Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Mosel, Katharina, Edle v., geb. Lambert

* 15. Apr. 1789 in Klosterneuburg (Nieder-Österreich), † 10. Juli 1832 in Mödling bei Wien, Pianistin, Organistin, Komponistin und Schriftstellerin. Ihr Vater war Oberbeamter des Stifts von Klosterneuburg. Ihren ersten Orgel- und Klavierunterricht erhielt sie beim Stiftsorganisten Schmied. Im Alter von neun Jahren trug sie erstmalig ein Orgelkonzert in der Stiftskirche „zu Jedermanns Erstaunen“ (Schilling) vor. In Klosterneuburg hatte sie auch Unterricht bei Johann Georg Albrechtsberger. Mit zwölf Jahren schickte sie der Vater zu Ausbildungszwecken in eine Pension nach Wien. Hier wurde sie Schülerin von Johann Nepomuk Hummel (1778–1837). Am 10. Apr. 1809 heiratete sie den Komponisten, Musikschriftsteller und Dirigenten Ignaz Franz Edler von Mosel (1772–1844). Dieser berichtet in seiner Autobiographie von der ersten Begegnung mit ihr: „Die Tochter des Hauses, damals ein Mädchen von 16. Jahren, spielte mit Fertigkeit, Geschmack und Gefühl Piano-Forte“ (Mosel, S. 30). 1811 bis 1817 konzertierte sie regelmäßig, u. a. im Hofoperntheater sowie mehrere Male am Hofe. Am 28. Aug. 1816 spielte sie in Wien bei der Vermählung des Prinzen Leopold von Sizilien mit der Prinzessin Clementine im Lustschloss Schönbrunn Klavier. Am 13. Apr. 1818 gab sie ein Wohltätigkeitskonzert im Universitätssaal, hier spielte sie ein Klavierkonzert in C-Dur von Hummel. Ihr Repertoire umfasste neben Werken von Hummel auch Kompositionen von Moscheles, Beethoven und Mozart. Ignaz von Mosel berichtet 1827 rückblickend von dieser Zeit: „Im Lauf dieser Jahre hatte meine Frau vielfach Gelegenheit, ihr ausgezeichnetes Talent im Pianoforte-Spiel geltend zu machen, indem sie nicht nur oft gebethen wurde, zu verschiedenen wohlthätigen Zwecken öffentlich zu spielen, sondern ihr auch die Ehre zu Theil wurde, fünf Mal am Hofe vor ihren Majestäten sich hören zu lassen […]. Meine Frau wurde zu jener Zeit von allen Kennern für die erste Clavierspielerin Wien’s erklärt, was ihr nicht wenig schmeichelhaft war. – Nun beschränkt sie sich darauf, Clavierlehrerin ihrer Tochter Nany [vermutlich Spitzname der Tochter Anna] zu sein, die in dieser Kunst erfreuliche Fortschritte macht“ (Mosel, S. 51). Im Jan. 1810 hatte Katharina Mosel den Sohn Joseph, im Frühjahr 1811 die Tochter Anna und am 30. Mai 1826 den Sohn Eduard zur Welt gebracht.

Schilling schreibt über die Pianistin: „Sie war es, die, nach Moscheles selbst, dessen bekannte Alexander-Variationen, damals beinahe für unausführbar gehalten, in einem Concerte des Wiener Musikvereins zu spielen wagte und enthusiastischen Beifall damit erntete. Katharina von Mosel war eine der wenigen Instrumentalistinnen, die Anfang des 19. Jahrhunderts öffentlich musizierten und nahm damit eine Sonderstellung ein. Trotz des viel versprechenden Talentes und des großen Erfolges verlagerte Katharina von Mosel nach der Geburt ihrer drei Kinder ihre pianistischen Aktivitäten in den familiären Bereich. Im Jahr 1832 ereilte sie eine „viermonatliche, äusserst seltene Krankheit“ (Mosel, S. 63), der sie am 10. Juli erlag.

Neben ihrer Tätigkeit als Pianistin publizierte sie in den Wiener Salonblättern unter dem Pseudonym „Elise“.

 

WERKE FÜR KLAVIER

Variations pour le piano sur une thème de M. le comte de Dietrichstein (Wien: Haslinger)

 

LITERATUR

AmZ 1816, Sp. 602; 1818, Sp. 389

Monatsbericht der Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaates 1829, S. 186

Schilling, Becker, Gaßner, Schla/Bern, Wurzbach, Paul, Fétis, Cohen, OeML

Ignaz von Mosel, „Notizen über mich selbst, angefangen im Jahre 1827“ (hrsg. u. kommentiert von Theophil Antonicek), in: 200 Jahre Musikleben in Erinnerungen, hrsg. von Elisabeth Theresia Hilscher, Tutzing 1998, S. 11–65.

August Schmidt, „Ignaz Franz Edler von Mosel, in: Denksteine, Wien 1848, S. 55–74.

 

AH/CF

 

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