Jahresbericht 2009

 
   
   

Bibliothek

Lexikon Europäische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts

SchülerInnen forschen für das Lexikon

Veranstaltungen

Personal

Zuständigkeiten

...und ein neues Buch

 
   
   

„Eiszeit in Europa“ titelte gestern der Bremer „Weser-Kurier“ und „Streusalz wird knapp“. Beim Blick aus den Fenstern des Wintergartens ist das Auge fast geblendet, Bäume, Sträucher und Rasen sind weiß überzogen, und in der Mitte ragt ein Schneemann hervor, der offenbar für den bald zweijährigen Sjut aus der Wohnung über dem Institut aufgerichtet wurde. Sein Los ist dem anderer Schneemänner entgegengesetzt, wenngleich mit ähnlichem Ergebnis: Er wird bei diesen Temperaturen so bald nicht anfangen zu schmelzen, sondern er wächst von unten zu. Es schneit immerfort weiter, und spätestens morgen wird er bis zur Unkenntlichkeit eingeebnet sein. Es ist kalt, und die einzige wärmende Zuflucht in diesen Zeiten ist – außer der heimischen Zentralheizung – das Sophie Drinker Institut mit seinem Team, wie immer friedlich, kooperativ, produktiv und lebendig.

 

 

 

Der Jahresbericht kommt dieses Jahr etwas verspätet und gibt uns so Gelegenheit, allen LeserInnen ein gutes Jahr 2010 zu wünschen, schwungvoll, besinnlich, bunt, ruhig, abwechslungsreich. Und wir verbinden unsere Wünsche wie immer mit einem herzlichen Dank an alle, die uns unterstützen, mit uns kooperieren, uns besuchen und unsere Arbeit mit Wohlwollen begleiten.

 

 

 

Wir verzichten dieses Mal darauf, die üblichen Punkte abzuschreiten und beschränken uns auf Neuigkeiten.

 

 

Bibliothek

 

Wir haben diesen Jahresbericht zum Anlass genommen, einmal besondere Noten aufzulisten, die neben dem Marbe-Nachlass in unserem Metallschrank verwahrt sind und die in anderen Bibliotheken unter die Rara-Signaturen fallen würden. Bei uns sind sie bisher nicht katalogisiert, weil dies durch den Transport nach Oldenburg immer einen besonderen Aufwand bedeutet. Und wir haben bisher gezögert, die alten Drucke und empfindlichen Papiere dort hin zu schaffen, zumal es immer genug zu katalogisieren gibt. (Hoffentlich verzeiht uns Karl-Ernst Went diese Vorsicht, selbstverständlich wäre alles dort in guten Händen…).

 
   

Die meisten Drucke sind undatiert, die Jahresangaben hat unsere Studentische Hilfskraft Christine Fornoff wo möglich ergänzt.

 
   
  • Badarzewska, Thekla: La prière d’une vierge (Collection de Morceaux élégants pour Piano Liv. I, Berlin o. J. [19. Jahrhundert]
 
  • Blahetka, Leopoldine: Concert-Stück für das Piano Forte Solo op. 25, Wien 1823.
 
  • Blahetka, Leopoldine: Nachtgesang op. 7, Wien [ca. 1830].
 
  • Brambilla, Marietta: La Chaumière, Duettino, [ca. 1850].
 
  • Bronsart, Ingeborg von: Jery und Bätely. Oper in einem Akt, Clavierauszug, Leipzig [ca. 1876].
 
  • Casson, Margaret: The Cuckoo, a favorite Song with an Accompanyment for the Piano Forte or Pedal Harp, London o.J.
 
  • Castrone Marchesi, Mathilde: L'Art du Chant. 24 Vocalises élémentaires et progressives pour Mezzo Soprano ou Contr'alto op.5, Leipzig/Berlin 1866.
 
  • Castrone Marchesi, Mathilde: L'Art du Chant. 24 Vocalises élémentaires et progressives pour Mezzo Soprano ou Contr'alto op.10, Leipzig/Berlin 1900.
 
  • Cavendish, Georgina, Dutchess of Devonshire: The Favorite Song, 1798.
 
  • Cellier, Mademoiselle: Valse de Rossini, Tirée de Mathilde de Sabran et Galop pour le Piano, Paris o.J.
 
  • Chianchenetti, Veronica: Two Sonatas for the Piano Forte, with an Accompaniment for a Violin and Violoncello op.4, London o.J.
 
