Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Randles, Elizabeth, Bessi, Elize

* 1. Aug. 1799 oder 1800 in Wrexham (Wales), † 1829 in Liverpool, Pianistin, Harfenistin, Organistin und Sängerin. Ihr Vater Edward Randles, ein blinder Harfenist und Organist aus Nord-Wales, unterwies sie als Kleinkind im Klavierspiel, ihre Mutter starb früh. Bevor sie zwei Jahre alt war, trat Elizabeth öffentlich auf und erregte ein solches Erstaunen, dass sie danach in den Häusern zahlreicher Familien vorspielen musste. Weitere musikalische Unterweisung erhielt sie von dem blinden Harfenisten John Parry (1776–1851), der auch der Lehrer ihres Vaters gewesen war. Im Alter von dreieinhalb Jahren wurde sie in Begleitung ihres Vaters nach London gebracht, um dort vor König George III. und der kgl. Familie aufzutreten. Es folgte 1807 und 1808 eine Tour durch die englische Provinz, die zum Teil von John Parry, der in den Konzerten auch Flöte spielte, begleitet wurde. Im Alter von sechs Jahren trug Elizabeth bereits Sonaten von Jan Ladislav Dussek vor und sang anspruchsvolle Duette. 1808 reiste sie wieder nach London, wo sie u. a. in den Hanover Square Rooms konzertierte und einige Stunden Unterricht bei dem Pianisten Jean Théodore Latour (ca. 1766–1840) erhielt. Zurück zu Hause begann sie, Harfe zu spielen. Ein Angebot der Prinzessin von Wales, die das Kind adoptieren wollte, wurde vom Vater abgelehnt. Im Alter von 14 Jahren trat Elizabeth Randles als Pianistin und Harfenistin auf, daneben spielte sie regelmäßig Orgel in der Kirche. 1818 nahm sie in London einige Stunden Harfenunterricht bei François-Joseph Dizi (1750–ca.1840) sowie Klavierunterricht bei Friedrich Kalkbrenner (1788–1849). In der folgenden Zeit unterrichtete sie in Liverpool, die Wochenenden verbrachte sie jedoch bei ihrem Vater in Wrexham. 1820 starb dieser und ließ drei Töchter und einen Sohn zurück. Die Schwestern ließen sich in Liverpool nieder, der Bruder wurde später Organist in Holywell.

 

Edward Randles, the Blind Harper of Wrexham, and his Daugther Elizabeth, the Musical Prodigy (Gemälde von John Downman, Windsor Castle).

 

LITERATUR

The Eccentric Magazine. Or, Lives and Portraits of Remarkable Persons 1814, S. 102f.

The Kaleidoscope 1825, S. 338

Literary Chronicle 1824, S. 659–661

The Mirror 1824, S. 316–318

MusT 1887, S. 522

The Weekly Entertainer 1807, S. 148

Sainsbury, Mendel Supp., Brown Bio, Baptie, Brown Brit

The Dictionary of Welsh Biography down to 1940, hrsg. von John Edward Lloyd, London [u. a.] 1959.

John Bigland [u. a.] (Hrsg.), The Beauties of England and Wales: or, Original Delineations, Topographical, Historical, and Descriptive of Each County, 18 Bde., Bd. 17, London 1812.

Rathbone, Miss H. M., „True Anecdotes of Children“, in: The Juvenile. A Penny Magazine for Children (1853), S. 12.

Henry Grattan Flood, The Story of the Harp, London 1905.

Gerd-Heinz Stevens, Das Wunderkind in der Musikgeschichte, Münster 1982.

Deborah Rohr, The Careers of British Musicians, 1750-1850. A Profession of Artisans, Cambridge 2001.

 

Bildnachweis

Adolf Paul Oppé, English drawings, Stuart and Georgian periods. In the collection of His Majesty the King at Windsor Castle, London 1950, S. 45.

 

AH/CF

 

© 2009 Freia Hoffmann