Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Longhi, Caroline, Carolina (Delphine), verh. Möser

* in Neapel, Geburtsdatum unbekannt, Sterbedaten unbekannt, italienische Harfenistin, Pianistin, möglicherweise Violinistin. Sie war die Tochter des Opernkomponisten Leopold Longhi (?–ca. 1845). Über ihre musikalische Ausbildung in Italien ist nichts bekannt, ebenso wenig über die Beweggründe, die sie nach Deutschland führten. Nach Sittard konzertierte Caroline Longhi bereits im Jahr 1802 in Hamburg. Ein weiteres Konzert im deutschsprachigen Raum, bei dem Caroline Longhi Klavier und Harfe spielte und u. a. ein „Arabisches Concert“ vortrug, hat nach Hanslick 1809 in Wien stattgefunden. Bei einem Auftritt im gleichen Jahr in Wien wirkte auch der junge Ignaz Moscheles mit. Ab 1810 ist eine regelmäßige Konzerttätigkeit in verschiedenen Städten Deutschlands nachgewiesen. Sie trat in Berlin, Wien und Leipzig auf – hier u. a. im Gewandhaus – und reiste im Jahr 1811 nach Prag. Die Kritiken waren dabei durchweg positiv. Vor allem auf der Harfe „fand sie den lautesten Beyfall [...]. Die Kraft, und dann auch wieder die Zartheit – nur beydes meistens in gar zu scharfen Gegensätzen – womit sie die Harfe behandelt; ihre grosse Fertigkeit und Lebendigkeit; und alles dies im Zusammenwirken mit ihrer interessanten Erscheinung überhaupt, wird ihr überall, besonders aber, wo man die rasche Lebendigkeit, Energie und vielgewandte Eigenthümlichkeit der Neapolitanerinnen zu bemerken nicht gewohnt ist, einen ausgezeichneten Beyfall sichern (AmZ 1811, Sp. 381). Auch ihr Äußeres fand Anklang, die „Allgemeine musikalische Zeitung“ bezeichnet sie als „schönes Mädchen (AmZ 1810, Sp. 458). 1811 schreibt Karl Friedrich Reinhard in einem Brief an Goethe, den er Caroline Longhi mitgab, die Überbringerin „sei eine ausgezeichnete Virtuosin auf der Violina [sic] und der Harfe, und ein Engagement bei König Jérôme von Westfalen sei nur knapp gescheitert“ (Briefe an Goethe 6, Nr. 84). Ab 1812 konzertierte sie gemeinsam mit dem Violinisten und Komponisten Carl Möser (1774–1851), den sie im Apr. 1813 ehelichte.

Mit ihrem Ehemann zusammen führte sie – überwiegend im gemeinsamen Wohnort Berlin – ihre Konzerttätigkeit fort. Neben Kompositionen von François-Joseph Naderman (1773–1835), von dem sie einige Zeit unterrichtet worden war, trug sie eigene Variationen auf der Harfe vor und begleitete ihren Mann. Auf dem Klavier spielte sie Werke von Steibelt und Cramer. Um 1825 ließ sie sich von ihrem Ehemann scheiden. In die bis dahin überwiegend positive Rezeption mischen sich nun kritische und nationalistische Töne. So bemängelt die „Allgemeine musikalische Zeitung“ das selbe Uebermass von Kraft, dieselbe ungemeine Fertigkeit, aber auch jene Kälte, jene eitle Prunksucht, die sie weit unter unsere deutsche Spohr [Dorette Spohrstellen, welche damals noch mit einer Hand voll lautern Gefühls die Harfe rührte (AmZ 1826, Sp. 543). Nach Ledebur verließ sie 1825 Deutschland, um eine Anstellung „als erste Harfenistin und Directrice in Italien anzunehmen. 1826 gab sie jedoch wieder ein Konzert im Hoftheater Weimar. Nach Huschke wurde nur sehr wenigen MusikerInnen die Genehmigung erteilt, hier ein eigenes Konzert zu geben, zwischen 1819 und 1837 waren dies nur Caroline Longhi und Nicolò Paganini. Voraussetzung war das außerordentliche Interesse des Hofes sowie eine große Beliebtheit beim Publikum. Im selben Jahr konzertierte sie auch in Frankfurt a. M. Die „Berliner Allgemeine Musikalische Zeitung“ erwähnt in einer Konzertbesprechung aus dem Jahre 1827, Caroline Longhi-Möser habe sich in Frankfurt a. M. niedergelassen. Am 12. Mai 1828 trug sie in Hamburg eine selbst komponierte Romanze und Polonaise für die Harfe vor. 1828 sind Auftritte in Doberan und in Hannover nachgewiesen. 1829 konzertierte sie der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ zufolge in Kopenhagen.

Über ihren weiteren Lebensweg ist nichts bekannt. Ihr Repertoire für die Harfe umfasste u. a. Werke von Michele Carafa, Johann Simon Mayr, Rossini und Naderman.

 

WERKE FÜR HARFE

Konzert, Variationen über Mich fliehen alle Freuden, Romanze, Polonaise

 

LITERATUR

AmZ 1810, Sp. 457f., 381; 1811, Sp. 381; 1812, Sp. 113, 275, 320; 1813, Sp. 99, 115, 160, 347; 1815, Sp. 255f.; 1816, Sp. 266, 603; 1817, Sp. 277, 433; 1819, Sp. 343; 1820 Sp. 339, 629; 1823 Sp. 186; 1826, Sp. 543; 1829, Sp. 821

Berliner AmZ 1811, Sp. 381; 1824, S. 423; 1827, S. 104

Iris 1825, S. 360

Dlabacz, Schilling, Gathy, Ledebur, MGG 1 (Art. Möser, Carl)

Briefe an Goethe. Gesamtausgabe in Regestform 6 (1811–1815), Weimar 2000.

Ludwig Wollrabe, Ludwig Wollrabe’s Chronologie sämmtlicher Hamburger Bühnen, nebst Angabe der meisten Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker, welche seit 1230 bis 1846 an denselben engagirt gewesen und gastirt haben, Hamburg 1847.

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979.

Josef Sittard, Geschichte des Musik- und Concertwesens in Hamburg vom 14. Jahrhundert bis auf die Gegenwart, Leipzig 1890, Repr. Hildesheim [u. a.] 1971.

Georg Fischer, Opern und Concerte im Hoftheater zu Hannover bis 1866, Hannover 1899.

Karl Stiehl, Geschichte des Theaters in Lübeck, Lübeck 1902.

Clemens Meyer, Geschichte der Mecklenburg-Schweriner Hofkapelle. Geschichtliche Darstellung der Mecklenburg-Schweriner Hofkapelle von Anfang des 16. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, Schwerin 1913.

Wolfram Huschke, Musik im klassischen und nachklassischen Weimar 1756–1861, Weimar 1982.

 

Juliane Schaer

 

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