Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Baginsky, Baginski, Margarethe

 * um 1874, Geburtsort und Sterbedaten unbekannt, Violinistin. Sie wurde am Stern’schen Konservatorium bei Emile Sauret (1852–1920) und Florián Zajíc (1853–1926) ausgebildet (Klavier: Felix Dreyschock, 1860–1906) und übte bereits bei einem Schülerkonzert des Instituts „mit dem vollendeten Vortrage des Mendelssohn’schen Violin-Konzerts eine hinreissende Wirkung auf das Publikum aus. Man glaubte weder eine Schülerin, noch ein junges, kaum 18jähriges Mädchen zu hören, eine Künstlerin war es, die mit perlender Geläufigkeit, wunderbar süssem Tone und überraschend geistigem Vortrage sich die Herzen der Zuhörer eroberte. Wir glauben mit Sicherheit der jungen Dame eine glänzende Zukunft prophezeien zu können“ (Bock 1892, S. 178).

Margarethe Baginsky konzertierte zwischen 1895 und 1900 vornehmlich in Berlin. Nach einem Auftritt am 24. Jan. 1895 im Berliner Klubhaus nennt die „Neue Berliner Musikzeitung“ sie „eine jugendliche, ganz tüchtige Geigerin“ (Bock 1895, S. 47), kritisiert jedoch „das Winden des Körpers bei Kantilenen“ und „das Schleifen der Töne“ (ebd.), eine Beobachtung, die in späteren Presse-Kommentaren nicht wiederkehrt. Weitere solistische Auftritte erfolgten im Kursalon Teplitz-Schönau (1896), im Bechsteinsaal (1896) und in der Singakademie (1896). Ihre Interpretation des Mendelssohn-Konzerts in der Singakademie fand beim Kritiker der „Neuen Berliner Musikzeitung“ keine Zustimmung. Sie sei, so ist zu lesen, „für dieses abgeklärte und so oft verklärte Musikstück noch nicht reif […], da sogar ihre Technik noch nicht ganz ausreicht und noch viele Mängel und Mucken aufzuweisen hat“ (Bock 1896, S. 362). Ein weiteres Konzert in der Singakademie am 19. Okt. 1897 kommentieren die „Signale für die musikalische Welt“ wohlwollend, aber mit einer für die damalige Wahrnehmung von Musikerinnen bezeichnenden Einschränkung: „Sie behandelt ihr Instrument mit Anmuth, spielt musikalisch natürlich, mit warm empfundenem Ton, und läßt auch eine sorgfältig gepflegte Technik nicht vermissen. Für Bruch’s Gmoll-Concert hatte sie häufig nicht die nöthige Kraft und Energie des Ausdrucks einzusetzen, dagegen brachte sie das Adagio aus Spohr’s Gdur-Concert und namentlich eine Czardas-Scene von [Jenő] Hubay zu entschiedener Wirkung“ (Signale 1897, S. 775).

Von 1897 an wandte sich Margarethe Baginsky der Kammermusik zu und gründete mehrere Trio-Vereinigungen, vorzugsweise mit Kolleginnen. Bereits die erste Formation wurde von der „Neuen Zeitschrift für Musik“ als Besonderheit wahrgenommen: „In der neuen Triovereinigung Frl. Baginsky (Violine), Frl. [Lina] Coen (Clavier) und [Jacques] van Lier (Cello), die im [Berliner] Hotel de Rome auftrat, bildet das schwache Geschlecht die Majorität. Der Cellist wird also hier überstimmt; ein Vorgeschmack im Kleinen des Zukunftstaates nach den Wünschen der Frauenrechtler“ (NZfM 1897, S. 505). Die musikalische Interpretation fand dennoch Anerkennung: „Ich hörte das Trio Op. 52 von [Anton] Rubinstein und war besonders durch die Tonfülle bei den ff, sowie durch die wirksamen dynamischen Contraste im Andante angenehm berührt. Es bleibt nur noch eine größere Verschmelzung der drei Instrumente und präciseres Zusammenspiel zu erstreben“ (ebd.). 1898 bestritt Margarethe Baginsky mit der Pianistin Margarethe Eussert und der Violoncellistin Adeline Metzdorff ein Konzert in Gotha, das in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ eine ausführliche Würdigung erfuhr: „Aus Berlin waren drei jugendfrische Damen erschienen […], durch die das D dur-Trio [B-Dur?] von Beethoven, Op. 11 in vollendetster Weise zur Ausführung gelangte. Einen ebenso ungetrübten Genuß gewährte die Ausführung des ‚Trios, Op. 52‘ von Rubinstein. Aber auch mit ihren Sologaben erwarben die Künstlerinnen sich außerordentlichen Beifall. Frl. Baginsky entwickelte in der A moll-Romanze für Violine von Max Bruch einen vollen, süßen, schönen Ton. Gleichen Erfolg hatte die Künstlerin mit dem Hegri Kati aus: ‚Scènes de la Csardas‘ für Violine von Hubay. Auch Frl. Marg. Eußert spielte den ‚Feuerzauber‘ aus der ‚Walküre‘ von Wagner-Brassin […] in recht stimmungsvoller Weise und mit vortrefflichem Verständnis (NZfM 1899, S. 42). 1899 besuchte das Ensemble mit ähnlichem Programm Magdeburg. Im folgenden Jahr fand in der Berliner Singakademie ein „recht gelungener Trioabend“ (Signale 1900, S. 887) mit Margarethe Baginsky, Margarethe Eussert und der Violoncellistin Josephine Donat statt. Auch 1901 ist noch ein Auftritt in der Singakademie dokumentiert: „Das Trio Baginsky hielt sich recht brav, gestaltete aber sein Spiel mehr effekt- als seelenvoll“ (Die Musik 1901 I, S. 343).

Soloverpflichtungen nahm Margarethe Baginsky in diesen Jahren in Berlin (3. März 1898, Philharmonie) und Speyer (31. Okt. 1899, Künstlerkonzert) wahr, wobei das 2. Violinkonzert von Henryk Wieniawski, die Violinsonate G-Dur von Edvard Grieg, die Romanze a-Moll von Max Bruch und – offenbar ihr Paradestück – „Hejre Kati“ aus den Czardas-Szenen op. 32 von Jenő Hubay zur Aufführung kamen.

Über den weiteren Verlauf von Karriere und Biographie liegen zurzeit keine Informationen vor.

 

LITERATUR

Bock 1892, S. 178; 1895, S. 47, 362; 1896, S. 362

FritzschMW 1899, S. 457

Monthly Musical Record 1900, S. 281

Die Musik 1901 I, S. 343

NZfM 1896, S. 497; 1897, S. 505; 1898, S. 113; 1899, S. 11, 42

Die Redenden Künste. Leipziger Konzertsaal. Zeitschrift für Musik und Literatur 1897, S. 44

Signale 1896, S. 823, 953, 1030; 1897, S. 775, 872; 1898, S. 329; 1900, S. 887

Peter Muck, Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester, 3 Bde., Bd. 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Erst- und Uraufführungen, Tutzing 1982.

 

FH

 

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