Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

 

WilckensWilkens, Caroline

* ca. 1829, aus Hamburg stammend, Sterbedaten unbekannt, Pianistin. Sie war zunächst Schülerin des Kapellmeisters Karl Krebs (1804−1880), später erhielt sie Unterricht vom Musikschriftsteller, Kapellmeister und Komponisten Carl Koßmaly (1812−1893). Ihre musikalischen Fähigkeiten zeigten sich früh, sodass sie „schon als Kind die ehrendsten Zeugnisse von Meistern, wie Spohr und Mendelssohn“ erhielt (Bock 1852, S. 85). Schon für die Zwölfjährige lässt sich ein erster öffentlicher Auftritt am 26. April 1841 in Hamburg belegen. Die „Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode“ rühmt sie als „vorzügliche Künstlerinn“. Weiter heißt es: „Sie hat ein Hummel’sches Tonstück (A-moll erster Satz) und die C. Czerni’schen Bravour-Variationen mit einer technischen Fertigkeit und Präcision vorgetragen, die allgemein überrascht und selbst große Spieler entzückt hat. Dem Vernehmen nach wird der Vater nächstens eine Kunstreise mit diesem seinem Wunderkinde durch das südliche Deutschland antreten“ (S. 680). Für Ende Mai 1843 wird ein weiterer Auftritt in Göttingen angekündigt, bei dem Caroline mit ihrer älteren Schwester, einer Sängerin, musizieren werde. Auch hier zitiert die Quelle wieder eine Empfehlung Louis Spohrs. DIe Pianistin sei „eine so eminente Künstlerin [...], daß sie in Ueberwindung technischer Schwierigeiten und einem correkten und saubern Spiel es mit ersten jetzt lebenden Pianisten aufnehmen könne" (Göttingensches Wochenblatt 1843, S. 195). Von 1845 an werden in der zeitgenössischen Musikpresse weitere Konzerte erwähnt: 1845 in Rostock, im Leipziger Gewandhaus und in Berlin,  in den Jahren 1848 bis 1860 vorwiegend in Stettin. Häufig standen dabei  Klavierkonzerte und andere Klavierwerke mit Orchesterbegleitung auf dem Programm, u. a. unter der Leitung ihres Lehrers und Stettiner Kapellmeisters Carl Koßmaly. In einem Konzert im Schützenhaus in Stettin am 28. Nov. 1852 spielte sie Beethovens Klavierkonzert in Es-Dur. „Frl. Wilkens, als Pianistin der musikalischen Welt nicht unbekannt, löste diese schwierige Aufgabe auf’s Rühmlichste. Sie hatte nicht bloss das technische Element vollkommen überwunden, sie wusste auch den Beethoven’schen Geist zur Geltung zu bringen. Die schwierigsten Passagen waren durchweg sehr brillant und kein Ton ging dem Ohr verloren“ (Bock 1852, S. 366). Nach 1860 verliert sich die Spur der Künstlerin. Ob zwei Konzerte einer „Frl. Wilkens“, die im Jahr 1889 in Hildesheim (FritzschMW 1889, S. 211) und 1890 in Münden (FritzschMW 1890, S. 276) belegt sind, Caroline Wilckens zuzuschreiben sind, lässt sich nicht abschließend ermitteln.

Ihr Repertoire umfasste u. a. Klavierkonzerte von Hummel, Beethoven, Mendelssohn und Weber sowie Kompositionen von Carl Czerny, Henri Herz, Charles-Auguste de Bériot, Theodor Döhler und Karl Krebs.

Mit Dank für Hinweise zur Biographie an Hans Schütt und Steffen Fahl.

 

LITERATUR

Allgemeine Theater-Chronik 1845, S. 376

AmZ 1845, Sp. 124f.

AWM 1845, S. 116, 220

Bock 1850, S. 150; 1851, S. 79, 349; 1852, S. 62, 85, 151, 366; 1853, S. 340; 1855, S. 28f., 1860, S. 110

FritzschMW 1889, S. 211; 1890, S. 276

GaillardBMZ 1845, Nr. 8, 10

Göttingensches Wochenblatt 1843, S. 195

NZfM 1841 I, S. 161; 1845 I, S. 104; 1848 II, S. 171, 223f.; 1858 I, S. 152

Signale 1845, S. 52, 60

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 1841, S. 680

 

HB/CB

 

 © 2009/2023/2026 Freia Hoffmann