  • Davis, Miss: Ruth, Dublin o.J.
 
  • Lihu, Annette de: Maman cést bien dommage, Romance with an Accompaniment for the Piano Forte, [ca. 1800].
 
  • Demar, Theresia: Romances. Paroles de Divers Auteurs. Musique et Accompagnement de Piano oú Harpe, Orleans/ Paris [ca. 1816].
 
  • Dickson, Ellen (Pseud. Dolores): The Brook, London o.J.
 
  • Dubignon, Madame: Nocturne, o.J.
 
  • Duchambge, Pauline: La pauvre Vieille pleura, o.J.
 
  • Duchambge, Pauline: La Sultane Favorite, o.J.
 
  • Gabriel , Virginia : Ruby. Song, London [ca. 1850].
 
  • Gail, Emée - Sophie: La Bacarole, o.J.
 
  • H***, Mlle.: Cantique en l'Honneur de S.’e Geneviève, Chanté le jour de la Bénédiction Solenelle de la nouvelle Église, 3 Janvier 1822.
 
  • Heinsius, Clara: Gesänge mit Begleitung des Pianoforte, Heft 1.
 
  • Hänel de Cronenthall, Louise: Frantziska. 4 me Valse pour le Piano op. 2g.
 
  • Herault, Mme; Lafont, P.: Voyage de la Girafe. Grande Fantasie Brillante sur des thêmes Egyptiens et Français, pour Piano-Forte et Violon, Paris o.J.
 
  • Hundt, Aline: Trois Fantasie - Caprices pour le Piano op.2 [ca. 1860].
 
  • Josiphowna, Alexandra Großfürstin: Psalm für Solo Chor und Orchester, St. Petersburg [ca. 1850].
 
  • Lebrun, Francesca: Six Sonatas for the Piano Forte or Harpsichord with an Accompanyment for a Violin op.2, London o.J.
 
  • Lindsay, M.: Home they brought her warrior dead. Song, London o.J.
 
  • Miles, Mrs.: The Bonnie Wee Wife, London o.J.
 
  • Murray Cartshore, Mrs.: River! River!, Edinburgh o.J.
 
  • Nikisch, Amelie: Das Dreikönigslied, Hamburg 1913.
 
  • Pfeiffer, Clara: 2me Notturno pour le Piano. Paris [ca.1900].
 
  • Prochazka, J. Harriet Baronin von: Sophien Marsch für das Pianoforte, Wien 1852.
 
  • Pujet, Loisa: Brune et Blonde. Chansonette, 1837.
 
  • Pujet, Loisa: Du temps que la reine Berthe Filait. Nocturne, Paris o.J.
 
  • Pujet, Loisa: Je veux vous plaire. Romance, 1838.
 
  • Pujet, Loisa: Le fou d’Amour, Parid o.J.
 
  • Pujet, Loisa: Le rève d’un Page, Paris 1844.
 
  • Pujet, Loisa: Les Compliments de Normandie. Duettino, Paris [ca. 1840].
 
  • Pujet, Loisa: Ma Chevrette. Romance, o.J.
 
  • Pujet, Loisa: Ma soeur, défends moi, Paris 1843.
 
  • Pujet, Loisa: Mire dans mes Yeux tes Yeux. Romance, [ca. 1863].
 
  • Pujet, Loisa: Ne quittez jamais votre mère. Romance, Paris 1838.
 
  • Pujet, Loisa: Ta dot. Chansonette, Leipzig/ Wien o.J.
 
  • Pujet, Loisa: Le plus beau de Seville. Bolero, 1837.
 
  • Reichardt, Louise: Zwölf Gesänge mit Begleitung des Piano-Forte, Hamburg [ca. 1810].
 
  • Robert-Mazel, Hélène: La nuit du Jardin des Oliviers, Paris [ca. 1830].
 
  • Young, Ann: Elements of Music, London o.J.
 
