornehmlich als Klavierlehrerin und Komponistin zu betätigen. Später veranstaltete sie auch Themenkonzerte, wovon sie eines im Jahr 1885 ausschließlich Kompositionen von Frauen widmete. Gleichzeitig setzte sie ihre gesellschaftlichen Kontakte immer wieder für karitative Zwecke ein und sammelte große Geldsummen u. a. für das örtliche Waisenhaus. 1889 gründete sie die Teachers Provident Association, eine öffentliche Anstalt zur Unterstützung betagter und körperlich eingeschränkter Instrumentallehrer.

 

Unter ihrem Pseudonym Jules de Sivrai schrieb Jane Roeckel von 1862 an ca. 200 Kompositionen, darunter 20 Lieder. Den Großteil ihres Œuvres bilden allerdings kleinere Klavierstücke und Fantasien über bekannte Melodien, die seinerzeit große Popularität errangen und oft im Konzertsaal erklangen. Die Pianistin → Arabella Goddard setzte sich nachdrücklich für Roeckels Werk ein.

 

 

 



Klavierfantasie von Jules de Sivrai alias Jane Roeckel

 


WERKE FÜR KLAVIER (Auswahl)

 

A merry peal. Valse joyeuse

 

Balmoral. Grand Scotch fantasia, online unter: http://www.nla.gov.au/apps/doview/nla.mus-an24666674-p

 

Blair Athol. Brilliant fantasia on Scotch airs, online unter: http://www.nla.gov.au/apps/doview/nla.mus-an21849117-p

 

Grand Fantasia on Irish Airs

 

Grand Welsh Fantasia, online unter: http://www.nla.gov.au/apps/doview/nla.mus-an21555497-p

 

La voltage. Galop de concert

 

Sulle onde. Caprice

 

The Magic Rill, Idylle, online unter: http://www.nla.gov.au/apps/doview/nla.mus-an5264683-p

 

Transkription von Händels Gavotte in B

 

Transkription ihres Liedes „Remember Me“

 

Vicar of Bray, Fantasia on Old English Airs

 

 

LITERATUR

 

The Athenaeum 1854, S. 284, 315; 1864, S. 551

 

The Bristol Mercury and Daily Post, 29. Juli 1894

 

The Minim 1899, S. 70

 

The Musical Herald 1894, S. 247; 1907, S. 305

 

The Musical Times 1907, S. 670

 

The MusW 1854, S. 167; 1857, S. 150; 1862, S. 299, 341

 

The Orchestra 1864, S. 445, 669

 

J. Warriner, National portrait gallery of British musicians, London 1896.

 

Pazdirek, Brown Brit, Cohen

 

Anonym, „Popular Lady Composers“, in: The Strand Musical Magazine 1 (1895), S. 414f.

 

Anonym, „Mr. J. L. Roeckel“, in: The Musical Herald 1898, S. 163-165.

 

Paula Gillett, Musical Women in England, 1870–1914. „Encroaching on all Man’s Privileges“, New York 2000.

 

 

Bildnachweis

 

The Strand Musical Magazine 1 (1895), S. 414

 

Titelseite von Jules de Savrais Grand Welsh Fantasia

 

 

MG

 

 

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