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Fundstück des Monats

 

Dezember 2007

 
   
Aus der Neuen Berliner Musikzeitung 1872, S. 235:
 
 
"Das hohe C mit der Brust.
 

Seit etwa zwei Decennien ist das hohe C mit der Brust zum Stichwort geworden, und tritt ein neuer, berühmter Tenor auf, so wird alsbald gefragt: 'wie hoch singt er mit der Brust?' oder 'wie hat er die bekannten hohen Stellen gesungen, mit Brust- oder Kopfstimme?'

 
   
Eine kritische Mode kann niemals ganz ohne Grund aufkommen, sondern wird sicher stets auf etwas Wahres zurückzuführen sein, wäre sie auch, wie diese, vielleicht nur der Liebhaberei eines oder mehrerer Schosskinder der Tenorfamilie, einzelne hohe Töne gleich Raketen herauszuschleudern, bei dem Publikum auf dem Fusse gefolgt. Denn ist die Fähigkeit, die hohen Töne der Pointen, wie es heisst, mit Brust zu produciren, jedenfalls eine glückliche Eigenschaft des Organs, so ist es in der That oft eine unkünstlerische Laune, durch längeres, indifferentes Absingen der Partie vorher oder durch absichtliches Annehmen einer dunkleren Klangfarbe vor- und nachher einem bestimmten hohen Tone, der dann besonders glänzend getragen wird, eine Wichtigkeit beizulegen, welche er oft gar nicht besitzt, an die der Componist nicht im Entferntesten dachte und die von diesem im Interesse seiner tiefer liegenden Intentionen jedenfalls sehr übel vermerkt werden möchte."
 
   
Der vollständige Text von Albert Hahn, Dokument für die damals historisch neue "Vermännlichung" der Tenorstimme, ist in der Aufsatzsammlung des Sophie Drinker Instituts einsehbar.