Jahresbericht Dezember 2007

 
   
   
   

Einleitung

Bibliothek

Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Beirat

Instrumentalistinnen-Lexikon

Homepage

Promotionsverfahren

Doktorandenkolloquien

Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts

Jahrbuch Musik und Gender

Veranstaltungen

 
   
   

Einleitung

Nach dem Jahresbericht 2006, in dem (mit einem größeren Sturmschaden und einem Einbruch) von einigen Turbulenzen und Umständen die Rede war, erreichten uns viele gute Wünsche für ein „katastrophenfreies“ 2007 – und die Wünsche haben sich erfüllt: Wir haben ein friedliches, produktives und fast rundum erfolgreiches Jahr hinter uns. Die Hoffnung des letzten Berichts, dass sich „der Garten bis zur Birnbaumblüte im Mai 2007 wieder von seinen Blessuren“ erholen möge, wurde sogar übertroffen. Der Birnbaum wurde zwar beim Fällen weiterer Bäume auf dem Nachbargrundstück um einiges gestutzt, blühte aber mit doppelter Energie, und der frisch eingesäte Rasen wie auch die Rabatten entwickeln sich unter den neuen Lichtverhältnissen prächtig.

Entsprechendes können wir auch von unserer eigentlichen Arbeit berichten. Die neue Ära, von der im Jahresbericht 2006 die Rede war, lässt sich gut an. Fünf Jahre nach der Gründung des Instituts sind Abläufe (bis hin zu so wissenschaftsfernen Arbeiten wie Jahresabschlüssen und Steuererklärungen…) zur Routine geworden, sind alle in ihren Zuständigkeitsbereichen eingearbeitet, ist die Kommunikation mit Geschäfts- und Kooperationspartnern so eingespielt, dass die Aufmerksamkeit nun fast ungeteilt der Forschung und der Lehre gelten kann: der Etablierung des Instrumentalistinnen-Lexikons, dem Schreiben und Betreuen von Dissertationen, der Schriftenreihe, der Kooperation mit der Universität Oldenburg.

 
   
   

Bibliothek

Nach wie vor ist die Bibliothek Herzstück des Instituts, nicht nur mit zahlreichen Nachschlage- und Recherchemöglichkeiten für unsere eigenen Forschungs- und Lehrprojekte, sondern auch für auswärtige BenutzerInnen – sei es, dass sie die Materialien hier einsehen, sei es, dass wir Bücher aus unseren Beständen für Handapparate im IBIT der Universität Oldenburg zur Verfügung stellen. In den letzten Monaten haben wir vor allem wichtige Neuerscheinungen der US-amerikanischen musikwissenschaftlichen Gender-Forschung beschafft, aber auch die Bestandsergänzung und -aktualisierung geht voran, und es gelingt immer wieder, seltene Publikationen antiquarisch zu besorgen, die wir für die Lexikon-Recherchen benötigen.

 
   
   

Kooperation mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Anja Herold und Freia Hoffmann sind durch ihre hauptberufliche Arbeit an der Universität sozusagen die Personifizierung der Kooperation. Der Gender-Bezug prägt ihre Lehrveranstaltungen in Einzelheiten auch dort, wo er im Titel nicht ausdrücklich benannt wird. Thema war er in folgenden Seminaren:

SS 07:

Vermittlung Populärer Musik (Anja Herold)

Musik in Bewegung (Anja Herold)

Mozarts Don Giovanni (Freia Hoffmann)

WS 07/08:

Einführung in Grundfragen des Musiklernens und –lehrens (Anja Herold)

Geschlechterverhältnisse in der Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts (Freia Hoffmann)

Volker Timmermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts seit Januar 2007 und im Nebenberuf Musikkritiker, hat im Sommersemester 2007 einen Lehrauftrag wahrgenommen mit dem Titel „‚Stinkende Musik’ und ‚concertirende Rosenknospen’ – Konzertkritik in Geschichte und Gegenwart“, ein Angebot für alle BA-Studierenden, die kein Lehramt anstreben. Volker Timmermann promoviert über Violinistinnen im 19. Jahrhundert, sein Blick für die Wahrnehmung der „concertirenden Rosenknospen“ hat auch hier immer wieder für gender-spezifische Inhalte gesorgt.

