Haasters, Anna

Haasters, Anna

Haasters, Anna (Maria Rosalia), verh. Zinkeisen, Hasters, Haaster, Hagsters, Haasters-Zinkeisen

 

 

* 17. Dez. 1866 in Köln, Sterbedaten unbekannt, Pianistin. Bei ihren Eltern handelte es sich um Ferdinand Haasters (1823–vor 1899), einen in Köln ansässigen Kaufmann, und Rosalia geb. Schmidt (1823–?).

 

Bereits im frühen Kindesalter erhielt Anna Haasters Privatunterricht am Klavier von Nikolai Josef Hompesch (1830-1902) und Eduard Mertke (1833–1895), zwei Lehrern des Kölner Konservatoriums. Mit zwölf Jahren kam sie als Schülerin an dasselbe. Dort wurde sie von Ferdinand Hiller, dem Leiter (Komposition), und James Kwast (Klavier) unterrichtet. Bereits ein Jahr später nahm sie mit Franz Liszts Rigoletto-Paraphrase (Searle 434) an einem der Gürzenich-Konzerte teil. Als Kwast 1883 das Kölner Konservatorium verließ, folgte ihm Anna Haasters an das Hoch’sche Konservatorium in Frankfurt a. M., wo sie außerdem von Iwan Knorr (Kontrapunkt) unterrichtet wurde. Ihr Prüfungskonzert fand am 2. Juli 1885 mit Werken von Bernhard Scholz (1835–1916) und Franz Liszt statt.

 

Nach ihrem Abschluss wurde Anna Haasters Schülerin von Hans von Bülow in Meiningen und folgte ihm später nach Frankfurt a. M., Berlin, Hamburg u. a., wo sie jeweils in verschiedenen Konzerten Bülows und anderen Konzertveranstaltern mitwirkte. Ihre Zeit bei Bülow beschreibt Haasters für ihre künstlerische Entwicklung als sehr anregend: „Kaum würde ich ein Ende finden, zu reden von dem mächtigen Eindruck der nun folgenden Stunden, die teils Bülow, teils ich am Flügel zubrachte. Taumelnd vor Glück und Freude fand ich mich als ‚ausnahmsweise‘ acceptierte Schülerin des Meisters, mit einem Engagement zum nächsten Bülow-Konzert im Hoftheater, zwischen meinen Hôtelwänden wieder. […] Eine mächtig fördernde Reihe von Jahren! Dass in den über alles Lob erhabenen Unterrichtsstunden zuweilen die Wogen hoch gingen, brauche ich wohl kaum zu sagen; doch wusste auch niemand wie er, mit seinem Lobe und seiner Anerkennung zu erheben“ (zit. nach K[arl] W[ilhelm], Anna-Haasters-Zinkeisen, S. 2).

 

Anna Haasters’ Laufbahn als Musikerin mit regelmäßiger Konzerttätigkeit begann in der Wintersaison 1884/1885, als sie sich – noch während ihrer Ausbildung am Hoch’schen Konservatorium – an einer Konzertreise der Sängerin Dyna Beumer (1856–1934) beteiligte. Die Reise führte wahrscheinlich nach Süd- und Norddeutschland (NZfM 1898, S. 374). Außer in den Konzerten, die sie während des Unterrichts bei Bülow absolviert hatte, trat sie von 1887 bis 1893 wiederholt in den größeren Städten des Rheinlandes auf, unter anderem bei den Konzerten und Kammermusikabenden des Kölner Gürzenich-Orchesters. Einem biographischen Porträt von Paul Hiller zufolge überarbeitete Anna Haasters sich in diesen Jahren, „wurde sehr leidend und mußte in der Heimat [Köln] längere Zeit der Ruhe pflegen“ (ebd.). Nach ihrer Genesung gab sie 1896 ihr erstes eigenes Konzert mit dem Philharmonischen Orchester in der Berliner Singakademie, welches in der Presse hoch gelobt wurde: „Anna Haasters steht vor uns als fertige Künstlerin, vollkommen wie die Berühmtesten ihres Faches! […] Und im Banne dieser Willensfertigkeit hört man andächtig zu, ganz vergessend, dass man eine Virtuosin ersten Ranges vor sich hat, kaum achtend, welchperlende Geläufigkeit es an ihr zu bewundern geben könnte. ‚Das alles  m u s s  bei ihr so sein‘ hat man als Empfindung; dass es so ist, darüber staunt man gar nicht, wundern würde man sich, wäre es nicht so! – Was wird man an Anna Haasters erleben?!“ (Bock 1896, S. 410).

