Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Couperin, Élisabeth-Antoinette, geb. Blanchet

* 14. Jan. 1729 in Paris, † 25. Mai 1815 in Paris, Cembalistin und Organistin. Als Tochter des Pariser Cembalobauers François-Etienne Blanchet (ca. 1695–1761) und dessen Frau Élisabeth-Martine geb. Gobin erhielt Élisabeth-Antoinette eine gediegene musikalische Ausbildung. Ihr Vater galt als einer der gefragtesten Cembalobauer seiner Zeit. Bereits als junges Mädchen soll sich Élisabeth-Antoinette als Cembalistin einen Namen gemacht haben.

Nach der Heirat mit ihrem früheren Cembalo-, Orgel- und Kompositionslehrer Armand-Louis Couperin (1727–1789), die am 7. Febr. 1752 stattfand, war sie als ausgezeichnete Organistin wie auch als gefragte Cembalistin in Paris bekannt und tätig. Es hieß, dass, wenn sie ihren Mann in den Messen vertrat, man nur dann zu unterscheiden vermochte, ob Gatte oder Gattin an der Orgel saßen, wenn man die betreffende Person auch sehen konnte. Bedenkt man Armand-Louis Couperins gepriesenes Orgelspiel und seine Improvisationskunst (Burney etwa spricht in seinem „Tagebuch einer musikalischen Reise“ von Couperins „glänzende[r] fertige[r] Ausübung“ und bezeichnet ihn zwar als „nicht völlig so modern, als er vielleicht seyn könnte“, aber als „mannigfaltig in seinen Melodien“ und „meisterhaft in der Modulation“, Burney 1772, Bd. 1, S. 24), so wirft dies gleichfalls ein Licht auf das Spiel seiner Frau. Armand-Louis Couperins La Blanchet betitelte virtuose Komposition lässt sicherlich ebenfalls Rückschlüsse auf das Können seiner Gattin zu.

Im „Almanach musical“ des Jahres 1775 taucht Élisabeth-Antoinette Couperin in den Musikerlisten neben ihrem Mann und Sohn auf. Die Familie lebte demnach „près de St. Gervais [wo Armand-Louis Couperin die Organistenstelle innehatte], chez un Receveur de la Loterie de l'Ecole roy. militaire“ („nahe St. Gervais,  bei einem Lotterie-Einnehmer der königlichen Militär-Akademie) . Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Antoinette-Angélique (1754–1758), Pierre-Louis (1755–1789), Gervais-François (auch François-Gervais, 1759–1826, der Vater Célèste-Thérèse Couperins) und Antoinette-Victoire, allesamt MusikerInnen.

Bis zur Revolution 1789 war Élisabeth-Antoinette Couperin, so berichtet ihr Neffe Henri-Joseph Taskin, Organistin und „professeur“ – also Instrumentallehrerin – an der Abbaye Montmartre. Bald nach dem Tode ihres Mannes in Folge eines Verkehrsunfalls zog Élisabeth-Antoinette Couperin nach Versailles. Hier wurde sie zur Titularorganistin an Saint-Louis ernannt und wirkte noch in hohem Alter als Organistin. Berühmt wurde die Geschichte der Orgelprobe an Saint-Louis, an die ihr Neffe Taskin anlässlich des Todes der Musikerin am 25.  Mai 1815 mit den folgenden Worten erinnerte: „Il y a cinq ans que, se trouvant à l’église de Saint-Louis de Versailles, lorsqu’on essayait l’orgue, M. l’évèque, M. le préfet et les autorités l’invitérent a en toucher, et elle enleva tous les suffrages.Elle avait alors 82 ans. Sa modestie la fit se cacher au point qu’on ne put jamais la retrouver pour la complimenter. Huit jours avant l’attaque que vient de la conduire au tombeau, elle fit les délices d’une société qui l’avait priée de toucher un piano que l’on voulait juger; elle avait pour lors 87 ans; ses vertus, ses qualités aimables et ses rares talens la font vivement regretter. Sans que mon témoignage soit suspect, je crois qu’il est difficile de trouver une femme plus accomplie“ („Vor fünf Jahren, anlässlich der Orgelprobe in der Kirche Saint-Louis zu Versailles, wurde sie vom Bischof, dem Präfekten und den hohen Herrschaften gebeten auf der Orgel zu spielen und erhielt alle Stimmen. Sie war damals 82 Jahre alt. Aus Bescheidenheit hielt sie sich derart verborgen, dass man sie niemals finden konnte, um sie [zu ihrem Können] zu beglückwünschen. Acht Tage vor dem Anfall, der zu ihrem Tod geführt hat, begeisterte sie eine Gesellschaft, die sie gebeten hatte ein Clavier zu spielen, das man prüfen wollte; sie war damals 87 Jahre alt; man trauert sehr um sie, ihrer Vorzüge, ihrer liebenswerten Eigenschaften und ihres seltenen Könnens wegen. Auch wenn man an meinem Zeugnis [als übertrieben] zweifeln sollte: Ich glaube, es ist schwierig, eine vollkommenere Frau zu findenGazette de France 1815, S. 1036).

 

LITERATUR

Almanach Musical, Paris 1775, S. 119

Gazette de France 16. Sept. 1815

Gerber 2, Schilling, Hoefer, Mendel, Jal, Fétis, MGG 1, Dufourcq, New Grove 1, MGG 2000, New Grove 2001

Henri-Joseph Taskin, Notice sur la famille Couperin“ (vor 1850), in: Nouveaux Documents sur les Couperin, hrsg. von Charles Bouvet, Paris 1933.

Charles Bouvet, Les Couperin. Une Dynastie de Musiciens Français, Paris 1919, Repr. Hildesheim [u. a.] 1977.

Charles Bouvet, „Les deux d’Anglebert et Marguerite-Antoinette Couperin“, in: RM 1928, S. 86–94.

 

Bildnachweis

NYPL Digital Gallery, http://digitalgallery.nypl.org/nypldigital/index.cfm, Zugriff am 29. Aug. 2008.

 

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