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Fundstück des Monats

 

April 2010

 
   
Aus der Wiener Jagd-Zeitung, 1858, S. 681f.
 
 

Geigerinnen - die Widersinnigkeit im Superlativ"?

 
   
Über die Schwestern Virginia und Carolina Ferni, die Ende des Jahres 1858 in Wien konzertierten:  
   

„Eine Künstlerin hat eigentlich gar nicht das Recht, häßlich zu sein. Diese beiden Schwestern sind schön. Schönheit, einige Romantik hinzu, die hier ebenfalls vorhanden, ein korrekter Geigenstrich und eine gute Dosis Kunstfertigkeit, wer wird da nicht applaudiren? Auf die Gefahr hin, jenem Schuster des Alterthums zu gleichen, der ein so apartes Votum abgegeben, muß ich gestehen, daß ich nichts Widerwärtigeres in der Kunst kenne, als eine Dame Violine spielen zu sehen. Eine politisirende Dame ist unangenehm, eine rauchende noch unangenehmer, eine Dame jedoch, welche Violine spielt, ist die Widersinnigkeit im Superlativ. Schöne weiße Schultern, ein herrlicher Busen und eine Violine darauf! Welche Karrikatur!“ (Jagd-Zeitung 1858, S. 681f.).

 
   
Die Ablehnung von Geigerinnen allein aufgrund ihres Aussehens beim Spiel besaß im 19. Jahrhundert eine lange Tradition, die auch in der zweiten Jahrhunderthälfte noch nachwirkte. Davon zeugt das oben genannte Beispiel, das einmal nicht aus einer Musikzeitschrift stammt und so zeigt, dass diese Art des Blickes auf Violinistinnen auch außerhalb des Musiklebens verbreitet gewesen sein muss. Selbst ihre äußere Schönheit wird den Schwestern Ferni dabei zum Verhängnis. Dies nimmt auch die Wiener "Morgenpost" wahr, die dabei indes nicht die Geigerinnen, sondern die Musikkritiker ins Visier nimmt:  
   
„Im Theater a. d. Wien hängt der Kassenhimmel voll Geigen. Der Erfolg der Schwestern Ferni gestaltet sich immer glänzender, trotzdem man sie schön nennt. Man erweist den Schwestern gar keinen Dienst mit dem Kompliment; im Gegentheil, es wird ihnen mitunter recht fatal. Strenge Kritiker glauben, doppelt und drei- und zehnfach strenge ins Gericht gehen und alle Fundgruben kritischer Tiefe und Schärfe auswühlen zu müssen, um nur ja nicht in den schnöden Verdacht zu gerathen, daß auch sie sich durch den 'äußern Schein blenden lassen.' Genug, aber sie gefallen derart, daß das Haus an jedem der letzten Abende ausverkauft war und ihre Konzerte sich wohl noch bis zum Schluß der künftigen Woche erstrecken werden" (Morgenpost, Wien, 25. Nov. 1858).
 
 
(VT)    
     
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