 

 

In ihrer Konzerttätigkeit, die bis 1912 belegt ist, bildeten die Auftritte in und um Köln und Düsseldorf den Schwerpunkt. 1899 führte sie eine Konzertreise nach Kiel, Berlin und Magdeburg. In Berlin trat sie, wie schon 1896, mit dem Philharmonischen Orchester auf. In den Jahren nach 1900 konzertierte sie wieder mit dem Gürzenich-Orchester und dem Städtischen Musikverein Düsseldorf. 1905/06 und 1909/10 veranstaltete sie eigene Abonnementskonzerte, die in der Presse durchweg gute Besprechungen erhielten. In deren Rahmen spielte sie mit verschiedenen Instrumental- und VokalsolistInnen, dem Halíř-Streichquartett und dem Böhmischen Streichquartett; mit letzterem hatte sie auch schon 1899 in Köln musiziert.

 

Am 24. Apr. 1899 erfolgte in Köln die Eheschließung zwischen der katholischen Anna Haasters und dem evangelischen Maler Konrad August Zinkeisen (1857–?). Zu dieser Zeit war Anna Haasters Vater bereits verstorben; ihre Mutter lebte in Köln. Anna Zinkeisen legte standesamtlich ihren Geburtsnamen ab, führte aber als Künstlerin den Doppelnamen Haasters-Zinkeisen.

 

Die Pianistin behielt über ihre gesamte Laufbahn hinweg Werke verschiedener Komponisten im Repertoire. Dazu gehörten neben anderen Beethoven, Chopin, Liszt und Mendelssohn. Wiederholt spielte sie u. a. Chopins Variationen über „Là ci darem la mano“ aus Don Giovanni von Mozart für Klavier und Orchester B-Dur (1827/8), Liszts Konzertparaphrase über Mendelssohns Hochzeitsmarsch und Elfenreigen aus dem Sommernachtstraum S. 410 und das Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73 von Beethoven. Neben dem Hauptrepertoire gab es einzelne Stücke, die für einen begrenzten Zeitraum auf den Programmen standen. So brachte sie in der Zeit vor 1898 das Klavierkonzert c-Moll op. 185 von Joachim Raff und das Klavierkonzert Es-Dur op. 36 von Felix Draeseke mehrfach zur Aufführung. In den Jahren 1898 bis 1900 spielte sie das Klavierkonzert a-Moll op. 16 von Grieg, das in ihren letzten Berufsjahren vom Klavierkonzert a-Moll op. 54 von Schumann abgelöst wurde.

 

Zu ihrem kammermusikalischen Repertoire gehörten Kompositionen von Beethoven, Schumann, Brahms und Josef Suk. Bei ihrem zweiten Konzert mit dem Böhmischen Streichquartett 1906 „gelangte […] eine hochinteressante Violin-Klaviersonate von Oskar Nedbal, von C. Hoffmann [Carel Hoffmann, 1872–1936] und Frau Haasters zündend gespielt, erstmals zu erfolgreichster Wiedergabe“ (FritzschMW 1906, S. 76).