   

Lexikon Europäische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Wir haben im Lauf des Jahres 2009 die Durchsicht der wichtigsten Musikzeitschriften bis zum Jahr 1900 abgeschlossen und auch die Recherche in denjenigen Musiklexika, die bisher online noch nicht verfügbar sind. Die Zahl der fertig gestellten Artikel bewegt sich um die 450 – eigentlich könnten wir befriedigt feststellen, dass fast die Hälfte der Namen bearbeitet ist. In Wirklichkeit verlangsamt sich das Tempo merklich. Es liegt zum einen daran, dass bisher vor allem Musikerinnen bis ca. 1850 bearbeitet worden sind und die Belegdichte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erheblich zunimmt. Zum anderen erweitern sich die Recherchemöglichkeiten im Internet laufend, und für manche Musikerin, deren Biographie wir vor Jahren aus wenigen Daten zusammengesetzt haben, ergibt die Internetrecherche (z. B. englischsprachige Tageszeitungen) inzwischen eine fast unüberblickbare Zahl von Hinweisen. Das heißt drittens, dass mancher ins Netz gestellte Artikel nochmals vorgenommen und aktualisiert wird. In einigen Jahren dürfte sich, wenn jeweils auch der neue Forschungsstand eingearbeitet werden muss, das Verhältnis von Neuformulierung und Überarbeitung zugunsten der letzteren umkehren. Das schreckt uns (noch) nicht: Weiterhin bleibt das Projekt spannend, und schließlich nutzen wir damit gegenüber einer Buchpublikation die Vorteile einer Internetveröffentlichung, in die auch Anregungen unserer NutzerInnen eingehen können.

 

 

Die auswärtigen AutorInnen, bei denen wir uns für Beiträge 2009 zu bedanken haben, sind: Melanie Unseld, die eine Reihe von Musikerinnen um Mozart bearbeitet hat, Claudia Schweitzer, die vor allem an französischen Instrumentalistinnen des 18. Jahrhunderts wieder ihren unglaublichen Spürsinn bewies, Uta Goebl-Streicher (Nanette Streicher, Anna v. Schaden), Andreas Feuchte (Tony Tiedemann), Helen Metzelaar (Hermina Amersfoordt), Ruth Heckmann (Sophia Eleonora Westenholz), Anna Lehninger (Teresa Ottavo), Jenny Kip (Marie Pleyel), Nadine Möhlmann (Luise Adolpha Le Beau), Jana Mertens (Margarete Stern), Simon Zlotos (Laura Rappoldi-Kahrer), Christine Fornoff (Teresina Tua), Annkatrin Babbe (Josephine Amann-Weinlich), Yusuf Pratama (Elise Harff), Heike Frey (Kathinka Dietz) und Martina Raab (Magdalene v. Kurzböck).

 

 

 

SchülerInnen forschen für das Lexikon

 

Auf Anregung von Vanessa Galli, Musiklehrerin am Domgymnasium Verden und ehemalige Studentin der Universität Oldenburg (mit einer bemerkenswerten Examensarbeit über Orgelkomponistinnen!) machten wir im Oktober 2009 einen ersten Versuch, OberstufenschülerInnen an Forschungen für das Instrumentalistinnen-Lexikon zu beteiligen. In Niedersachsen ist seit einigen Jahren für die gymnasiale Oberstufe ein sog. „Seminarfach“ vorgesehen, in dem SchülerInnen in einem projektartigen Zusammenhang „vorwissenschaftliche“ Erfahrungen machen sollen. Von ihrer Lehrerin bereits thematisch auf Komponistinnen und Gender-Fragen vorbereitet, kamen die Verdener SchülerInnen am 30. September ins Institut, um musikhistorische Forschung „zum Anfassen“ zu erleben. Dr. Markus Gärtner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Sophie Drinker Instituts, und Christine Fornoff, Studentische Hilfskraft, übernahmen es, sie in wissenschaftliche Arbeitsweisen und die Benutzung der Bestände einzuweisen. Dann hatten die zehn SchülerInnen Gelegenheit, sich allein oder in Gruppen auf die die Spuren von Instrumentalistinnen zu begeben, die diese in Musikzeitschriften, Lexika, in der musikwissenschaftlichen Literatur und im Internet hinterlassen hatten. Eine ausführliche Recherche-Anleitung half vor allem, das Internet einmal von einer ganz anderen Seite und jenseits von YouTube, Blogs, myface und SchülerVZ kennen zu lernen. Schon am Ende des Nachmittags waren sie mit ihrer Musikerin überraschend vertraut und konnten aus einer Vielzahl von Mosaiksteinen bereits die wichtigsten biographischen Linien rekonstruieren. Ein paar Wochen später trafen die ausformulierten Lexikonartikel ein und wurden von MitarbeiterInnen des Instituts überprüft und redigiert. Autorenverträge sind in Arbeit, und demnächst werden die SchülerInnen ihre ersten musikwissenschaftlichen Publikationen vorweisen können – wir haben das mit 17 oder 18 Jahren noch bei weitem nicht geschafft!

