Jahresbericht Dezember 2006

 
   
   
   

Allgemeines

Bibliothek

Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Beirat

Neues Projekt:Instrumentalistinnen-Lexikon

Publikationen

MitarbeiterInnen

Veranstaltungen

 
   
   
   
   

Allgemeines

Das Jahr 2006 war reich an Höhepunkten, Ereignissen und Turbulenzen: Ein neu zusammengesetzter Beirat, neue Mitarbeiterinnen im Institut, der Start eines großen Forschungsprojekts und einige gelungene öffentliche Veranstaltungen wurden kontrapunktiert durch ein Ereignis, das vor allem die Institutsleitung fast ein Jahr lang beschäftigte und von produktiverem Arbeiten abhielt. Am 16. Dezember, kurz nach Fertigstellung und Versand des vorigen Jahresberichts, stürzte vom Nachbargrundstück eine morsche Pappel auf das Haus und richtete einen Schaden von über 15.000 € an. Nach einer provisorischen Abdichtung des Dachs und Reparatur von Fenstern im 2. Obergeschoss (die während meines Weihnachtsurlaubs glücklicherweise von Anja Herold perfekt organisiert wurden), begann ein langwieriges Verhandeln mit Versicherungen und Gutachtern, bevor Dachdecker, Maurer, Fliesenleger, Glaser, Tischler und Maler schließlich die Arbeit aufnehmen konnten. Ein monatelang an der Rückfassade stehendes Baugerüst bescherte uns zusätzlich am 9. März 2006 einen Einbruch, der wieder die üblichen Umstände mit sich brachte, bis die aufgebrochenen Türen und Wände (!) repariert und die entwendeten Geräte wieder beschafft und ans System angeschlossen waren.

Inzwischen sind beide Schadensfälle finanziell abgewickelt, und die beiden anderen Pappeln, die das Institut und die MieterInnen weiterhin bedrohten, wurden im November 2006 endlich gefällt. So ist nur noch zu hoffen, dass sich der Garten bis zur Birnbaumblüte im Mai 2007 wieder von seinen Blessuren erholt.

 
   
   

Bibliothek

Die Bestände an Büchern, Zeitschriften, Noten und Tonträgern wachsen weiterhin kontinuierlich. Im Jahr 2006 wurden vor allem zahlreiche Noten angeschafft, wobei wir uns auf Musikalien des 17. bis 19. Jahrhunderts konzentrieren. Im Hinblick auf die umfangreichen Sammlungen des Archivs Frau und Musik in Frankfurt zur neueren Musik erwerben wir aus dem 20. Jahrhundert nur solche Werke, die mit unseren Schwerpunkten „Komponistinnen im Dritten Reich“ und „Exil-Komponistinnen“ korrespondieren. Dass noch nicht sehr viele Noten und Tonträger aus unseren Beständen in der Datei auffindbar sind, liegt an Verzögerungen in der Katalogisierung. Dennoch wollen wir auch in diesem Jahresbericht unseren Dank an die Bibliothek der Universität Oldenburg wiederholen, die – wenn irgend Kapazitäten frei sind – unsere Erwerbungen in die Katalogisierungsarbeit einbeziehen.

Wenn also auswärtige NutzerInnen Noten und Tonträger suchen und nicht in der IBIT-Datei auf unserer Homepage finden , lohnt sich durchaus ein Blick in die provisorische Liste unserer Noten, die wir kürzlich separat auf unsere Homepage gestellt haben (Bibliothek – Zum Notenbestand).Wir weisen aber vorsorglich hin, dass Noten für Aufführungszwecke nicht kopiert werden dürfen.

 
   
   

Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Mit Anja Herold und Marion Gerards haben wiederum Mitarbeiterinnen des Sophie Drinker Instituts Lehraufträge an der Universität wahrgenommen und die Arbeit im Basismodul „Musikvermittlung“ des Bachelor-Studiengangs entscheidend geprägt. Die Themen:

Sommersemester 2006

„Musik in Bewegung – körperbezogenes Lernen im Musikunterricht“ (Anja Herold), „Soziale Arbeit mit Musik: ein alternatives Berufsfeld für MusikpädagogInnen“ (Marion Gerards, zusammen mit Dr. Sabine Vogt),

Wintersemester 2006/07

„Musikalische Sozialisation“ (Anja Herold).

