Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar |
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| * 24. Okt. 1739 in Wolfenbüttel, † 10. Apr. 1807 in Weimar, Cembalistin, Pianistin, Harfenistin, Flötistin, Sängerin und Komponistin. Anna Amalia kam als fünftes von 13 Kindern des Herzogs Carl von Braunschweig-Wolfenbüttel und der Herzogin Philippine Charlotte zur Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie am Braunschweiger Hof, wo sie eine umfassende Ausbildung erhielt. Hier wurde sie von Lehrern des Collegium Carolinum (Bildungsinstitution, aus der später die Technische Universität Braunschweig entstand) unterrichtet. Besonders Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem sorgte für eine breite und liberale Bildung der Kinder des Herzogs. Neben der Vorbereitung auf das Amt der Fürstin erhielt Anna Amalia auch Zeichen- und Instrumentalunterricht. Den Klavierunterricht erteilte ihr der Komponist und Hofmusiker Friedrich Gottlob Fleischer. |
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1756 wurde die 16-jährige mit dem zwei Jahre älteren Herzog Ernst August Constantin von Weimar verheiratet. Die Umsiedlung nach Weimar sollte für sie keine zu schmerzliche Erfahrung gewesen sein, fühlte sie sich doch von den Eltern vernachlässigt und den Geschwistern gegenüber benachteiligt: “Nicht geliebt von meinen Eltern, immer zurückgesetzt, meinen Geschwistern in allen Stücken nachgesetzt, nannte man mich nur den Ausschuß der Natur” (Wahl 1994, S. 99 ff.). |
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Zwar war ihre Ehe - wie damals üblich - arrangiert, doch teilte der junge Herzog ihre Vorliebe für Musik und Theater. So unternahm das Paar nach seiner Ankunft mit der Förderung eines Hoftheaters erste Schritte für die Kulturpflege in Weimar. Bereits zwei Jahre später, kurz vor der Geburt des zweiten Sohnes, verstarb Herzog Ernst August Constantin. |
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Von ihren Pflichten als Regentin entbunden, konnte Anna Amalia sich nun ganz auf ihre vielfältigen Interessen konzentrieren. Diese erstreckten sich auch auf weitere Gebiete der Kunst und der Wissenschaft. Sie versammelte um sich einen Kreis aus Schriftstellern, Künstlern und Gelehrten, die sich regelmäßig zum Gedankenaustausch trafen. Hier wurde gedichtet, gemalt, komponiert und vorgetragen. Dieser Kreis, zu dem u. a. Goethe, Wieland und Herder gehörten, nannte sich „Tafelrunde“ und beeinflusste nachhaltig die Weimarer Klassik. |
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In den Jahren 1788 bis 1790 unternahm Anna Amalia eine Reise nach Italien, auf der sie unter anderem von ihrer Hofdame Louise von Göchhausen und Friedrich Hildebrand von Einsiedel begleitet wurde. Später stieß auch Herder zur Gruppe. Die Unternehmung kann als musikalische Bildungsreise verstanden werden. Fast täglich wurden Konzerte oder Opern besucht oder musikalische Abende im eigenen Haus veranstaltet. In Neapel erhielt sie Gitarrenunterricht von Nicolo Signorile. Auch nach ihrer Rückkehr nach Weimar spielte sie dieses Instrument weiter, trat aber vermutlich nicht öffentlich damit auf. Ihre Hauptinstrumente blieben das Cembalo und das Klavier. |
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Ein weiteres großes Beschäftigungsgebiet Anna Amalias war die Komposition. Die Herzogin beschäftigte sich sowohl mit Instrumental- als auch mit Vokalmusik. Im Nachhinein wurden Anna Amalia einige Werke zugeschrieben, von denen ihr nach dem neuesten Forschungsstand fünf mit hoher Wahrscheinlichkeit zuzuordnen sind. Eines ist die Singspiel-Vertonung von Goethes Erwin und Elmire. |
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Anna Amalia beschäftigte sich nicht nur praktisch mit der Musik, sondern setzte sich auch theoretisch mit ihr auseinander. Dies wird an zwei Abhandlungen deutlich, die sie verfasst hat. Beide entstanden vermutlich nach ihrer Italienreise. Bei der ersten handelt es sich um eine 80-Seitige musiktheoretische Schrift (HAAB, Sig. Mus. VIII:9). Die zweite stellt eine musikästhetische Überlegung unter dem Titel Gedanken über die Musick (ThHStAW, HAA XVIII 150 a) dar. |
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Nach 1790 spielte Anna Amalia nur noch im privaten Kreis und verzichtet auf Auftritte bei öffentlichen Konzerten. |
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Am 12. März 1807 starb sie in Weimar. |