 

 

Veranstaltungen

 

Die Kolloquien für DoktorandInnen haben schon Tradition. Im Jahr 2009 kamen wir am 7. Februar und am 26. September zusammen, wie immer auch zu einem gemeinsamen Mittagessen, wo jenseits der eigentlichen Themen höchst anregende Diskussionen über all das stattfinden, was uns zwischen Tokio, Castelcucco, Bern, Bielefeld und Oldenburg so beschäftigt. Im September war es beispielsweise der Fall des renommierten Musikhistorikers Hans Heinrich Eggebrecht, dessen mutmaßliche Mitwirkung an einer Massenerschießung von Juden im Jahre 1941 bei der bevorstehenden Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung wenige Tage später zum zentralen Thema avancieren würde. Bis heute wird der „Fall Eggebrecht“ (Eggebrecht war Doktorvater der OldenburgerInnen Freia Hoffmann, Peter Schleuning, Wolfgang Martin Stroh und Walter Heimann sowie einer ganzen Generation namhafter MusikwissenschaftlerInnen) in der Presse (Zeit, FAZ, Badische Zeitung u.a.) diskutiert und ist ein guter Anlass auch für NachwuchswissenschaftlerInnen, sich mit unserer Fachgeschichte und ihren ideologischen Nachwirkungen zu beschäftigen.

 

 

Zum Kolloquium hinzugekommen sind in diesem Jahr Babette Dorn, die eine Dissertation über die Komponistin und Pianistin Ilse Fromm-Michels vorbereitet, und Heike Frey, die über Musikerinnen in der Truppenbetreuung des Zweiten Weltkrieges arbeitet.

 

 

Zum Abschluss ist im Jahr 2009 niemand gekommen, dafür werden 2010 voraussichtlich mehrere Promotionsverfahren zu Ende gebracht.

 
   

Ein weiteres Treffen von Doktorandinnen der Musikwissenschaft (UFO, Unabhängiges Forschungs-Kolloquium) fand am 13. und 14. März im Sophie Drinker Institut statt. Im UFO treffen sich Nachwuchswissenschaftlerinnen regelmäßig und an verschiedenen Orten, um ihre Arbeitsergebnisse zu diskutieren und sich von wechselnden Mentorinnen beraten zu lassen.

 
   

Zu einer besonderen Veranstaltung lud das Institut am 16. Mai 2009 ein: ein Symposium zum 100. Geburtstag der Komponistin und Musikpädagogin Charlotte Schlesinger. Anlass war das Habilitationsverfahren von Anna-Christine Rhode-Jüchtern an der Universität Oldenburg (erfolgreich abgeschlossen am 11. November 2009). Die Habilitationsschrift unter dem Titel „Schrekers ungleiche Töchter – Grete von Zieritz und Charlotte Schlesinger in NS-Zeit und Exil“1 arbeitete erstmals das Schicksal von Charlotte Schlesinger auf, einer jüdischen Musikerin, die nach Studium und Berufstätigkeit an der Berliner Hochschule für Musik über Wien, Kiew und London nach USA emigrierte und 1976 in London starb. Das Sophie Drinker Institut besitzt einen Sammlungsschwerpunkt Nationalsozialismus und Exil und nahm die Forschungen von Christine Rhode-Jüchtern zum Anlass, am Beispiel dieser Musikerin Verfolgung, Vertreibung und Exilerfahrungen zu thematisieren und auch die beschämende Art und Weise zu diskutieren, in der in Nachkriegszeit und teilweise bis heute historiographisch mit diesen KollegInnen umgegangen wird. Referentinnen waren Dr. Christine Rhode-Jüchtern (Bielefeld), Prof. Dr. Dörte Schmidt (Berlin), Dr. Dietmar Schenk (Berlin), Babette Dorn (Castelcucco), Prof. Dr. Melanie Unseld (Oldenburg) und unser Beiratsmitglied Prof. Dr. Ute Gerhard (Frankfurt/M. u. Bremen).