Die ersten Bachelor-Studierenden haben mit dem Wintersemester 2006/07 begonnen, ihre Abschlussarbeiten zu schreiben. Entsprechend dem Konzept der Oldenburger BA-Ausbildung wird diese Arbeit in einem wissenschaftlichen oder künstlerisch-wissenschaftlichen Projekt erbracht, das in einem Forschungskolloquium gebündelt wird. Eines der drei angebotenen Kolloquien hat den Titel „Pianoforte, Glasharmonika oder Trompete? Instrumentalistinnen im Musikleben des 18. und 19. Jahrhunderts“ (Freia Hoffmann) und bietet Studierenden die Gelegenheit, für einige Zeit an den Vorarbeiten für das neue Forschungsprojekt des Instituts, ein Instrumentalistinnen-Lexikon (s. u.) teilzunehmen. Eine der besonders schnellen Studentinnen des Kolloquiums hat bereits vor Weihnachten in diesem Rahmen eine BA-Arbeit über die Organistinnen Thekla und Christina Lachner angefertigt und auch die entsprechenden Lexikon-Artikel formuliert. Das Forschungskolloquium findet teilweise im Institut statt, die Studierenden konnten sich vertraut machen mit den umfangreichen Materialsammlungen, die seit Mitte der 80er Jahre zum Thema „Instrumentalistinnen“ entstanden sind und die jetzt die Grundlage für die Erstellung des Lexikons bilden. Vor allem die große Zahl noch weitgehend unerforschter Musikerinnen bietet eine gute Gelegenheit, in einem überschaubaren Rahmen an Forschung zu partizipieren und sie mit einer kleinen Veröffentlichung abzuschließen.

 
   
   

Beirat

Nachdem Prof. Dr. Eva Rieger aus dem Beirat ausgeschieden ist, wurde neben Karl-Ernst Went (Vorsitz) und Prof. Dr. Dieter Senghaas als drittes Beiratsmitglied Prof. Dr. Ute Gerhard gewonnen, renommierte Soziologin und ehemalige Inhaberin des ersten deutschen Lehrstuhls für Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Frankfurt/M. Wir freuen uns sehr über die Wertschätzung des Instituts, die sich hierin ausdrückt, und bedanken uns herzlich für die Mitarbeit! Eine erste Beiratssitzung fand am 17. Juni 2006 statt. Wie immer wurden Finanzen, Finanzplanung, personelle Veränderungen diskutiert (und akzeptiert). Die Satzung der Sophie Drinker Institut gemeinnützige GmbH sieht vor, dass der Beirat auf Vorschlag der Geschäftsführerin auch über „Änderungen der Tätigkeitsschwerpunkte“ entscheidet. Das neue Forschungsprojekt „Instrumentalistinnen-Lexikon“ wurde als Erweiterung der Tätigkeitsschwerpunkte ausführlich diskutiert, und obwohl sein Umfang für das Institut eine neue Dimension und Kraftanstrengung bedeutet, schien es allen Beteiligten bei entsprechender Ausdehnung über mehrere Jahre durchaus machbar.

Die Amtszeit des jetzigen Beirats wurde festgesetzt bzw. verlängert bis Ende Februar 2009.

 
   
   

Neues Projekt: Instrumentalistinnnen-Lexikon

Die bisherigen Arbeitsbereiche des Instituts (Bibliothek, Aufsatzsammlung, Bibliographie, Nachwuchsförderung, Veranstaltungen) haben sich inzwischen so gut eingespielt, dass wir uns ein neues Forschungsprojekt vorgenommen haben: ein Lexikon über europäische Instrumentalistinnen 1700 – 1900.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, herausragende Instrumentalmusikerinnen des Zeitraums 1700 bis ca.1900 lexikalisch zu erfassen. Es handelt sich um eine Gruppe von Personen, die im öffentlichen, halböffentlichen oder (in wenigen Fällen) privaten Raum wirksam und namhaft geworden sind, die in Fachlexika aber nicht oder nicht in befriedigender Weise recherchierbar sind. Zunächst meist in bestimmten musikwissenschaftlichen Fragestellungen thematisiert (z. B. als Familienangehörige, Widmungsempfängerinnen, Schülerinnen), sind Instrumentalistinnen etwa seit 1980 gezielter erforscht worden, so dass nun der Versuch gemacht werden kann, die vorhandenen Forschungsergebnisse zu ergänzen und zu einem Speziallexikon zusammen zu fassen.

