Fundstück des Monats |
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Februar 2008 |
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Aus den Signalen für die musikalische Welt 1879, S.233: |
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| „Ein Pröbchen transatlantischer Kritik. Sehr häufig hört man unsere Künstler und Virtuosen beiderlei Geschlechts ein Zetergeschrei über die Kritik erheben, die angeblich ihren Verdiensten nicht die gehörige Würdigung widerfahren lasse, dagegen ihre kleinen Fehler und Schwächen zur Belustigung des Publicums auf die umbarmherzigste Weise ausbeute. Da wird es denn gut thun, den empfindlichen deutschen Künstergemüthern einmal ein Pröbchen transatlantischer Kritik zu geben, damit sie sehen, welcher Behandlung ihre Collegen jenseits des Oceans ausgesetzt sind, und nun ihr Schicksal preisen, das sie nicht dort geboren werden ließ, wo man weniger Rücksichten zu nehmen pflegt, als hier. Als ich mich in Louisville, in Kentucky, befand, concertirte daselbst eine amerikanische Claviervirtuosin, deren Leistungen sich von denen, welche wir hier zu hören gewohnt sind, nicht wesentlich unterschieden. Am andern Tage brachte das in Louisville erscheinende Hauptorgan für Kentucky folgendes Referat, welches ich mich hier bemühe, möglichst wörtlich wiederzugeben: |
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‚Gestern hatten wir einen ganz besonderen Kunstgenuß auszustehen, den uns Miß R. in ihrer Liebenswürdigkeit für einen Dollar Eintrittsgeld bereitete. Die junge Dame zeigte sich dem entzückten Publicum in einem Kleide mit so viel weißen Volants, daß sie aussah, wie der Planet Saturn mit seinen Ringen. Sie schwebte hold lächelnd auf das Piano zu, gab dem runden Musikstuhl ein oder zwei Umdrehungen und flaumte dann darauf nieder, wie ein mit Seifenschaum gefülltes Lavoir. Dann stülpte sie ihre Manschetten auf, als ginge sie daran, den Preis in einem Boxerkampf zu gewinnen. Darauf bearbeitete sie ihre Knöchel und Handgelenke, um sie, wie ich vermuthe, geschmeidig zu machen, und breitete schließlich ihre Finger derartig aus, daß sie aussahen, als wollte sie die ganze Claviatur von dem brummenden bis zum quiekenden Ende umspannen. Nach diesen vorbereitenden, für den Zuschauer eben so interessanten als aufregenden Manipulationen ging es los. Erst machten ihre beiden Hände einen Sprung über die Tasten, als ob ein paar Tiger über eine Heerde schwarzer und weißer Schafe herstürzten, und das Piano ließ ein Geheul vernehmen, als ob es Jemand auf den Schwanz getreten hätte. Plötzlich Todtenstille – man konnte das Haar auf dem Kopfe wachsen hören und das entsetzte Publicum wagte nicht zu athmen. Dann ein stärkeres Geheul, als ob das Piano zwei Schwänze besäße und man auf beide zugleich getreten hätte, und dann ohne Unterbrechung ein großes Geklapper, Gequieke, Gerassel und eine Reihe von Sprüngen auf und ab, rückwärts und vorwärts, eine Hand über die andere, ein Gehämmer und Getöse, mehr wie eine Katzenbalgerei und allgemeine Flucht von Ratten und Mäusen, als das was ich Musik nenne’….. So weit haben es selbst die strengsten deutschen Referenten doch noch nicht gebracht!“ |
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