Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

BenoisBenuaBenoit, Marie, geb. Kind

* 1. Jan. 1861 in St. Petersburg, Sterbedaten unbekannt, Pianistin. Ihr Vater, Carl Kind aus Leipzig, emigrierte 1867 nach St. Petersburg, spielte dort Violine im kaiserl. Theater-Orchester und unterrichtete Marie Benois im Klavierspiel. Ab 1873 studierte sie bei Theodor Leschetizky (1830–1915) am Konservatorium in St. Petersburg, wo sie 1876 mit einer Goldmedaille abschloss. 1878 heiratete sie ihren Cousin, den Maler Wassily Benois.

Die ersten Auftritte Marie Benois' fanden 1878/79 in Wien, Hamburg und Aachen statt. Ihr Erfolg als Pianistin in Wien geht vermutlich auf die Aufführung des F-Dur-Konzerts von Anton Rubinstein mit den Wiener Philharmonikern zurück und „she became a celebrity overnight (Tarr 2003, S. 129).

Zwischen 1879 und 1882 reduzierte Marie Benois aus familiären Gründen ihre Konzerttätigkeit, absolvierte jedoch in diesem Zeitraum Auftritte in Hamburg, zusammen mit der Pianistin Anna Essipoff in Moskau und Wien sowie mit dem Violonisten Stanislaus Barcewicz (1858–1929) in Berlin. Zudem unternahm sie mehrere ausgedehnte Reisen nach Russland und Sibirien. In Riga bestritt sie 1880 neben Solokonzerten zwei Auftritte zusammen mit dem Kornettisten Wilhelm Wurm (1826­–1904) und dem St. Petersburger Violoncellisten J. Seiffert (Lebensdaten unbekannt). 

Im Jahr 1885 unternahm Marie Benois zusammen mit der Violinistin Teresina Tua eine Reise mit 60 Konzerten unter anderem nach Berlin, Hamburg, Königsberg, Dresden, Leipzig, Stettin, Moskau, Kattowitz und Warschau. In der Ankündigung eines Konzerts mit Teresina Tua in Hamburg wird Marie Benois als „Frau Professor Marie Benois“ (Signale 1885, S. 824) vorgestellt. Ihre auch in anderer Literatur genannte Lehrtätigkeit am St. Petersburger Konservatorium hat demnach um 1885 begonnen. Das anscheinend letzte Konzert fand 1887 mit Teresina Tua in Leipzig statt. Über ihren weiteren Lebenslauf liegen keine Informationen vor.

In der Presse werden Marie Benois ein „außerordentliches technisches Können“ (Signale 1885, S. 807) und ein „wundervoller Gesangston auf dem Instrument“ (Bock 1882, S. 54) attestiert. Im übrigen gehen die Meinungen über ihr Klavierspiel auseinander. Während ein Teil der Besprechungen hervorhebt, dass sie mit „wohlthuender weiblicher Zartheit und Grazie“ (Bock 1885, S. 315f) spiele, betonen andere Rezensenten ihre „Kraft, wie sie unter den Pianistinnen nur Frau Essipoff entwickelt“ (Bock 1882, S. 54). Die Besprechung eines gemeinsamen Konzerts mit Annette Essipoff bewertet diese als „schärfer im Profil und energischer im Anschlag, Frau Benois mit zarterem Ton und ihr Gretchengesicht rosig aufblühend von der Arbeit der Hände“ (Signale 1879, S. 41).

LITERATUR

Bock 1882, S. 54; 1885, S. 192, 315f.

FritzschMW 1882, S. 112, 161; 1885, S. 464, 510, 599, 628, 640, 645; 1886, S. 38 

Musikalisches Centralblatt 1882, S. 109, 120 

NZfM 1878, S. 519; 1879, S. 41; 1882, S. 20, 95, 96, 320; 1885, S. 99, 434, 473, 497, 512, 519, 525, 532; 1886, S. 130 

Signale 1878 , S. 1083, 1126; 1879, S. 41, 54, 101f., 194, 198, 374; 1880, S. 129 f., 421; 1881, S. 87; 1882, S.247; 1883, S. 322; 1885, S. 267, 329, 482807, 824, 874, 1012, 1062, 1123, 1155; 1886, S. 72, 130, 132, 197, 199, 405, 408

Baker1

Hugo Riemann und Georges Humbert, Dictionnaire de musique, Paris 1899.

Edward H. Tarr, East Meets West: the Russian Trumpet Tradition From the Time of Peter the Great to the October Revolution, Bucina 2003.

 

Bildnachweis

NYPL Digital Gallery, http://digitalgallery.nypl.org/nypldigital/id?1105924, Zugriff am 21. Jan. 2011.

 

Jannis Wichmann

 

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