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Fundstück des Monats

 

Juni 2008

 
   
Hans von Bülow in den Signalen für die musikalische Welt 1880, S. 244:
 
   
"Herr Jaell beehrte mich eines Tages mit seinem Besuche. Der ebenso fingerbehende als infolge von Wohlbeleibtheit pedal-schwerfällige Künstler zeigte sich beim Eintritt so athemlos, daß ich die Schuld dieser Beklemmung mehr auf das schwere Musikalienpacket (Manuscripte seiner Gemahlin), mit dem er beladen war, wenigstens größtentheils schieben durfte, als auf den dritten Stock, in dem ich wohnte.
 
   
Er forderte mich flehentlichst auf, mir diese Compositionen zu Augen und zu Gemüthe zu führen. Meine Antwort war:
 
   
'Die Botschaft hör' ich wohl, doch fehlt mir der Glaube. Ich glaube nicht an das Femininum des Begriffes: Schöpfer. In den Tod verhaßt ist mir ferner Alles, was nach Frauenemancipation schmeckt. Damen, die componiren, halte ich für noch bedenklicher, als solche, die zu Deputirten gewählt werden möchten. Denn Letzteres ist ja gewissermaßen schon landesüblich, da man z. B. die Herren Lasker und Consorten [gemeint ist wohl der linksliberale Politiker Eduard Lasker] nur unter die Zungendrescher i n n e n rechnen kann. Lassen Sie mich also einstweilen unbeglückt mit den Hallucinationen Ihrer schöneren Hälfte. Dahingegen verspreche ich Ihnen feierlichst am lendemain desjenigen Tages, an welchem Sie mir Ihre (eigne) glückliche Entbindung von einem gesunden Baby angezeigt haben werden - da will ich den ersten ernsthaften Versuch anstellen, mich zum Glauben an den Beruf des weiblichen Geschlechtes zur musikalischen Production zu bekehren. Bis dahin auf Wiedersehen!' "
 
   
   
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