Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Reichold, Emilie, verh. Werner

* vor 1818 in Chemnitz, † nach 1831 vermutlich in Frankreich, Pianistin und Klavierlehrerin. Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte Emilie Reichold vor allem durch ihren Auftritt als Duopartnerin von Clara Wieck bei deren erstem öffentlichen Auftritt in einem Konzert der Grazer Pianistin Caroline Perthaler im Leipziger Gewandhaus am 20. Okt. 1828. Zusammen trugen sie Friedrich Kalkbrenners vierhändige Variationen für Pianoforte zu vier Händen über einen Marsch aus der Oper Moses von Rossini op. 94 vor.

Ihre musikalische Ausbildung erhielt Emilie Reichold bei Friedrich Wieck (1785–1873) und galt als seine Meisterschülerin. Wieck bezog Emilie Reichold aufgrund ihrer Fähigkeiten als Pianistin in die musikalische Ausbildung seiner Tochter ein. So spielte die junge Frau „mit Clara vieles durch und studierte auch manches mit ihr ein“ (Litzmann, S. 7).

Mit dem Klavierkonzert Nr. 2 Es–Dur op. 42 von Ferdinand Ries debütierte Emilie Reichhold im Jahre 1826 im Leipziger Gewandhaus und zeigte einem Korrespondenten der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ zufolge, dass sie das „Schwierigste, was durch Fleiss erlangt werden kann, […] bereits überwunden“ habe (AmZ 1826, Sp. 852). In den folgenden Jahren weisen Rezensenten vielfach auf Fortschritte der Pianistin hin. 1828 heißt es in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ nach einem Auftritt der Pianistin in einem Abonnement-Konzert im Leipziger Gewandhaus, dass „Vortrag und Fertigkeit […] weit bestimmter und voller geworden“ seien (AmZ 1828, Sp. 161). Ein Jahr später bemerkt ein Rezensent der „Neuen Berliner Musikzeitung“, dass ihr „Spiel […] immer präziser und geschmackvoller“ werde (Bock 1829, S. 173). Neben ihrer Konzerttätigkeit unterrichtete Emilie Reichold seit 1827 in Leipzig Klavier.

Das Repertoire der Pianistin umfasste insbesondere Werke von zeitgenössischen Komponisten wie Henri Herz, Ignaz Moscheles, Ferdinand Ries, Carl Czerny und Friedrich Kalkbrenner. Bis 1830 konzertierte Emilie Reichold in Leipzig. Am 25. Febr. 1830 trat sie dort im Gewandhaus zum letzten Mal öffentlich auf. Grund hierfür war ihre Verlobung mit dem Kaufmann Gustave Werner (1803–1897), mit dem sie nach St. Étienne (Loire) übersiedelte. Hier erfolgte die Eheschließung und 1831 die Geburt der Tochter Irene.

Der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ zufolge beabsichtigte Emilie Werner, sich nach der Heirat in Frankreich als Klavierlehrerin zu etablieren.

 

LITERATUR

AmZ 1826, Sp. 852; 1827, Sp. 108, 408; 1828, Sp. 161, 806; 1829, Sp. 171, 218f., 537, 823; 1830, Sp. 241

Bock 1828, S. 459; 1829, S. 102, 173; 1830, S. 189

FritzschMW 1870, S. 167

Die Gartenlaube 1882, S. 606

Alfred Dörffel, Geschichte der Gewandhausconcerte zu Leipzig vom 25. November 1781 bis 25. November 1881, Leipzig 1884, Repr. Walluf bei Wiesbaden 1972.

Bertolt Litzmann (Hrsg.), Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Nach Tagebüchern und Briefen, 3 Bde., Bd. 1, Leipzig 1906.

Janina Klassen, Clara Schumann. Musik und Öffentlichkeit, Köln [u. a.] 2009.

Protestantische Genealogie in Frankreich, http://huguenots-france.org/deutsch/lyon/lyon18/pag29.htm#21, Zugriff am 16. Nov. 2011.

 

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