Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Barth, Elise, Elisa 

* um oder nach 1800 vermutlich in Prag, † Juli 1839 ebd., Pianistin, Klavierlehrerin, Lehrerin am Konservatorium und Komponistin.

Dionys Weber, Direktor des Prager Konservatoriums, war vom musikalischen Talent des Mädchens so überzeugt, dass er ihren Unterricht übernahm. Auf diese Weise war Elise Barth bereits im Alter von sieben Jahren mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Dussek, Clementi, Steibelt und anderen Komponisten vertraut. Ihr Repertoire erstreckte sich bald von Domenico Scarlatti und Joh. Seb. Bach bis zu Beethoven, Hummel und Moscheles. Darüber hinaus betont Schilling ihre guten Fähigkeiten im Blattspiel.

Elise Barth unternahm 1826 ihre erste Konzertreise in die Badeorte Böhmens. Ein erster öffentlicher Auftritt in Prag ist am 3. März 1827 nachgewiesen: In einem Konzert von Friedrich Wilhelm Pixis spielte sie Variationen in Cis-Dur über ein Originalthema von Friedrich Dionys Weber und „erhielt den rauschendsten und einstimmigsten Beyfall, und die Anerkennung als eine der gediegensten Clavierspielerinnen, die mit männlicher Kraft, weibliche Zartheit verbindet" (Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 1827, S. 359). In dieser Zeit beschäftigte sie sich vermehrt mit Harmonielehre sowie Generalbassstudien und begann zu komponieren. Über ihre Kompositionen ist nur bekannt, dass sie „mehrere Clavierpiecen verschiedener Art schrieb" (Schilling).

Ab 1829 finden sich zunehmend lobende Konzertkritiken, die insbesondere die Reinheit, Präzision, Kraft und Sicherheit des Klavierspiels hervorheben. Darüber hinaus überzeugte Elise Barth durch „Besonnenheit, Ruhe und eine außerordentliche Delicatesse im Anschlage, vor Allem aber durch eine echt weibliche Zartheit und Milde des Vortrags“ (AmZ 1830, Sp. 142f.).

Gemeinsam mit dem Violinisten Friedrich Wilhelm Pixis und der Sängerin Katharina Podhorsky reiste Elise Barth im Jahr 1832 nach Wien, wodurch sie ihren Ruf als ausgezeichnete Pianistin festigen konnte. Im Herbst des Jahres ist ein Konzert mit Pixis im Breslauer Redoutensaal nachgewiesen (AmZ 1832, Sp. 766). Im selben Jahr erklärte sich Elise Barth bereit, den Gesangsschülerinnen des Prager Konservatoriums Klavierunterricht zu erteilen. Hierbei handelte es sich um eine unentgeltliche Tätigkeit, bei der lediglich die „Bemühungen der Lehrerin […] durch zeitweilige Remunerationen entlohnt“ (Branberger, S. 54) wurden. Dennoch übte Elise Barth ihre Lehrtätigkeit am Konservatorium bis zu ihrem Tod im Jahr 1839 aus.

 

LITERATUR

AmZ 1809/10, Sp. 104 [?]; 1827, Sp. 279; 1830, Sp. 142f.; 1832, Sp. 766, 851; 1833, Sp. 191; 1837, Sp. 390, 776; 1838, Sp. 191, 354

Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunde 1824, S. 276; 1825, S. 19

Bohemia 1837, 7. und 14. April; 1839, 26. Juli

Castelli 1829, S. 96, S. 168; 1832, S. 164

Iris 1832, S. 176

Neues Wiener Tagblatt 5. Okt. 1877

NZfM 1837 I, S. 166; 1840 I, S. 24

Prager Zeitung 26. Apr. 1832

Wiener Theater-Zeitung (Bäuerle) 1832, 30. Aug., 19. Sept.

Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 1827, S. 359; 1830, S. 222, 539; 1831, S. 86; 1832, Ausgabe vom 18. Sept. 1832, Beylage S. [4], S. 920, 965f.; 1833, S. 118

Schilling, Gaßner, Mendel, Cohen, Ebel

Johann Branberger, Das Konservatorium für Musik in Prag, Prag 1911.

Freia Hoffmann, „Institutionelle Ausbildungsmöglichkeiten für Musikerinnen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts", in: Von der Spielfrau zur Performance-Künstlerin. Auf der Suche nach einer Musikgeschichte der Frauen, hrsg. von Freia Hoffmann und Eva Rieger, Kassel 1992, S. 77–94.

Freia Hoffmann, „Das Konservatorium für Musik in Prag (1810/11)", in: Handbuch Konservatorien. Institutionelle Musikausbildung im deutschsprachigen Raum des 19. Jahrhunderts, hg. von Freia Hoffmann, 3 Bde., Lilienthal 2021, Bd. 1.

Sandra Middeldorf/CB

 

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