Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Weinlich, Elise, Elisa

* um 1857 in Wien, † nach 1887, Violoncellistin. Sie wurde als Tochter des Musikers Franz Weinlich und dessen Ehefrau Josepha geboren und wuchs als jüngste von zwei Töchtern auf. Ebenso wie ihre ältere Schwester, Josephine Amann-Weinlich, erhielt auch Elise Weinlich ihre erste musikalische Ausbildung durch den Vater. Seit 1868 spielte sie in dem von ihrer Schwester geleiteten Ersten Europäischen Damenorchester. Hier trat sie häufig auch solistisch in Erscheinung. Neben ihrer Mitgliedschaft im Damenorchester wirkte sie später zudem als Cellistin in dem ebenfalls von Josephine Amann-Weinlich geleiteten Cäcilien-Quartett, das in den Jahren 1878/79 unter anderem in Österreich, der Schweiz und Dänemark konzertierte und dem neben den Schwestern Josephine (Klavier) und Elise auch Marianne Stresow (Violine) und Charlotte Deckner (Viola) angehörten. Nach der Auflösung des Ersten Europäischen Damenorchesters im Jahre 1879 begab sich Elise Weinlich zusammen mit ihrer Schwester, deren Ehemann Ebo Amann sowie dem Pianisten Georg Harmsen nach Lissabon. Abgesehen von einigen solistischen Auftritten konzertierte sie hier zumeist im Trio mit ihrer Schwester (Violine) und Georg Harmsen.

Das Repertoire Elise Weinlichs umfasste neben Werken von Georg Goltermann, Friedrich August Kummer und Louis Spohr auch Kompositionen von Josephine Amann-Weinlich für Cello und Klavier. Letztere waren, einem Korrespondenten der Zeitung „The Milwaukee Sentinel“ zufolge, gut auf die physische Kraft der Cellistin abgestimmt (The Milwaukee Sentinel, 20. Okt. 1871).

Die Äußerungen einiger Rezensenten über die Auftritte Elise Weinlichs zeigen, dass es für Frauen noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als ‚unschicklich‘ galt, Cello zu spielen. Ihre Kommentare thematisieren weniger die musikalischen Fähigkeiten der Künstlerin, sondern vielmehr das Abweichen von gesellschaftlichen Konventionen, die Präsentation der Musikerin oder das als ‚anzüglich‘ empfundene Spiel. Dies trifft auch auf einen Korrespondenten der Zeitschrift „The Musical Standard“ zu, wenn er schreibt: the violoncello purrs with bliss in the lap of the large-eyed Elise Weinlich“ (The Musical Standard 1872 Bd. 2, S. 153f.).

Davon abgesehen wurden die künstlerischen Leistungen der Cellistin in den Konzertkritiken zumeist positiv beurteilt. Ein Rezensent der „Trewman’s Exeter Flying Post“ weist insbesondere auf die Präzision des Spiels, die gute Bogenführung sowie den klaren Ton hin und vergleicht das Spiel von Elise Weinlich mit dem bekannter Virtuosen: „Their precision and execution were remarkable and their tone and bowing admirable. So charmed were the dilettanti present that all pronounced […] Fräulein Elise to be nearly equal to Paquo [Guillaume Paque?] or [Alfredo] Piatti“ (Trewman’s Exeter Flying Post, 11. Nov. 1874).

 

LITERATUR

Augsburger Tagblatt, 6. Sept. 1869

Bock 1878, S. 71

The Cleveland Morning Daily Herald, 24. Febr. 1872

Dwight’s Journal of Music 1875, S. 160

Signale 1873, S. 451; 1878, S. 327; 1879, S. 195

The Era [London], 21. Juni 1874

The Milwaukee Sentinel, 20. Okt. 1871

The Musical Standard 1872 I, S. 153f.; 1873 II, S. 376

MusW 1873, S. 412; 1874, S. 471; 1878, S. 176

Trewman’s Exeter Flying Post, 11. Nov. 1874

Ernesto Viera, Diccionario biographico de musicos portugezes, Lissabon 1900.

Mário Moreau (Hrsg.), O teatro de S. Carlos, Dois siculo de história, Lissabon 1999.

 

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