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Fundstück des Monats

 

März 2009

 
   
   
 
Aus der Neuen Zeitschrift für Musik 1872 II, S. 528:
 
   
Der Traum vom reichen Onkel aus Amerika...  
   
...wurde, wie das angefügte Fundstück zeigt, nicht erst in der letztvergangenen Nachkriegszeit geträumt.
 
 
"Die Wittwe eines österreichischen Majors, Frau Cornelia v. Czikann, ertheilte nach dem Tode ihres Mannes Clavierunterricht, um außer ihrer kleinen Pension noch eine kleine Hülfe zu haben. Kürzlich empfing sie einen Brief aus Amerika, worin ihr gemeldet wurde, daß ein Herr ihr eine 'Million' vermacht habe. Sie hatte dem Manne während seines Wiener Aufenthalts täglich eine Stunde vorgespielt und dies hatte ihn zu dieser seltenen Dankbarkeit verpflichtet."
 
 
Ein reicher Amerikaner, der für unverhältnismäßig viel Geld ein wenig Kultur kauft - das dürfte den europäischen Vorstellungen von US-Amerikanern auch schon im 19. Jahrhundert gut entsprochen haben. "Die Wurzeln dieser Amerika-Stereotype lagen bereits im achtzehnten Jahrhundert, als sie als aristokratische Kritik an der bürgerlichen Republik der Vereinigten Staaten entwickelt wurden. Im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert wurden sie dann zum Grundbestand der bürgerlichen Amerikawahrnehmung. Grundsätzlich galt die amerikanische Gesellschaft als materialistisch sowie als geschichts- und kulturlos" (Egbert Klautke, Unbegrenzte Möglichkeiten. "Amerikanisierung" in Deutschland und Frankreich (1900-1933), Stuttgart 2003, S. 17).
 
 
 
   
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