 

   
Charlotte Schlesinger (1909-1976)
 
   

Den Abschluss bildete ein eindrucksvolles Konzert, in dem Margarete Huber (Gesang) und Babette Dorn (Klavier) erstmals nach vielen Jahrzehnten Lieder von Charlotte Schlesinger wieder zum Klingen brachten, ergänzt durch Klaviermusik von Ilse Fromm-Michaels, die – verheiratet mit einem jüdischen Juristen – die Zeit des Nationalsozialismus in dauernder Gefährdung, erzwungener Passivität und innerer Emigration in Hamburg verbrachte.

 
   

Die Moderation für dieses Konzert hatte unsere Oldenburger Kollegin Prof. Violeta Dinescu übernommen, auch sie geprägt von Verfolgung und Emigration – immerhin ein Beispiel, an dem sich deutsche Gastfreundschaft ausnahmsweise einmal bewährt hat.

 
   
1(= Berliner Musik Studien Bd, 30), Sinzig 2008  

 

Personal

 

Wie immer ist von Abschieden zu berichten: Dr. Anja Herold, Mitarbeiterin des Sophie Drinker Instituts von Beginn an, hat uns verlassen, um ihren eindrucksvollen Qualifikationen noch das Zweite Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien hinzuzufügen – sprich: Sie hat am 1. November 2009 ihr Referendariat angetreten. Auch wenn man am Sophie Drinker Institut keine Reichtümer und nur geringen Ruhm erwerben kann: Wir hoffen, dass sie doch irgendwann, wenigstens für ein paar Stunden pro Woche, ihren Platz am hiesigen Schreibtisch wieder einnimmt. Der zweite Abschied am Jahresende galt Hanna Bergmann, ebenfalls kaum aus dem Sophie Drinker Institut wegzudenken. Im August 2002, wenige Wochen nach Eröffnung des Instituts, begann sie ihre Arbeit als Studentische Hilfskraft und setzte sie nach erfolgreich absolviertem Studium 2006 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin fort. Wir konnten Hanna, trotz ihrer entschiedenen Begabung, nicht von einer wissenschaftlichen Karriere überzeugen, und so müssen wir sie in Zukunft ihrer eigentlichen Bestimmung als Pianistin überlassen. Herzlichen Dank Beiden für die langjährige, zuverlässige und hochkarätige Mitarbeit im Institut!

 

 

 

Hochkarätig allerdings ist auch Dr. Markus Gärtner, vor Jahren in Oldenburg promoviert mit einer Arbeit über Eduard Hanslick und Franz Liszt, der seit April 2009 im Sophie Drinker Institut für einige Monate einen Arbeitsplatz bezog. Ein von ihm verfasster Lexikon-Artikel über Lina Ramann hatte in Recherche, Gedankenführung und Formulierung die MitarbeiterInnen so überzeugt, dass wir seitdem nichts unversucht ließen, ihn für uns zu gewinnen. Mit Erfolg, wenn auch nur als Übergangslösung, bevor er im November 2010 ebenfalls ins Referendariat entschwinden wird. Hinzu kam im Jahr 2009 auch Annkatrin Babbe, und zwar als Studentische Hilfskraft. Wie Christine Fornoff hat sie sich erstaunlich schnell eingearbeitet, beide sind bereits eine große Hilfe bei der Betreuung auswärtiger AutorInnen, bei der Recherche und beim Verfassen von Artikeln.

 

 

 

Im Jahr 2009 haben beide mit dem Bachelor of Arts die erste Hürde des Studiums genommen, Christine Fornoff mit einer Arbeit über die Violinistin Teresina Tua und Annkatrin Babbe mit der ersten Monographie über das Europäische Damen-Orchester von Josephine Amann-Weinlich (letztere wird in der Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts veröffentlicht).

 

 

 

 

 

 

Zuständigkeiten

 

  • Dr. Markus Gärtner: Bibliothek, Instrumentalistinnen-Lexikon
 
  • Dr. Marion Gerards (externe Mitarbeiterin): Bibliographie, Redaktionelle Verantwortung für Neuerscheinungsliste und Rezensionen im Jahrbuch Musik und Gender (Olms Verlag)
 
  • Volker Timmermann: Netzwerkbetreuung, Homepage, Marbe Nachlass, Instrumentalistinnen-Lexikon

 

  • Annkatrin Babbe und Christine Fornoff: Aufsatz-Sammlung, Instrumentalistinnen-Lexikon.
 
   

Ein weiterer externer Mitarbeiter ist Niels Peters, der immer dann zu Hilfe eilt, wenn für Netzwerk und Homepage professionelle Hilfe gebraucht wird.