Eine wesentliche Basis des Projekts sind die umfangreichen Vorarbeiten, die im Zusammenhang mit der Vorbereitung von „Instrument und Körper. Die musizierende Frau in der bürgerlichen Kultur“ (Frankfurt/M. und Leipzig 1991) geleistet wurden: die Auswertung von 52 deutschsprachigen Musikzeitschriften und 57 Lexika in Bezug auf biographische Informationen zu Instrumentalistinnen im deutschsprachigen Raum 1750 - 1850. Die Ergebnisse liegen in Form einer Kartei (ca. 1.000 Namen) und in einer chronologischen Erfassung der Lexikoneinträge (ca. 450 Namen) vor. Die Datenbasis geht weit über die Informationen hinaus, die z. B. über den Internationalen Biographischen Index der Musik*, das Repertoire International de la Presse Musicale, über Speziallexika oder Datenbanken im Internet zurzeit zugänglich sind.

Wir haben damit begonnen, diese Basis mittels ausgewählter Musikzeitschriften auf Europa und den Zeitraum 18. und 19. Jahrhundert zu erweitern. Es existiert darüber hinaus eine Bestandsaufnahme von einschlägigen Forschungsergebnissen, die in den letzten Jahrzehnten in Buchform vorgelegt worden sind (Aufsätze sind in der Aufsatzsammung des Instituts ohnehin erschlossen). Es ist geplant, eine Zahl von ca. 800 bis 900 Instrumentalistinnen in biographischen Artikeln (einschl. Quellen- und Literaturangaben) darzustellen. Die Veröffentlichung ist zunächst als kostenlos zugängliche Internet-Datenbank geplant, bei Abschluss des Projekts auch (mit einer entsprechenden Auswahl) als Buch.

Wir werden selbstverständlich dazu die Unterstützung auswärtiger Wissenschaftlerinnen, vor allem auch für die Bereiche Frankreich, England, Italien und Osteuropa, brauchen und werden uns bei den einschlägig tätigen KollegInnen melden, sobald Autorenrichtlinien und eine gewisse Zahl von Beispielartikeln vorliegen. Voraussichtlich im Frühjahr 2007 wird die Datenbank eingerichtet.

 

* Internationaler Biographischer Index der Musik: Komponisten, Dirigenten, Instrumentalisten und Sänger. Worlds Biographical Index of Music. Composers, Conductors, Instrumentalists and Singers, 2 Bde., München usw. 1995

 
   
   

Publikationen

Das Buch „Panische Gefühle. Sexuelle Übergriffe im Musikunterricht“, an dem außer Freia Hoffmann (Herausgeberin) Anja Herold, Marion Gerards und unsere Gastwissenschaftlerin Yuko Tamagawa beteiligt waren, ist im März 2006 im Schott Verlag erschienen und hat eine unerwartet große Resonanz gefunden. Rundfunksendungen, Rezensionen, Buchbestellungen und viele Kommentare per Mail haben uns gezeigt, dass das Thema offenbar nicht mehr so tabuisiert ist wie befürchtet. Die Darstellung unter musikpädagogischen, psychologischen und juristischen Aspekten und die praktische Brauchbarkeit als Ratgeber erfüllt offenbar ein Bedürfnis vieler KollegInnen, Frauenbeauftragten und Studierenden.

Am 9. November referierten Anja Herold, Monika Holzbecher (Therapeutin und Mitautorin) und Freia Hoffmann auf Einladung der Musiktherapeutin Prof. Eva Frank-Bleckwedel und des Gleichstellungsbüros an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, und es gelang offensichtlich, in einem zahlreich erschienenen Auditorium das Thema öffentlich und besprechbar zu machen. Wir wünschen den Hamburger KollegInnen und den Studierenden alles Gute bei der weiteren Aufklärung und Prävention.

 

Im Jahr 2006 sind drei weitere Bände der Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts erschienen und ebenfalls bereits mehrfach positiv rezensiert worden:

 

Bd. 2

Rebecca Grotjahn, Christin Heitmann (Hrsg.)

Louise Farrenc und die Klassik-Rezeption in Frankreich

280 S., zahlr. Notenbeispiele und Abb., 20 €, ISBN: 3-8142-0964-8

 

Bd. 3

Thomas Beimel

In der Ferne: ein leuchtender Körper. Betrachtungen über Werke von Karol Szymanowski, Hans Werner Henze und Myriam Marbe

105 S., zahlr. Notenbeispiele, 12 €, ISBN: 3-8142-0965-6

 

Bd. 4

Marion Gerards, Freia Hoffmann

Musik – Frauen – Gender. Bücherverzeichnis 1780-2004

667 S., 25 €, ISBN: 3-8142-0966-4

 

Allen AutorInnen, Herausgeberinnen und Mitarbeiterinnen, die an dieser aufwendigen Arbeit beteiligt waren, herzlichen Dank, nicht zuletzt auch unserer Grafikerin Marta Daul, der Verlagsleiterin Barbara Sip und dem Leiter der Druckerei, Clemens Köhne.

