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Fundstück des Monats

 

August 2009

 
   
"Die Menge tobt, es braust der Sturm" - Weiblich-tenoröser Gesang in homöopathischen Dosen  
   
Aus den Signalen für die musikalische Welt 1851, S. 115:
 
   
"Balfe's Concert war voll, der Kunst war also im höchsten Maaße genügt. Doch Balfe liebt das Universelle, er hat das Jahrhundert begriffen. Mannigfaltigkeit des Genusses ist seine Devise, und derzufolge producirt er seinen Engländern einen weiblichen Tenor. Ein weiblicher Tenor! God bless me, I must hear that! So der Engländer. Und der weibliche Tenor, der nichts weiter als ein Contr' Alto ist, macht das Haus crowded. Aber der Engländer versteht keinen Spaß, er will wirklich einen weiblichen Tenor, und als er sich getäuscht sieht, macht er Spektakel, und was für einen! Es fehlte blos das Aepfelwerfen, um die Scene vollständig zu machen. Vergebens zeigt sich den erzürnten Blicken die reizende Angri, vergebens weis't sie ihre blendend weißen Zähne und macht Miene einen englischen song zu 'reißen', vergebens taucht der blasse Ernst auf, der sich noch immer seinen Bart nicht abschneiden will, zum Aerger aller respectable families, vergebens droht er mit seinem nie gehörten (nämlich in dieser Saison) Carneval, vergebens wagt Balfe einen speech zu halten - die Menge tobt, es braust der Sturm, man lacht, man pfeift, man applaudirt, man tanzt, man schreit, man ist quite english. Da endlich entschließt sich der weibliche Tenor, den Sturm zu beschwichtigen, und 'was der Verstand der Weisen nicht sieht, das findet in Einfalt ein kindlich Gemüth.' Der weibliche Tenor fängt an zu singen, man ist verdutzt, er singt weiter, zwar versucht man noch zu schreien, aber der weibliche Sänger wendet die homöopathische Kur an, und siehe da - er singt. Von diesem Augenblick an sollen sämmtliche artistes beschlossen haben, homöopathisch zu werden."
 
   
 
   
   
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