Unser Angebot an AbsolventInnen von Lehramts- und BA-Studiengängen, sich am Instrumentalistinnen-Lexikon zu beteiligen, wird rege genutzt. So sind inzwischen die Artikel Louise Farrenc, Victorine Farrenc, Christina Lachner, Thekla Lachner, Melanie Lewy, Caroline Longhi, Dorette Spohr und Therese aus dem Winckel von Studierenden verfasst und von Mitarbeiterinnen des Instituts redaktionell betreut worden. Weitere Artikel sind in Arbeit.

Die Anerkennung des Sophie Drinker Instituts als An-Institut der Universität Oldenburg war bis Juni 2007 befristet. In demselben Monat verabschiedete der Senat der Carl von Ossietzky Universität eine Neufassung der „Ordnung zur Anerkennung außeruniversitärer Einrichtungen als An-Institute“. Nach Formulierung eines der Neufassung entsprechenden Antrages stimmte der Senat am 10. Oktober 2007 der Verlängerung für weitere zwei Jahre zu.

Wir bedanken uns an dieser Stelle für die reibungslose und produktive Zusammenarbeit mit dem IBIT und der Fakultät III und auch für die Anerkennung unserer Arbeit, die der Senat mit seiner Entscheidung zum Ausdruck gebracht hat.

 
   
   

Beirat

Der Beirat hat auf seiner Sitzung am 2. November 2007 die Berichte der Geschäftsleitung wohlwollend zur Kenntnis genommen und uns in vielen Einzelheiten beraten und unterstützt. Ein Bericht, wonach die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen Antrag auf Förderung des Instrumentalistinnen-Lexikons abgelehnt hat, gab einigen Diskussionsstoff. Die Begründung durch einen (anonym bleibenden) Gutachter, die der Antragstellerin vom Referatsleiter übermittelt wurde, war aus Sicht der Beiratsmitglieder Prof. Dr. Dieter Senghaas (Friedensforschung und Sozialwissenschaften), Prof. Dr. Ute Gerhard (Soziologie) und Karl-Ernst Went (Musikwissenschaft) so unqualifiziert und konzeptionell fragwürdig, dass empfohlen wurde, diese Begründung auf unserer Homepage zu veröffentlichen. Dies haben wir am 23. November 2007 vorgenommen, in der Hoffnung, dass der Blick von prominenten WissenschaftlerInnen auf unsere „verspätete“ Disziplin die überfälligen Diskussionen anregt.

 
   
   

Instrumentalistinnen-Lexikon

Die Arbeiten gehen auf mehreren Ebenen vor sich:

MitarbeiterInnen des Instituts haben auf der Basis unserer umfangreichen Materialsammlungen bereits eine Vielzahl von Artikeln verfasst und auf der Homepage des Instituts veröffentlicht. Die Recherchemöglichkeiten in Bezug auf archivalische Daten, Abbildungen, Belege in der Tagespresse, Nachlässe usw. erweitern sich, vor allem durch Entdeckungen im Internet, fast täglich. Fragen des Artikelaufbaus, der Autorenrichtlinien, des Copyrights und des Nachweises von Bildrechten sind weitgehend geklärt.

Wir haben begonnen, auch auswärtige AutorInnen um Mithilfe zu bitten. Eine unschätzbare Starthilfe für französische Musikerinnen sind die Vorarbeiten von Claudia Schweitzer, deren Forschungsergebnisse (Dissertation, siehe Schriftenreihe) mit Hilfe von MitarbeiterInnen des Instituts zurzeit in die von uns gewünschte Form gebracht werden. Weitere Artikel von externen AutorInnen sind in Arbeit oder bestellt.

Die Auswertung von Musikzeitschriften wird zurzeit ausgeweitet auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Arbeit sind die Neue Zeitschrift für Musik, Signale für die musikalische Welt und die Neue Berliner Musikzeitung (bereits abgeschlossen: Allgemeine Musikalische Zeitung). Durch deren Korrespondentenberichte werden auch bedeutsame Entwicklungen des Konzertwesens außerhalb des deutschsprachigen Raums erfasst. Wir rechnen damit, dass wir im Lauf des Jahres 2008 einen Überblick über die geplanten Artikel gewinnen und anschließend gezielt mit Hilfe von Lexika, RIPM (Repertoire International de la Presse Musicale) sowie französischer, englischer, italienischer und osteuropäischer Musikzeitschriften die notwendigen Informationen ergänzen können.

