Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Bianco, Elvira, Elvire, del

* ca. 1844, Ort unbekannt, Sterbedaten unbekannt, italienische Pianistin, Klavierlehrerin und Komponistin. Nach Auskunft der „Musical World“ war sie „a pupil of her father Professor del Bianco, of the Conservatory at Florence, and of her uncle Professor Gherardi“ (MusW 1861, S. 254)Bereits 1855 trat sie mit einem anderen Kindervirtuosen, Attilo Nusi, in einer „accademia vocale e strumentale“ (L’Italia musicale 1854, S. 23) in Florenz und mit anderen italienischen MusikerInnen im Théâtre-Italien in Paris auf. Es folgten Konzerte in Florenz und 1861 eine Reise nach Paris und London. Neben einem eigenen Konzert in der französischen Metropole kam es dort zu einem Treffen mit ihrem Landsmann Gioacchino Rossini: „Rossini ist jetzt ganz für das Pianoforte begeistert. Ein junges Mädchen, die reizende siebzehnjährige Elvire del Bianca [sic], erfreut ihn durch den Vortrag seiner noch nicht veröffentlichten Clavier-Compositionen“ (Signale 1861, S. 62). In den folgenden Jahren etablierte sie sich in Florenz als „tüchtige Clavierlehrerin“ (NZfM 1870, S. 193) und gab regelmäßig Konzerte. In einem Korrespondentenbericht aus Florenz wird sie 1866 in der Zeitschrift „Signale für die musikalische Welt“ ausführlich gewürdigt: „Ein interessanteres Concert gab Elvira del Bianco. Sie spielte das […] Fmoll-Clavierquartett Mendelssohns mit den Herren [Giovacchino] Giovacchini, Larschi und [Jefte] Sbolci, Clavierstücke, worunter sie die charmante kleine Composition von Chopin vorzugsweise schön vortrug und eine Sonate für Clavier und Violine mit Giovacchini […]. Sämmtliche Werke wurden in gelungenster Weise ausgeführt und befriedigten die Hörer durch Wahl und Aufführung“ (Signale 1866, S. 394). In den Jahren 1871 bis 1874 reiste die Musikerin alljährlich zu Auftritten nach London. Überall werden „brilliancy and discrimination“ (Illustrated Review 1873, S. 369), „fine touch, excellent taste, and most exact execution“ (Musical Standard 1873 I, S. 198), „power and brilliancy“ (ebd. 1874 I, S. 385) gelobt.

Einen Schwerpunkt ihres Repertoires bildete klassische und romantische Kammermusik: ein Klavierquartett von Mozart, ein Septett von Hummel, Klaviertrio D-Dur op. 70 von Beethoven, Klaviertrio Es-Dur op. 100 und Klavierquintett A-Dur op. 114 (Forellenquintett) von Schubert, Klaviertrio d-Moll op. 49 und Klavierquartett f-Moll op. 2 von Mendelssohn, Klavierquintett Es-Dur op. 44 von Schumann und ein nicht näher bezeichnetes Klavierquintett von Ettore Fiori (18251898). