Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Senf-Lorent, geb. Lorent, Mina, Minna

Lebensdaten unbekannt, Harfenistin. Eine erste Erwähnung in der Fachpresse betrifft die Aufführung von Mendelssohns 98. Psalm für 8-stimmigen Chor und Orchester op. 91 in Köln 1852: „Die Harfenpartie wurde von Fräulein Lorent, einer Schülerin ihrer Mutter, mit sehr sicherem Taktgefühl und genügender Kraft des Klangs ausgeführt“ (Rheinische Musik-Zeitung 1852, S. 974). Die Mutter ist möglicherweise jene „Mad. Lorent“, die als Harfenistin 1833 in Wien und 1840 in Koblenz belegt ist. Über die weitere Ausbildung von Mina Lorent liegen keine Informationen vor. Die Musikerin, die ab 1873 „Frau Senf-Lorent“ genannt wird, hat anscheinend nicht als Solistin konzertiert, sondern sich auf die Mitwirkung im Orchester und in größer besetzten Werken beschränkt und zwar zunächst in Köln: Am 6. Mai 1857 wirkte sie in Mendelssohns Musik zu Antigone op. 55 für Harfe, Bariton und Orchester mit, am 12. Jan. des Folgejahres verstärkte sie das Gürzenich-Orchester in einem Gesellschaftskonzert (Leitung Ferdinand Hiller), ebenso am 16. Apr. 1861. Am 26. Febr. 1867 spielte sie im 8. Gürzenich-Konzert unter der Leitung des Komponisten die Harfenpartie in Berlioz’ Harold en Italie (H 68), am 23. Jan. 1869 wirkte sie, ebenfalls in Köln, in einer Komposition von Eugen Drobisch (1839–1905) mit. In einer Gedächtnisfeier für die im Krieg Gefallenen am 16. Nov. 1870 in Köln übernahm sie die Harfenpartie in Brahms’ Deutschem Requiem op. 45In Rotterdam musizierte sie am 24. Jan. 1873 in Schumanns Szenen aus Goethes Faust WoO 3 unter Woldemar Bargiel. Am 11. März 1873 war sie in Köln für die Harfenpartie in Eduard Mertkes (1833–1895) Die Blumengeister für Soli, 4-stimmigen Frauenchor, Harfe und Orchester engagiert (Leitung Ferdinand Hiller). Am 27. März desselben Jahres spielte sie die Harfe in Brahms’ Deutschem Requiemin Düsseldorf. Ebenfalls in Düsseldorf war sie am 10. Okt. 1874 in den Brahms’schen Vier Gesängen für Frauenchor, 2 Hörner und Harfe op. 17 zu hören. Ein letzter Beleg betrifft ihre Mitwirkung in Willem Frederik Gerard Nicolais (1829–1896) Oratorium Bonifacius am 9. Mai 1875 in Essen.

 

LITERATUR

AmZ 1840, Sp. 1029; 1870, S. 374; 1871, Sp. 332

Bock 1874, S. 207

CaeciliaNL 1. Febr. 1873, S. 22

NZfM 1874, S. 430; 1875, S. 225

Rheinische Musik-Zeitung 1852, S. 973ff.

Der Sammler 1833, S. 616

Signale 1867, S. 257; 1873, S. 234, 348; 1874, S. 679

Die Tonhalle. Organ für Musikfreunde 1868/69, S. 93

Karlheinz Weber, Vom Spielmann zum städtischen Kammermusiker. Zur Geschichte des Gürzenich-Orchesters, 2. Bde., Bd. 2, Kassel 2009.

 

FH

 

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