 

Das Klavierspiel von Anna Haasters wurde in der Presse überwiegend positiv aufgenommen. Bei sparsamem Pedalgebrauch und kräftigem Anschlag soll sie über sehr gut ausgebildete technische Fertigkeiten verfügt haben. Einigen Kritikern fehlte allerdings „gewinnende Wärme“ (Bock 1889, S. 424). Dies soll sich in der Folgezeit geändert haben: „Fräulein Haasters, deren Erscheinung am Flügel jetzt noch prächtiger als früher wirkt, spielte das Grieg’sche Amoll-Concert, welches ihr so durchaus liegt, in das sie sich mit ihrem feinfühligen künstlerischen Empfinden so völlig hineingelebt hat, daß die Individualitäten der Interpretin und des Componisten ineinander verwachsen erscheinen. Die keine Schwierigkeit kennende brillante Technik der Haasters ist bekannt, ihr vornehmer Geschmack kommt jeder Composition zu gute, an zwei Eigenschaften hat sie aber offenbar noch in den letzten Jahren gewonnen – an Kraft und warmem Temperament“ (NZfM 1898, S. 223).

 

Mehrere Pressestimmen zusammenfassend, vergleicht Paul Hiller in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ Anna Haasters mit den berühmtesten Pianistinnen ihrer Zeit: „Daß die hauptstädtische Presse, ebenso wie die kölnische und hamburgische, Fräulein Haasters mit Vorliebe nicht nur neben die Carenno [María Teresa Carreño] und [→ Sofie] Menter, sondern in mancher Beziehung auch über diese stellt, sei nur als kleines Blatt aus dem Kranze wahrhaft glänzender Besprechungen kurz herausgegriffen“ (NZfM 1898, S. 374).

 

 

LITERATUR

 

Bock 1885, S. 332; 1888, S. 421; 1889, S. 415, 424f.; 1890, S. 77; 1896, S. 410

 

 

FritzschMW 1899, S. 442, 555, 708; 1906, S. 76, 340; 1908, S. 55

 

Leipziger Kalender 1904, S. 207

 

Die Musik 1903, Bd. 6, S. 67; 1903/1904, Bd. 9, S. 212, 390; 1904, Bd. 10, S. 302; 1906, Bd. 18, S. 207, 282; 1907, Bd. 22, S. 319; Bd. 23, S. 121; 1907/08, Bd. 25, S. 250; 1908, Bd. 26, S. 115, 372; Bd. 27, S. 189; 1909, Bd. 31, S. 57; Bd. 29, S. 251, 368; 1909/10, Bd. 33, S. 253; 1910, Bd. 34, S. 315; 1910/11, Bd. 39, S. 42; 1912, Bd. 44, S. 122-123


Musikpädagogische Blätter 1902/03, S. 261

 

Neue Musik-Zeitung 1897, S. 281

 

NZfM 1883, S. 426; 1884, S. 167, 506; 1885, S. 33, 328, 425, 436; 1887, S. 39, 174, 316, 357, 447; 1888, S. 532; 1889, S. 176, 470, 548, 587; 1897, S. 436, 445, 578; 1898, S. 223f., 373–375; 1899, S. 278; 1900, S. 202, 272, 417

 

Signale 1886, S. 130; 1887, S. 420, 597; 1888, S. 131, 473; 1889, S. 163, 92, 253, 341, 1190; 1890, S. 355; 1891, S. 195; 1893, S. 344; 1896, S. 1018; 1897, S. 712; 1898, S. 75, 265, 420, 533, 1000, 1012; 1899, S. 261, 501, 760, 807; 1900, S. 185, 563; 1903, S. 154

 

K[arl] W[ilhelm], „Anna-Haasters-Zinkeisen“, in: Rheinische Musikzeitung 1900, S. 2.

 

Josef Sittard, Geschichte des Musik- und Concertwesens in Hamburg. Vom 14. Jh. bis auf d. Gegenwart, Altona u. Leipzig 1890, Repr. Hildesheim u. New York 1971.

 

Karlheinz Weber, Vom Spielmann zum städtischen Kammermusiker. Zur Geschichte des Gürzenich-Orchesters (= Beiträge zur rheinischen Musikgeschichte 169), 2 Bde., Berlin [u. a.] 2009.

 

http://www.concertprogrammes.org.uk/html/search/verb/GetRecord/4195, Zugriff am 13. Aug. 2011

 

 

Bildnachweis


Rheinische Musikzeitung 1900, S. 2

 

 

Elena Fehrmann/Anne-Sophie Tramer

 

 

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