Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Lux, Schmidt-Lux, Jenny

Lebensdaten unbekannt, Organistin und Klavierlehrerin. Sie war die Tochter des aus Thüringen stammenden Dirigenten und Komponisten Friedrich Lux (1820–1895), der zunächst als Musikdirektor am Hoftheater in Dessau und von 1851 bis 1877 als Kapellmeister am Stadttheater in Mainz wirkte. Von ihm wurde Jenny Lux, wie auch ihre jüngere Schwester Franziska, ausgebildet.

Von 1894 an sind in der Musikpresse Auftritte von Jenny Lux in Mainz, Stuttgart, Darmstadt, Oppenheim, Erfurt und Basel belegt, wobei sie vor allem Kompositionen ihres Vaters vortrug. Ihr Repertoire enthielt aber auch Werke von Joh. Seb. Bach, Händel, Corelli, Friedrich II. und W. A. Mozart. Sie lebte anscheinend zunächst in Mainz, wirkte dort als Klavierlehrerin und wird von 1900 an als „Frau Jenny Schmidt-Lux aus Frankfurt a. M.“ (NZfM 1901, S. 62) präsentiert.

Die „Neue Zeitschrift für Musik“ zitiert nach einem Konzert in Darmstadt die „Neuen Hessischen Volksblätter“ mit der Bemerkung „Eine Dame als Meisterin der ‚Königin der Instrumente‘ ist eine Seltenheit“ (NZfM 1897, S. 355). Es war für das deutsche Publikum in der Tat eine Besonderheit, eine Frau an der Orgel zu erleben, galt doch die Beinarbeit beim Orgelspiel immer noch als problematisch; auch eine gleichberechtigte Mitwirkung im kirchlichen Rahmen blieb Frauen traditionell verwehrt. Daher musste sich Jenny Lux mit konzertanten Auftritten begnügen, in Mainz fand er „im Saale des Concerthauses“ (Signale 1896, S. 233) statt; eine Anstellung als Kantorin ist nicht belegt.

Das Lob für die musikalischen Leistungen der Organistin war in der Fachpresse einhellig, wenn auch die außergewöhnliche Instrumentenwahl die Formulierungen prägte: „Jenny Lux beherrscht das so unendlich schwierige Instrument mit einer Meisterschaft, die Staunen erregt“ (Neue musikalische Presse 1897, S. 20). „Fräulein Jenny Lux [...] caused something like a sensation by her absolute mastery over the instrument, combined with an altogether irreproachable taste“ (MusT 1897, S. 481). „Angezogen von dem herrlichen Instrumente [einer Walcker Orgel in der Predigerkirche in Erfurt] erfreute uns am 21. November v. J. nicht ein anderer Orgelheld, sondern eine Orgelvirtuosin und was für eine?! [...] Frau Jenny-Schmidt-Lux [...] führte sich bei uns als Orgelvirtuosin so gewinnend ein, daß wir gegenwärtig im lieben deutschen Reiche keine ebenbürtige Collegin weiter zu besitzen glauben. Zu unserer großen Bewunderung hatte sich die junge Künstlerin des ziemlich complicirten Mechanismus und der fast unzählige Klangeffekte bietenden Orgel in kürzester Zeit bemeistert“ (NZfM 1901, S. 61f.).

Der Kritiker der „Urania“ bemühte ebenfalls den Topos von Beherrschung und Sieg, wählte aber auch einen Vergleich, der sonst vor allem Violoncellistinnen vorbehalten war: „Jenny Lux habe „seit ihrem ersten Auftreten in der Oeffentlichkeit sich die uneingeschränkte Anerkennung und Bewunderung aller Kenner in Nord und Süd sieghaft erobert! Wahrlich die Illusion, dass die heilige Cäcilie in Person auf der Orgelbank sitze, ist – wie schon wiederholt ausgesprochen wurde – Wahrheit geworden! Diese absolute Sicherheit in der Beherrschung des Pedals in allen Spielarten ganz besonders im Legato, dieses feinsinnige Verständnis und diese Geistesgegenwart beim Registriren, sie sind unübertrefffich [sic] ! Und dass die Künstlerin auch in den Geist Bach’scher Werke eingedrungen ist, und es versteht, denselben dem grossen Publikum nahe zu bringen, das erklärt sich aus dem Namen, den sie trägt, dem Namen ‚Lux‘“ (Urania 1898, S. 96).

 

LITERATUR

Lyra 1898, S. 92

MusT 1897, S. 481

Neue musikalische Presse. Zeitschrift für Musik, Theater, Kunst, Sänger- und Vereinswesen 1897, S. 20

NZfM 1894, S. 234; 1897, S. 355; 1901, S. 61f.

Signale 1896, S. 233; 1897, S. 1027

Urania. Musik-Zeitschrift für Orgelbau, Orgel- und Harmoniumspiel 1896, S. 37f., 62f., 1898, S. 96

Zeitschrift der Internationalen Musikgesellschaft 1900/01, S. 84

 

Christine Fornoff / Freia Hoffmann

 

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