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In der Fachliteratur gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen zur Einordnung von Anna Amalias musikalischem Können und ihren Intentionen. Charakterisierungen reichen von der adeligen Liebhaberin oder Dilettantin (Huschke, Berger) bis hin zur Komponistin und Pianistin. |
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WERKE |
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Sinfonia a due Oboi, due Flauti, due Violini, Viola, e Basso / Di Amalia [G-Dur] , 1765, HAAB Mus. IIIc: 110. |
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Sonatina per il Cembalo obligato Corno Primo Corno Secondo Oboe Primo Oboe Secondo Flauto[ ...] / di Amalia [G-Dur], [ca. 1780], HAAB Mus. IVf: 1. |
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Divertimento per il Piano-forte Clarinetto Viola e Violoncell, [ca. 1790], HAAB Mus. IVf: 4. |
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Anna Amalia von Sachsen-Weimar, Theoretisches Unterrichtswerk, HAAB, Sig. Mus. VIII:9. |
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Anna Amalia von Sachsen-Weimar, Gedanken über die Musick, ThHStAW, HAA XVIII 150 a. |
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LITERATUR |
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AMZ 1814, Sp. 293f. |
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Gerber1, Chor/Fay, Gerber2, Schilling, Mendel, Baker I, New Grove, Cohen, MGG 2000, New Grove 2001 |
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Alexander von Sternberg, Berühmte deutsche Frauen 2. Teil, Leipzig 1848. |
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Friedericke Bornhak, Anna Amalia, Berlin 1892. |
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Wilhelm Bode, Amalie Herzogin von Weimar Bd. I: Das vorgoethische Weimar, Berlin 1908. |
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Wilhelm Bode, Amalie Herzogin von Weimar Bd. II: Der Musenhof der Herzogin Amalie, Berlin 1908. |
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Hermann Abert, Goethe und die Musik, Stuttgart 1922. |
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Annnemarie Krille, Beiträge zur Geschichte der Musikerziehung und Musikausübung der deutschen Frau (von 1750 bis 1820), Berlin 1938. |
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Richard Münnich, „Aus der Musiksammlung der Weimarer Landesbibliothek, besonders dem Nachlass der Anna Amalia“, in: Festschrift zur Feier des 250 jährigen Bestehens der Bibliothek, hrsg. von Hermann Blumenthal, Jena 1941. |
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Otto Heuschele, Herzogin Anna Amalia. Die Begründerin des weimarischen Musenhofes, München 1947. |
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Hans Joachim Moser, Goethe und die Musik, Leipzig 1949. |
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Wolfram Huschke, Musik im Klassischen und Nachklassischen Weimar. 1756-1861, Weimar 1982. |
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Wolfram Huschke, Anna Amalia und die Musik ihrer Zeit (= Wolfenbütteler Beiträge Bd. 9 ), Wiesbaden 1994, S.123-151. |
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Volker Wahl, „Meine Gedanken”. Autobiographische Aufzeichnung der Herzogin Anna Amalia von Sachsen Weimar (=Wolfenbütteler Beiträge Bd. 9) Wiesbaden 1994, S. 99 ff. |
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Ursula Salentin, Anna Amalia. Wegbereiterin der Weimarer Klassik, Wien 1996. |
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Joachim Berger, Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach (1739 – 1807). Denk- und Handlungsräume einer „aufgeklärten“ Herzogin, Heidelberg 2003. |
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Sandra Dreise-Beckmann, Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach (1739-1807). Musikliebhaberin und Mäzenin (=Schriften zur mitteldeutschen Musikgeschichte), Schneverdingen 2004. |
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Gabriele Busch-Salmen, „Anna Amalia Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach“, in: MUGI. Musik und Gender im Internet, http://mugi.hfmt-hamburg.de/grundseite/grundseite.php?id=anna1739 , Zugriff 9.12.2009. |
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| Bildnachweis | |||
Anna Amalia (1739-1807), Gemälde von J. E. Heinsius 1773, http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Anna-Amalie-1.jpg&filetimestamp=20060326160253, Zugriff am 31. März 2010. |
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Christine Fornoff |
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© by Freia Hoffmann |
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