Fundstück des Monats |
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Dezember 2009 |
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| Geigenstatistinnen | ||
Aus den Signalen für die musikalische Welt 1897, S. 617: |
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" 'Die von der Damenkapelle.' Aus Berlin berichtet das 'Berliner Fremdenblatt': Wohl die wunderlichste Frauenbeschäftigung in der Reichshauptstadt ist die der sogenannten 'Geigenstatistinnen' oder 'unmusikalischen Musikerinnen'. Die Thätigkeit dieser Mädchen besteht darin, daß sie, um das Ensemble der Damencapelle, in deren Dienste sie stehen, reichhaltliger erscheinen zu lassen, mit scheinbarem Feuereifer auf einer eingeseiften Geige herumstreichen und dabei aufmerksam die Noten einsehen und umblättern, von denen sie auch nicht die leiseste Ahnung haben. Für diese Thätigkeit erhalten sie 20-25 Mark pro Monat und 'Animirprocente', deren Höhe sich nach dem Character des Locales richtet, in dem sie spielen." |
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Geigerinnen, die gar nicht geigen - diese Geschichte wirkt ziemlich skurril. Doch warum setzten Berliner Damen-Ensembles solche "Geigenstatistinnen" überhaupt ein? So nahe am Ende des 19. Jahrhunderts gab es schließlich eine ganze Reihe von gut ausgebildeten Violinistinnen, die es einerseits sicher nicht nötig gehabt hätten, ihren Bogen mit Seife einzustreichen, um möglichst keine Töne zu produzieren, und andererseits schon aufgrund der schwierigen Beschäftigungssituation für Instrumentalistinnen um 1900 an einer Orchestertätigkeit interessiert gewesen sein dürften. Über die Gründe für die Existenz der "Geigenstatistinnen" lässt sich nur spekulieren: Wurden diese Nicht-Geigerinnen aus finanziellen Gründen eingestellt, da sie mutmaßlich deutlich preiswerter waren als spieltechnisch befähigte Kolleginnen? Waren "echte" Geigerinnen gar nicht nötig, da es in manchen Etablissements möglicherweise kaum um die musikalischen Qualitäten von Damen-Kapellen ging? War ein attraktives Äußeres zumindest einiger der "Musikerinnen" für den Erfolg des Ensembles vielleicht manchmal wichtiger als etwaige musikalische Qualitäten? - Derlei Fragen können nur weitere Quellenfunde zum Thema "Damenorchester /-kapellen" beantworten - für Hinweise, die zu bisher ungehobenen Quellen führen, sind wir stets dankbar. |
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