Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Crux, Marianne, Maria Anna (Antonia), verh. Hollmann, verh. Gelbert

* 21. Nov. 1772 in Mannheim, † nach 1807, Violinistin, Pianistin und Sängerin. Marianne Crux stammte aus einer Tänzer-Familie, war die Tochter von Johanna Antonia geb. Habert und Johann Peter Antoine Crux. Die zunächst in Mannheim ansässige Familie zog 1778 in Folge der Berufung Peter Crux’ zum königlichen bayerischen Hof-Ballettmeister nach München.

Marianne Crux’ Mutter starb bereits 1774. Der Vater widmete sich der Erziehung seiner Tochter mit großer Aufmerksamkeit und verwendete für ihre Ausbildung einen erheblichen Teil seiner Einkünfte. Dabei legte er Wert auf eine breit angelegte, die Grenzen der Mädchenerziehung dieser Zeit überschreitende Bildung: „Diese Künstlerinn erhielt von ihrem Vater eine vortreffliche Erziehung. Sein Grundsatz war: Morgens werde das Mädchen als Mann und Nachmittags als Weib erzogen“ (Lipowsky). Neben „Frauenzimmer-Arbeiten“ (ebd.) erlernte sie mehrere Sprachen, beschäftigte sich mit Kultur und Wissenschaften und war zudem eine gute Zeichnerin und Malerin.

Peter Crux, der selbst Violine spielte, plante für seine Tochter eine Karriere als Geigerin oder Sängerin. Marianne Crux’ musikalische Ausbildung war daher umfassend und bestand aus Klavierunterricht „beim Klaviermeister Strizl in Mannheim“ (Lipowsky), aus Gesangsunterricht bei der damals sehr bekannten Mannheimer Hofsängerin Dorothea Wendling (1736–1811) und dem Unterricht in ihrem Hauptinstrument Violine. Vermutlich hatte Crux zwei Geigenlehrer: Nach Lipowsky und Fétis erhielt sie Unterricht von Friedrich Eck (1767–1838) in München. Entsprechend spielte Marianne Crux in einem Berliner Konzert ein Violinkonzert ihres Lehrers Eck. Leopold Mozart schrieb 1786 in einem Brief an seine Tochter, dass Marianne Crux „beym H: Fränzl in Mannheim gelernt hat, dem Vatter zwar 1600 f gekostet hat, aber, wie höre, für ein Frauenhimmer, recht schön spielt“ (Mozart, Briefe und Aufzeichnungen, 25. Aug. 1786). Mit dem bis 1778 in Mannheim, ab 1779 dann in München tätigen Friedrich Eck und dem ab 1774 als Konzertmeister der Mannheimer Hofkapelle fungierenden Ignaz Fränzel (1736–1811) erhielt Marianne Crux ihre Ausbildung von zwei bedeutenden, auch von Wolfgang Amadeus Mozart lobend hervorgehobenen Vertretern der Mannheimer Geigenschule.

Marianne Crux war offenkundig eine Frühbegabung. Reichardts „Musikalisches Wochenblatt“ notierte 1791/92, ihr Geigenspiel habe „sie schon von ihrem zehnten Jahre an berühmt gemacht“ (Reichardt MW 1791/92, S. 14). Entsprechend früh ging sie als Virtuosin auf Reisen. Leopold Mozart berichtete 1786, dass Crux mit ihrem Vater zu Konzerten von München nach Augsburg reiste. Im Nov. diesen Jahres meldete Leopold Mozart, dass Marianne Crux mit ihrem Vater nun auf dem Wege nach Wien sei. Dort präsentierte sie sich vor Kaiser Joseph II. erfolgreich als Geigerin, Pianistin und Sängerin. Schon im Jan. 1787 reiste Marianne Crux in Begleitung ihrer Tante Madame Quallenberg gemeinsam mit Wolfgang Amadeus Mozart nach Prag. Dort konzertierte sie am 22. Jan. im gräflich Thun’schen Palazzoteatro neben oder gemeinsam mit Mozart. Von Prag aus fuhr Crux weiter nach Berlin, wo sie große Erfolge errang, und nach Hamburg. Im Juni 1787 konzertierte sie in Göttingen als „churpfalzbayerische Kammervirtuosinn (Kästner, S. 91). Die Meldungen über die Berliner Konzerte Marianne Crux’ 1792 beziehen sich offenkundig auf einen zweiten Aufenthalt dort. Reichardt berichtete, dass sie „mit ihrem Vater, dem berühmten Balletmeister und vortrefflichem Tänzer, der zu den Hoffestivitäten in Berlin vom Könige berufen worden“ (Reichardt MW 1791/92, S. 14), nach Berlin reiste. „Sie hat sich bereits zweimahl bei Hofe mit dem ausgezeichnetesten Beifall auf der Violine und im Gesange hören lassen“. Dabei habe sie es als Geigerin „zu einer Virtuosität gebracht, die man eben so wenig von ihren Jahren als von ihrem Geschlechte zu erwarten pflegt. So ganz zart und edel weiblich ihr Vortrag in rührenden und angenehmen Stücken ist, so kräftig, sicher und vollendet ist ihr Vortrag in lebhaften Sätzen“ (ebd.). Daneben beeindruckte sie auch in Berlin als Sängerin, ließ sich sowohl im Nationaltheater als auch vor dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. hören. Weitere Ziele ihrer Konzertreisen waren Frankfurt a. M., Mainz, Mannheim und Hamburg. Ein durch ihren Vater vermitteltes Anstellungsangebot als Hofsängerin in München schlug Crux aus. Stattdessen blieb sie auch nach ihrer ersten Heirat 1794 als reisende Künstlerin aktiv und konzertierte unter dem Namen Madame Hollmann mit großem Erfolg auf süddeutschen Bühnen (so etwa 1797 im Mainzer Theater als Sängerin). Sie unternahm zudem Auslandsreisen, musizierte in London, Kopenhagen und Stockholm. Nach mehreren Quellen ging Marianne Crux in Stockholm eine zweite Ehe mit dem schwedischen Ingenieur-Offizier Gelbert ein. 1807 soll sie sich noch einmal in Hamburg aufgehalten haben. Über ihr späteres Schicksal liegen keine Informationen vor.

 

LITERATUR

Reichardt, MW 1791/92, Heft 2, S. 14

Gerber I, Chor/Fay, Lipowsky, Schilling, Schla/Bern, Mendel, Fétis, Deutsche Biographische Enzyklopädie

Abraham Gotthelf Kästner, Gesammelte poetische und prosaische schönwissenschaftliche Werke, 4. Bde., Bd. 4, Berlin 1841.

Mozart. Briefe und Aufzeichnungen, 7 Bde., hrsg. von Wilhelm A. Bauer und Otto Erich Deutsch, Kassel [u. a.] 1962–1975.

Karl Maria Pisarowitz, „Mozart auf den Reisen nach Prag", in: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum 3/4 (1966), S. 16–21.

Karl Maria Pisarowitz, „Parerga zur Cruxiade. Nachträge zu Eigenem von Karl Maria Pisarowitz, in: Mitteilungen der Internationalen Stiftung Mozarteum 3/4 (1967), S. 11–13.

Pia u. Pino Mlakar, Unsterblicher Theatertanz. 300 Jahre Ballettgeschichte der Oper in München, 2 Bde., Bd. 1: Von den Anfängen um 1650 bis 1860, Wilhelmshaven 1992.

 

Volker Timmermann

 

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