 

 
   
   

MitarbeiterInnen

Wie im vorigen Jahresbericht angekündigt, sind im Januar Frauke Gaumann und Anne Sander als Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen zu uns gekommen, beide durch einen Gender-Schwerpunkt im Oldenburger Musikstudium bestens vorbereitet. Anne Sander hat am 1. November 2006 ihr Referendariat begonnen, und auch für Frauke Gaumann wird die Zeit am Sophie Drinker Institut eine Zwischenstation sein, bevor sie voraussichtlich im Sommer 2007 ihr Referendariat beginnt. Solche zeitlich befristeten Möglichkeiten, musikwissenschaftliche Genderforschung kennen zu lernen und mitzugestalten, entsprechen dem Anliegen des Sophie Drinker Instituts, begabte junge Frauen für Wissenschaft zu interessieren und ihnen Entscheidungen, z. B. für eine Promotion, zu erleichtern. Beide haben sich hervorragend in verschiedene Arbeitsbereiche des Instituts eingearbeitet und werden ihre Spuren hinterlassen, z. B. in Recherchen und Artikeln für das Lexikon. Und der Gedanke an eine Promotion ist durchaus lebendig.

Zum 1. Januar 2007 wird Volker Timmermann, Doktorand an der Universität Oldenburg, als Wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt. Sein Arbeitsgebiet „Violinistinnen von 1850 bis 1914“ verbindet sich hervorragend mit unserer Arbeit am Lexikon, und wieder können wir uns über einen auch künstlerisch aktiven Kollegen freuen: Er verstärkt unser virtuelles Orchester aus Klavier (Hanna Bergmann, Yuko Tamagawa), Saxophon (Anja Herold), Oboe (Marion Gerards), Flöte (Freia Hoffmann) als – neben Frauke Gaumann – zweite Bratsche. Herzlich willkommen!

Anja Herold , seit 2001 für das Institut tätig, hat im Sommer ihre Dissertation „Umbrüche und Abbrüche im musikalischen Werdegang von Jazz/Rock/Pop-InstrumentalistInnen“ fertig gestellt und wird im Januar 2007 mit der Disputation ihr Promotionsverfahren abschließen. Hanna Bergmann ist nach ihrem Examen von der studentischen Hilfskraft zur Wissenschaftlichen Mitarbeiterin „aufgestiegen“, und Marion Gerards, deren Arbeit am Bücherverzeichnis mit der Publikation abgeschlossen wurde, ist zurzeit beurlaubt, bis ihre Dissertation fertig ist und das Bücherverzeichnis als Internet-Datenbank weitergeführt wird. Nicht zuletzt freuen wir uns an der Anwesenheit von Yuko Tamagawa, die für zwei Jahre als Gastwissenschaftlerin aus Tokio zu uns gekommen ist und hier eine Dissertation über Europäisierung, Konsumorientierung und Geschlechterpolarisierung des Musiklebens in Japan zu Beginn des 20. Jahrhunderts anfertigt.

 
   
   

Veranstaltungen

Die bisherigen Stipendiatinnen des Sophie Drinker Instituts versammelten sich am 4. und 5. März 2006 zu einem Symposion und berichteten über ihre Arbeitsergebnisse. Referate von Birgit Kiupel (über Libretti der Hamburger Oper am Gänsemarkt), Rebecca Grotjahn (über das Verhältnis von Komponist und Primadonna), Volker Timmermann (über prominente Geigerinnen des 20. Jahrhunderts), Anja Herold (über Probleme des Instrumentalunterrichts) und Marion Fürst, die für Linda Maria Koldau eingesprungen war (über Maria Theresia Paradis), fanden ein zahlreiches und diskutierfreudiges Publikum und machten das Sophie Drinker Institut wieder einmal zu einem Zentrum fachlichen Austausches über neueste Ergebnisse und Entwicklungen der musikwissenschaftlichen Frauen- und Geschlechterforschung.

Ein Höhepunkt des Symposions war das Konzert von Florence Launay, die wir – neben ihren wissenschaftlichen Verdiensten – nun auch als eindrucksvolle Sängerin kennen lernten, und ihrem Klavierbegleiter Laurent Martin. Sie trugen selten gehörte, z. T. unveröffentlichte Kompositionen von Pauline Viardot, Nadia Boulanger und Raoul Pugno, Blanche Selva und Armande de Polignac vor – ein nicht nur wissenschaftlicher, sondern auch musikalischer Genuss für Symposions-TeilnehmerInnen und Bremer Gäste.

