Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Lithander, Caroline, CarolinaKaroline und Eva

* 1807 in Stockholm, Sterbedaten unbekannt, Pianistinnen, Sängerinnen, Klavier- bzw. Gesangslehrerinnen. Die Zwillingsschwestern Eva und Caroline Lithander wurden als Töchter des Pianisten und Komponisten Carl Ludwig Lithander (1773-1843) geboren. Ihre musikalische Ausbildung auf dem Klavier und im Gesang erhielten sie durch ihren Vater sowie durch Mitglieder der Königlichen Hofkapelle zu Stockholm. Bereits im Alter von elf Jahren konzertierten sie erstmals in der Öffentlichkeit.

Im März 1821 reiste die Familie über Kopenhagen nach Berlin und kehrte erst 1824 nach weiteren Aufenthalten in den Niederlanden und Dänemark, wo die Schwestern als Sängerinnen und als Pianistinnen auftraten, nach Stockholm zurück. In der Besprechung eines in Berlin erfolgten Konzerts schreibt ein Kritiker der „Wiener Allgemeinen musikalischen Zeitung“ über die künstlerischen Fähigkeiten der zu diesem Zeitpunkt vierzehnjährigen Schwestern: „Ihr Spiel ist […] schon bis zu einem hohen Grade von Vollendung ausgebildet. Wobey es sich von selbst versteht, dass man die natürlichen Hindernisse, der kleinen Gestalt, Hände und Finger und der Jugend, berücksichtigen muss (Wiener AmZ 1821, Sp. 771). Besondere Erwähnung finden der leichte und elastische Anschlag, untadelige Triller, die sichere und schickliche Haltung der beiden Pianistinnen sowie ihr lebendiger Ausdruck. Gleichzeitig wird hier bereits auf Unterschiede zwischen den Künstlerinnen verwiesen: „Caroline ist […] mehr Virtuosin und zeichnete sich heute durch den präcisen und brillanten Vortrag des schweren grossen Concerts in Es-Dur von Beethoven aus“ (ebd.). Auch Schilling geht auf die Unterschiede zwischen den Schwestern hinsichtlich der musikalischen Fertigkeiten ein. Demnach zeichnete sich Caroline durch „mehr Lust und Liebe zum Clavierspiele, aber auch weniger Anlage zum Gesang (Schilling) aus. Es war seiner Meinung nach „namentlich […] Eva, welche hierin ein schönes, fruchtbares Talent offenbarte (ebd.). Bis 1823 folgten zahlreiche weitere Auftritte der Schwestern in Berlin. Neben Kompositionen ihres Vaters brachten sie hier insbesondere Werke von Muzio Clementi, Julius Klengel, Beethoven und Ferdinand Ries zur Aufführung. Darunter befanden sich auch einige vierhändige Klavierwerke.

1824 begaben sich Eva und Caroline Lithander nach Stockholm. Ein Jahr später siedelten sie mit dem Vater nach Demmin (Vorpommern) über, wo dieser eine Anstellung erhalten hatte. In Demmin veranstaltete Carl Ludwig Lithander eine Reihe von Konzerten, in denen seine Töchter weniger als Pianistinnen, sondern hauptsächlich als Sängerinnen auftraten. Gustav Schilling zufolge waren die beiden Frauen nach 1825 hauptsächlich als Gesangs- bzw. Klavierlehrerinnen tätig. Daneben gibt es jedoch auch einige Belege für Konzerte, in denen Caroline Lithander ohne ihre Schwester aufgetreten ist. 1835 begab sie sich auf eine Konzertreise nach St. Petersburg, von wo aus sie später nach Stockholm zurückkehrte. Dort heiratete sie am 10. Aug. 1837 den Schweden Conrad Stal. Abgesehen von einem gemeinsamen Konzert der Schwestern im Jahr 1841 in Berlin scheint die Konzerttätigkeit der Schwestern Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts beendet gewesen zu sein.

 

LITERATUR

AmZ 1819, Sp. 481f.; 1821, Sp. 796, 865; 1822, Sp. 426, 683; 1823, Sp. 56, 186f., 754; 1828, Sp. 282

Bock 1826, S. 47; 1835, S. 29f.

Finlands Allmänna Tidning 3. Apr. 1823, S. 5

Helsingfors Tidningar 29.Juli 1837, S. 4

Wiener AmZ 1821, Sp. 770f.

Schilling

Rügisch-pommerscher Geschichtsverein zu Greifswald und Stralsund (Hrsg.), Pommersche Jahrbücher Bd. 5, Greifswald 1904.

Werner Schwarz, Pommersche Musikgeschichte. Historischer Überblick, Köln u. Wien 1988.

 

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