Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Houfer, Hufer, Bertha

Lebensdaten unbekannt, Pianistin. Den Schülerlisten des Hoch’schen Konservatoriums zufolge stammte Bertha Houfer aus Viersen. Seit 1879 war sie an dem Konservatorium in Frankfurt eingeschrieben und studierte dort Klavier bei Clara Schumann. Zu ihren Kommilitoninnen zählten u. a. Charlotte DaviesMarie FrommLily Henkel geb. Goldschmidt, Josephine Hirt-Kopp, Mary Eliza O’Brion, Florence Rothschild verh. Bassermann und die Schwestern Mary Wurm und Mathilde Verne.

Als eine von wenigen StudentInnen wirkte Bertha Houfer am 8. Okt. 1881 in einem Festkonzert des Konservatoriums anlässlich des 60. Bühnenjubiläums von Ferdinand Hiller (18111885) mit und trug darin Preludio, Alla Polacca und Intermezzo aus dessen Moderner Suite für Klavier op. 144 vor. Außerdem übernahm sie die Begleitung der dreistimmigen Frauenchöre aus Hillers opp. 94 und 123. 1883 beendete Bertha Houfer ihr Studium in Frankfurt a. M. Am 22. Apr. desselben Jahres war sie in einem Konzert der Crefelder Konzertgesellschaft zu hören. Seit Ende des Jahres befand sie sich in England. Bis 1885 trat sie mehrfach in den Gentlemen’s Concerts in Manchester auf. Am 26. Dez. 1883 spielte sie dort Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37, Nr. 3 („Warum“) und 4 („Grillen“) aus Robert Schumanns Fantasiestücken op. 12 sowie einen Walzer von Chopin. Über ihre Interpretation des Klavierkonzerts schreibt der „Manchester Guardian“: „We are at least able to say that its execution last evening was creditable in every respect. There is hardly the force in Miss Houfer’s playing that some, even amongst female players, have recently accustomed us to, but there is a reserve and self-control apparent which speaks more for the musician-like qualities of the performer than more startling attributes“ (The Manchester Guardian 27. Dez. 1883). Weitere Auftritte in den Gentlemen’s Concerts erfolgten am 9. Febr. und 20. Apr. 1885. Bertha Houfer trat hier auch mit kammermusikalischen Werken auf. Zu ihren KonzertpartnerInnen zählten u. a. der Violinist Otto Bernhardt, der Violoncellist Jules-Joseph-Ernest Vieuxtemps, der Pianist Edward Hecht sowie eine Pianistin Miss Wilkinson. Das kammermusikalische Repertoire der Pianistin umfasste Beethovens Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 1, Brahms’ Quartett g-Moll op. 25, Saint-Saëns’ Variationen über ein Thema von Beethoven für zwei Klaviere op. 35 und ein Konzert Joh. Seb. Bachs für drei Klaviere.

Letzte Auftritte Bertha Houfers erfolgten Anfang des Jahres 1886 in Konzerten von Edward Hecht: Am 29. Jan. zeigte sich die Künstlerin zusammen mit dem Pianisten in Halifax und wirkte im Apr. in einem seiner Konzerte in Manchester mit. Hier spielte sie, neben einigen Duetten mit dem Konzertgeber, „with skill Schumann’s ‚Faschingsschwank‘“ (MusT 1886, S. 283).

 

LITERATUR

FritzschMW 1883, S. 295; 1884, S. 63

Jahresbericht des Dr. Hoch’schen Conservatoriums für alle Zweige der Tonkunst zu Frankfurt am Main [JB] 1879/1880, S. 5, 13; 1880/1881, S. 5, 19; 1881/1882, S. 5, 11, 12; 1882/1883, S. 6, 20

The Leeds Mercury 30. Jan. 1886

The Manchester Guardian 1883, 22., 27. Dez.; 1885, 10. Febr.

MusT 1885, S. 267; 1886, S. 283

Heinrich Hanau, Dr. Hoch’s Conservatorium zu Frankfurt am Main. Festschrift zur Feier seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens (18781903), Frankfurt a. M. 1903.

Berthold Litzmann, Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen, 3 Bde., Bd. 3: Clara Schumann und ihre Freunde. 1856−1896, Leipzig 1908.

Clara Schumann u. Johannes Brahms, Briefe aus den Jahren 1853–1896, hrsg. von Berthold Litzmann, 2 Bde., Bd. 2: 1872–1896, Leipzig 1927.

Siu-Wan Chair Fang, Clara Schumann as Teacher, Dissertation, University of Illinois 1978.

Joan Chissell, Clara Schumann. A Dedicated Spirit. A Study of her Life and Work, London 1983.

Claudia de Vries, Die Pianistin Clara Wieck-Schumann. Interpretation im Spannungsfeld von Tradition und Individualität (= Schumann-Forschungen 5), Mainz 1996.

 

Annkatrin Babbe

 

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