 
   
   

Homepage

Unsere Internetseite wird inzwischen monatlich 8.000 bis 11.000 Mal aufgerufen. Die Informationsmöglichkeiten sind in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen, zuletzt durch die Datenbank „Orchesterwerke von Komponistinnen im Musikverlag und in Schweizer Bibliotheken“, zusammengestellt von Irène Minder-Jeanneret und Siegrun Schmidt (über „Bibliographie“ oder direkt hier). Dieser Katalog enthält 167 Orchesterwerke von Komponistinnen aus drei Jahrhunderten, von denen gedrucktes Aufführungsmaterial erhältlich ist – ein eindrucksvolles Argument gegen die verbreitete Annahme, Frauen hätten ausschließlich Klaviersachen, Lieder und kleine Besetzungen für die Hausmusik komponiert, und eine Fundgrube für alle, die Orchesterprogramme jenseits ausgetretener Pfade konzipieren möchten.

Neben wechselnden Informationen über Neuigkeiten aus dem Institut haben wir eine ständige Rubrik eingerichtet: das Fundstück des Monats. Hier stellen wir Merkwürdiges und Kurioses aus alten Quellen vor – Texte, die vielleicht für Kolleginnen und Kollegen von Interesse sind oder über die sich BesucherInnen unserer Seite einfach nur amüsieren können.

 
   
   

Promotionsverfahren

Im Januar 2007 hat Anja Herold mit der Disputation ihr Promotionsvorhaben abgeschlossen. Titel der Dissertation: „Umbrüche und Abbrüche im musikalischen Werdegang von Jazz-, Rock- und Pop-InstrumentalistInnen“.

Anfang des Jahres wurde Claudia Schweitzers Dissertation „Die Anfänge des Berufs der Clavierlehrerin. Entwicklung eines Berufsstandes im deutschfranzösischen Sprachraum bis zum Wiener Kongress“ angenommen. Die Disputation fand am 13. Juni statt.

Schließlich hat auch Ilka Siedenburg, frühere Mitarbeiterin des Instituts und jetzt im Referendariat, ihre Dissertation Anfang 2007 eingereicht („Geschlechtstypisches Musiklernen. Eine empirische Untersuchung zu geschlechtstypischen Aspekten in der musikalischen Sozialisation von Musik-Lehramtsstudierenden in Niedersachsen, Bremen und Hamburg“) und ihr Verfahren am 14. November mit der Disputation abschließen können.

Wir gratulieren allen Doktorandinnen sehr herzlich zur erfolgreichen Promotion!

 
   
   

Doktorandenkolloquien

Am 24. Februar und am 15. September fanden die bereits traditionellen Kolloquien statt, bei denen Volker Timmermann (Violinistinnen im 19. Jahrhundert), Dieter Nolden (Die Liszt-Schülerin Martha Remmert), Yuko Tamagawa (Europäisierung, Geschlechterpolarisierung und Konsumorientierung in der Musikkultur Japans zu Beginn des 20. Jahrhunderts), Irène Minder-Jeanneret (Caroline Boissier-Butini), Marion Gerards (Geschlechterbilder bei Brahms), Wibke Freudenhammer (Stimm- und Selbstkonzeptentwicklung in Chorklassen) und Jörg Siepermann (Myriam Marbe) über den jeweiligen Stand ihrer Arbeit berichteten.

Als Gäste waren im März Polina Medyulyanova und im September Till Knipper, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Oldenburg, dabei.

 
   
   

Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts

Anfang 2008 werden erscheinen:

Band 5

Anja Herold: Lust und Frust beim Instrumentalspiel. Umbrüche und Abbrüche im musikalischen Werdegang, 300 S., ca. 20 €.

Band 6

Claudia Schweitzer: "... ist übrigens als Lehrerin höchst empfehlungswürdig“. Kulturgeschichte der Clavierlehrerin., ca. 500 S., ca. 24 €.

 

 

 

 

 

Jahrbuch Musik und Gender

2008 soll erstmals das „Jahrbuch Musik und Gender“ erscheinen, herausgegeben von der Fachgruppe Frauen- und Genderforschung in der Gesellschaft für Musikforschung und koordiniert vom Hannoveraner Forschungszentrum Musik und Gender. Das Sophie Drinker Institut ist Mitglied im Beirat und hat die Koordination des Rezensions-Teils sowie die Zusammenstellung einer Neuerscheinungsliste übernommen. Für diese Arbeiten ist Marion Gerards zuständig, die dem Institut – dem Internet sei Dank – von Belgien aus zuarbeitet.