 
   

Und selbstverständlich stehen alle für die Beratung und Information von NutzerInnen und Seminargruppen zur Verfügung, erledigen Korrespondenzen, Telefondienst,Verwaltung usw.

 

 

...und ein neues Buch

 

Ein Projekt, das Markus Gärtner, Volker Timmermann und mich zurzeit in Anspruch nimmt, hat den Arbeitstitel „Reiseberichte von Musikerinnen des 19. Jahrhunderts“. Es wird voraussichtlich 2010 im Druck erscheinen und enthält elf Quellentexte von Therese aus dem Winckel (Harfenistin), Caroline Boissier-Butini (Komponistin und Pianistin), Fanny Hensel (Komponistin und Pianistin), Hortensia Zirges (Violinistin), Lise Cristiani (Violoncellistin), Fanny Hünerwadel und Amalie Weiß (Joachim) (Sängerinnen), Musikerinnen einer Damenkapelle, Lilli Lehmann (Sängerin), Martha Remmert (Pianistin) und Ethel Smyth (Komponistin).

 

 

Wenn man sich vornimmt, ein Buch herauszugeben, hat man (oder habe ich wenigstens) meistens die Illusion, dass es nur darum geht, eine Konzeption zu entwickeln, AutorInnen zu gewinnen, gelegentlich telefonisch über ihre Artikel zu plaudern und sie nach pünktlichem Eingang zu redigieren. Für dieses Projekt kann man sagen: weit gefehlt. Das Buch könnte schon seit ein paar Wochen beim Verlag liegen und darauf warten, eine ansprechende Formatierung und einen hübschen Einband zu bekommen, wenn sich nicht immer wieder unerwartete Hürden aufgetan hätten. Es begann mit der Übersetzung eines 1863 erschienenen Berichtes der Cellistin Lise Cristiani über ihre jahrelange Reise durch Sibirien bis zum Ochotskischen Meer und die am Pazifik gelegene Halbinsel Kamtschatka. Bei der letzten Überarbeitung des deutschen Textes stellte sich – aufgrund eines Zufalls oder auch Internet-typischer Entdeckungen – heraus, dass Teile des Textes gefälscht, d. h. der Musikerin untergeschoben waren. Die Suche nach dem eigentlichen Urheber und die Frage, wie viele Teile des Berichts betroffen waren, verursachte einige Nervosität, aber mit glimpflichem Ausgang (es ist weniger als ein Drittel). Dass sich Autoren wegen Arbeitsüberlastung aus dem Projekt verabschieden und durch andere ersetzt werden müssen, ist nicht unüblich. Weniger üblich ist allerdings die plötzliche E-Mail-Taubheit eines Nachlassverwalters, der seine Türen unbedingt noch einmal öffnen muss, damit Abschriften aus der Hinterlassenschaft seiner Vorfahrin überprüft werden können. Und vollends faszinierend war die Entwicklung bei den Quellentexten von Marie Stütz und Ida Tschek, die mit einer Damenkapelle in Asien und Indonesien unterwegs waren (Bearbeitung Monika Tibbe). Der anfängliche Text (Auszug aus einem Buch von 1893) multiplizierte sich innerhalb weniger Monate: Zuerst zeigte sich, dass die Druckfassung von den vorhandenen Autographen sehr stark abwich, dann steuerte eine Nachfahrin weitere Tagebuchauszüge und Reiseberichte bei, schließlich sogar Fotos. Musste eine neue Textauswahl getroffen werden? Oder war, bevor man das ganze Material in einem eigenen Buch vorstellt, erst einmal eine wirklich gründliche Sichtung dieses geheimnisvollen Dachbodens fällig? Es ist noch nicht entschieden, Marie Stütz und Ida Tschek werden unserem Buch jedenfalls erhalten bleiben.

 

   

Und die Ergebnisse meines Editionsabenteuers können Sie im Lauf des Jahres 2010 kennen lernen.

 

 

 

 

Wie immer, mit herzlichen Grüßen

 

Ihre  

 

 

Prof. Dr. Freia Hoffmann

 

 

 

Geschäftsführerin und Leiterin des

 

Sophie Drinker Instituts

 

Außer der Schleifmühle 28

 

D-28203 Bremen

 
 

 

Tel. 0421/94 90 800

 

info@sophie-drinker-institut.de

 

www.sophie-drinker-institut.de