 

Eine zweite Konzertveranstaltung am 6. Mai 2006 war dem 70. Geburtstag der Komponistin Barbara Heller gewidmet: ein Klavierabend von Werner Barho, der unter dem Titel „Klang und Gesten“ einen Bogen schlug von Claude Debussy über Violeta Dinescu, Barbara Heller, Ruth Schonthal bis zu Siegrid Ernst,. Bei „Quattro mani dentro e fuori“ wirkte Siegrid Ernst als zweite Pianistin mit, und in Anwesenheit von Barbara Heller und Violeta Dinescu geriet der Abend nicht nur zu einer kollegialen Geste der Wertschätzung, sondern bot den ZuhörerInnen auch Gelegenheit, drei der wichtigsten und erfolgreichsten zeitgenössischen Komponistinnen musikalisch und persönlich kennen zu lernen. Einen herzlichen Dank nochmals an Werner Barho, der durch seine sorgfältige Programmgestaltung und seine differenzierten Interpretationen jede Komposition zu einem Erlebnis werden ließ.

 

Ein dritter Konzertabend wurde von dem jungen russischen Pianisten Nikolai Gangnus gestaltet. Er war für seine Interpretation von Sofia Gubaidulinas „Chaconne“ beim Bremer Klavierwettbewerb 2005 mit dem Preis des Sophie Drinker Instituts ausgezeichnet worden und stellte sich nun im Institut mit Werken von Fanny Hensel, Frédéric Chopin, Sofia Gubaidulina und Ludwig van Beethoven vor. Ein viel versprechender junger Pianist, der nach seiner Ausbildung in Moskau 2005 ein Aufbaustudium an der Musikhochschule in Karlsruhe abgeschlossen hatte. Auch dieser Abend klang mit Wein und Sekt aus – für Gäste und Mitarbeiterinnen immer eine wunderbare Gelegenheit, über die musikalischen Eindrücke zu sprechen und auch mit den Solisten ins Gespräch zu kommen.

Das Sophie Drinker Institut hatte sich am Bremer Klavierwettbewerb ’05 beteiligt mit einem Preis (1.500 €), der für die beste Interpretation des Werks einer Komponistin ausgesetzt war. Durch das freundliche Entgegenkommen der Organisatoren war es gelungen, Werke von Komponistinnen mehrfach in die Ausschreibung zu integrieren: Pflichtstück war eine eigens hierfür geschriebene Komposition von Violeta Dinescu („Drei Stufen für Klavier“), und unter den romantischen Werken für den zweiten Durchgang waren neben Brahms, Chopin, Liszt, Felix Mendelssohn und Robert Schumann ausdrücklich Werke von Louise Farrenc, Fanny Mendelssohn und Clara Schumann vorgeschlagen worden. Dass von 24 TeilnehmerInnen aus neun Ländern niemand ein Werk dieser zuletzt genannten Komponistinnen wählte, hat uns allerdings zu denken gegeben. Es scheint doch so, dass NachwuchspianistInnen die „großen“ Werke und die großen Namen entschieden bevorzugen, und dass Kompositionen von Frauen trotz Vorauswahl durch SpezialistInnen in der Jury (noch) nicht in den Kanon derjenigen Werke aufgestiegen sind, deren Einstudierung sich lohnt. So werden wir nach wie vor Beethoven, Brahms und Liszt zum soundsovielten Male hören, während die weniger bekannten Werke Geheimtipps bleiben.

 

 

 

 

 

Und zum guten Schluss...

haben wir auch diesmal noch eine hoch erfreuliche Mitteilung: Unsere Mitarbeiterin Anja Herold wird zum Sommersemester 2007 eine (halbe) unbefristete Stelle als Lehrkraft für besondere Aufgaben im Bereich Musikvermittlung/Musikdidaktik an der Universität Oldenburg antreten. Wir gratulieren Anja zu diesem Erfolg und freuen uns besonders, dass sie dem Sophie Drinker Institut trotzdem (in Teilzeit) erhalten bleibt.

 

Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für ein erfolgreiches Jahr 2007 –

Auch im Namen der Mitarbeiterinnen

 

Prof. Dr. Freia Hoffmann

Geschäftsführerin des Sophie Drinker Instituts

Außer der Schleifmühle 28

28203 Bremen

info@sophie-drinker-institut.de

www.sophie-drinker-institut.de