Barbi, Alice

Barbi, Alice

Barbi, Alice, verh. Wolff-Stomersee, verh. Tomasi

 

 

* 1. Juni 1862 in Bologna, † 4. Sept. 1948 in Rom, Violinistin, Sängerin und Komponistin. In eine Musikerfamilie hineingeboren, erhielt Alice Barbi ihre erste musikalische Ausbildung auf der Geige durch den Vater und wurde später von Carlo Verardi (1831-1878) unterrichtet. Ida Corsini, Gräfin von Tresana, sowie deren Ehemann schätzten die junge Musikerin sehr und ermöglichten ihr die besten Voraussetzungen für die Ausbildung ihrer musikalischen Fähigkeiten. 1876 wurde Alice Barbi in das „Erste Europäische Damenorchester“ von → Josephine Amann-Weinlich aufgenommen. Während einer Konzertreise nach Schweden trat sie hier erstmals als Geigensolistin in Erscheinung. Auch während einer Konzertreise durch die Niederlande Ende des Jahre 1876 trat sie als Solistin mit diesem Orchester auf. Einem Rezenzenten des „Leeuwarder Courant“ zufolge „bezit [zij] eene respectable technik en veel gevoel en ausak“ („besitzt [sie] eine gute Technik und viel Gefühl und Ausdruck“) (Leeuwarder Courant 7. Nov. 1876). Später leitete sie selbst eine „Wiener Damenkapelle“ (Rudolf Riga), bei deren Konzerten sie zugleich auch als Sologeigerin auftrat und „fand durch ihre gewandte Technik und ihren hübschen Vortrag Beifall“ (ebd.).

 

Weitaus größere Beachtung fand die Musikerin jedoch als Sängerin, wenngleich sie sich erst im Alter von 20 Jahren zu einer Gesangsausbildung entschloss. Zu ihren Lehrern zählen unter anderem Busi, Leopoldo Zamboni sowie später Vanuccini. Am 2. Apr. 1882 debütierte Alice Barbi in Italien als Mezzosopranistin und trat fortan nicht mehr als Geigerin vor die Öffentlichkeit. Als königl. Italienische Hofsängerin begab sie sich später auf einige Konzertreisen durch Europa.

 

Am 11. Febr. 1894 heiratete die Musikerin den Oberhofmeister des Kaisers von Russland, den Baron Boris Wolff-Stomersee, und zog sich aus dem öffentlichen Musikleben zurück. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, Alessandra und Olga. Nach dem Tod ihres Ehemannes heiratete sie erneut und zwar Pietro Tomasi, einen italienischen Politiker und Diplomaten.

 


 

 

LITERATUR

 

Bock 1887, S. 13, 46

 

FritzschMW 1896, S. 353

 

Monthly Music Record 1890, S. 32

 

The Musical Standard 1882, S. 142

 

The MusW 1885, S. 453

 

Musikpädagogische Blätter 1892, S. 45, 72

 

Signale 1894, S. 231, 615

 

Rudolf Riga, Baker, Altmann, Altmann Erg, Cohen

 

Eduard Hanslick, Aus dem Tagebuch eines Musikers. Kritiken und Schilderungen (= Moderne Oper 6), Berlin 1892.

 

Cesar Saerchinger, International who’s who in music and musical gazeteer, New York 1918.

 

Alberto De Angelis, L'Italia musicale d'oggi. Dizionario dei musicisti: compositori - direttori d'orchestra - concertisti - insegnanti - liutai - cantanti - scrittori musicali - librettisti - editori musicali - ecc., Rom 31928.

 

Carlo Schmidl, Dizzonario universal dei musicisti, 2 Bde., Bd. 1, Mailand 1937.

 

Jacques Burdet, La musique dans le pays de Vaud aux XIXe siècle, Lausanne 1971.

 

Peter Muck, Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester. Darstellung in Dokumenten, 3 Bde., Bd. 3, Tutzing 1982.

 

Hannes Stekl, „Höhere Töchter“ und „Söhne aus gutem Haus“. Bürgerliche Jugend in Monarchie und Republik, Weimar [u.a.] 1999.

 

Ilona von Dohnányi, Ernst von Dohnányi. A song of life, Bloomington 2002.

 

Walter Frisch/ Kevin Kames, Brahms and his world, Princeton 2009.

 

 

Bildnachweis

 

Brustbild, von Josef Löwy; Sammlung Manskopf, Goethe Universität Frankfurt a. M., http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2003/7900345, Zugriff am 19. Nov. 2010

 

Fotografie von Rudolf Koziwanek; Deutsches Musikgeschichtliches Archiv, http://www.dmga.de/bildarchiv/index.htm, Zugriff am 3. Dez. 2010

 

 

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