Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Morra, Nina, GuiseppinaJosephine

* um 1828, Sterbedaten unbekannt, vermutlich aus Genua stammende Gitarristin, Concertina- oder Physharmonika-Spielerin und Sängerin. Um 1835 reiste sie mit ihrem Vater durch Italien, Frankreich und Deutschland. Unterricht erhielt sie, wahrscheinlich vor 1840, bei den italienischen Gitarristen und Komponisten Matteo Carcassi (1792–1853) und Luigi Rinaldo Legagni (1790–1877).

Bei ihrem ersten nachweisbaren Konzert im Kleinen Saal des Leipziger Gewandhauses spielte sie Gitarre und „Accordion“ (NZfM 1841 II, S. 196). Noch im selben Jahr konzertierte sie in Nürnberg, München und Fürth. Es folgten ein Auftritt 1842 in Hildburghausen, zwei Konzerte 1843 im Rahmen einer Deutschlandreise in Berlin, 1844 ein Konzert in Wien und 1845 weitere in Wien, Triest, Laibach (Lubljana) und Varese (Oberitalien).

Über das Konzert in Triest schreibt die „Allgemeine musikalische Zeitung“: „Das junge Mädchen Nina Morra unterhielt im hiesigen Teatro Filodramatico ungefähr zwei Stunden, ganz allein, die Zuhörer mit ihrem hübschen Spiele auf der Guitarre, Physharmonica und auch mit dem Gesange einiger französischer Arien“ (AmZ 1845, Sp. 628). Das Wiener Konzert 1845 nutzte der Rezensent der Allgemeinen Wiener Musikzeitung“ als Gelegenheit, um auf die „Undankbarkeit und Unzulänglichkeit“ der Gitarre hinzuweisen. Nina Morra könne sich jedoch „mit jedem Virtuosen auf diesem Instrumente (freilich sind deren nicht viele) ins Parallele stellen, und es ist diese Virtuosität bei ihr – als einer Dame – um so mehr zu bewundern, da es wirklich einer unermüdlichen Geduld und Ausdauer bedarf, um nur einige Meisterschaft auf diesem hartnäckigsten aller Saiteninstrumente zu erlangen. Besonders excellirte Dlle. Morra im Triller. Die Stücke, welche sie producirte – lauter Variationen über alte Thema’s – konnten natürlich auch nur durch die überraschende Fertigkeit der Konzertgeberin Beifall erringen“ (AWM 1845, S. 51).

Nach 1845 soll Nina Morra Felix Mendelssohn in einem Brief um Unterstützung für ein Konzert im Leipziger Gewandhaus angefragt haben; ein Auftritt ist jedoch nicht belegt. Auch Liszt soll von ihr oder ihrem Vater aus ähnlichen Gründen angefragt worden sein, zudem ist ein Konzert unter Mitwirkung Liszts im Jahr 1842 in Berlin überliefert.

Seit 1846 widmete sich Nina Morra verstärkt dem Gesang. Von 1849 bis 1850 war sie als Sängerin an einem Theater in Bern tätig und organisierte dort auch Instrumental- und Vokalkonzerte. Im November 1849 kündigt das „Intelligenzblatt“ der Stadt Bern an, dass Nina Morra bald „Heiratswegen der Bühne entrissen“ werden würde (Intelligenzblatt  17. Nov. 1849, S. 10). Vermutlich handelt es sich bei Signora Morra-Fussetti, welche nach 1850 in Schweizer Tageszeitungen sporadisch als Sängerin Erwähnung findet, um dieselbe Person.

Nina Morra spielte ihre Konzerte meist auf einer Terz-Gitarre, teilweise wird in der Literatur jedoch auch eine 8-saitige Gitarre erwähnt. Ihr Repertoire umfasste Werke, überwiegend Variationen, von Matteo Carcassi und Mauro Giuliani.

 

LITERATUR

AmZ 1842, Sp. 293, 508, 777f.; 1843, Sp. 314, 472; 1845, Sp. 628

AWM 1843, S. 148, 444; 1844, S. 604; 1845, S. 51

GalliardBMZ 1845, Nr. 3, 12, 27

Bühnenwelt: Blätter für dramaturgische und belletristische Unterhaltung 1843, S. 265

Fürther Tagblatt. General-Anzeiger für Fürth und Umgegend 1841, S. 477

Intelligenzblatt [der Stadt Bern] 1849, 26. Mai, S. 6, 29. Mai, S. 6, 17. Nov., S. 10; 1850, 18. Jan., S. 5

NZfM 1841 II, S. 196; 1842 I, S. 20

Signale 1845, S. 13, 117, 205

Sonntagsblätter [Wien] 1845, S. 117

Zeitung für die elegante Welt 1856, S. 46

MGG 1996 (Sachteil, Art. Harmonikainstrumente)

William Neumann, Die Componisten der neueren Zeit. Franz Liszt. eine Biographie, Kassel 1855.

Friedrich Keesbacher, Die philharmonische Gesellschaft in Laibach seit dem Jahre ihrer Gründung 1702 bis zu ihrer letzten Umgestaltung 1862, Laibach 1862.

Eduard Fack, Materialien zu einer Geschichte der Guitarre und ihre Meister, 1884 (Manuskript), zit. nach: Martin Hurttig: http://lautenbau-leipzig.de/fack.html, Zugriff am 25. Nov. 2011.

 

AH/JW

 

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