 
   
   

Veranstaltungen

In diesem Jahr hat das Institut wieder zu drei öffentlichen Veranstaltungen eingeladen:

Am 23. Februar 2007 las Ursel Bäumer, Schriftstellerin aus Bremen, aus ihrem (damals noch ungedruckten) Buch Wenn ich so denke die Welt. Literarische Porträts historischer Frauen einen Text über die Violoncellistin Lise Cristiani. Dazu erklang das Lied ohne Worte op. 109 D-Dur für Violoncello und Klavier, das Felix Mendelssohn für die Musikerin geschrieben hatte (Albrecht Grußendorf und Hanna Bergmann) sowie – zum interessanten Vergleich – Fanny Hensel geb. Mendelssohns Fantasia g-Moll und Capriccio As-Dur für Violoncello und Klavier, geschrieben für ihren Bruder Paul (Albrecht Grußendorf und Yuko Tamagawa). Einige musikhistorische Informationen ergänzten das Bild der talentierten, mutigen, 23jährig gestorbenen Violoncellistin, von der wir – neben bruchstückhaften biographischen Belegen – immerhin eine selbstverfasste Beschreibung ihrer Sibirienreise besitzen.

Am 13. Dezember wurden Lesung und Vortrag im Florentinersaal des Palais Meran in Graz vor einem zahlreichen Publikum wiederholt, die Kompositionen spielten dort Veronika Eber, Violoncello, und Hao Wu Tsung, Klavier.

Eine zweite Lesung am 6. Juli wurde überraschend beeinträchtigt durch die krankheitsbedingte Verhinderung des Autors Detlef Gojowy. Die Entstehung seines Buches über Myriam Marbe (erschienen in der Reihe „Europäische Komponistinnen“) war vom Sophie Drinker Institut (das den Nachlass von Marbe verwahrt) begleitet worden, und das Buch wurde von uns mit Spannung und Vorfreude erwartet. Die Veranstaltung war aber durch Beiträge von Thomas Beimel, der Tochter Nausicaa Marbe, Marbes Schülerin Violeta Dinescu und der Reihenherausgeberin Melanie Unseld so konzipiert, dass sich an diesem Abend dennoch ein farbiges und vielseitiges Bild der Komponistin ergab. Ergänzt wurde es durch einen Bericht unseres Gastes Klaus Bernbacher über den Autor Detlef Gojowy, der neben seiner musikwissenschaftlichen Tätigkeit auch als Rundfunk-Redakteur Myriam Marbe und andere KomponistInnen aus Osteuropa tatkräftig unterstützt hat.

 

 

Auch an einem anderen Band der Reihe „Europäische Komponistinnen“ hat das Sophie Drinker Institut bescheidene Verdienste durch die Bereitstellung von Literatur und Ermutigung in anstrengenden Phasen des Schreibens: Peter Schleuning, Hochschullehrer aus Oldenburg, nahm daher unsere Einladung zu einer Vorstellung seines Buches über Fanny Hensel geb. Mendelssohn gerne an.

Sein Vortrag am 2. November zeichnete das Bild einer hochbegabten Musikerin, die zeitlebens von ihrer Bindung an eine wohlhabende jüdische Familie geprägt war, von Privilegien und Einschränkungen gleichermaßen. Eine einfühlsame Biographie, die Fanny Mendelssohn jenseits von Schuldzuweisungen und Parteinahmen behutsam und respektvoll porträtiert.

 

 

Melanie Unseld war wieder aus Hamburg angereist – herzlichen Dank an Beide für diesen eindrucksvollen Abend.

 

 

Auch im Namen der MitarbeiterInnen Hanna Bergmann, Marion Gerards, Anja Herold, Sandra Middeldorf und Volker Timmermann bedanke ich mich bei allen FreundInnen und KooperationspartnerInnen des Instituts für ihr Interesse und alle Formen von Unterstützung und wünsche Allen friedliche und erholsame Feiertage und ein gelungenes, „katastrophenfreies“ Jahr 2008!

Ihre Freia Hoffmann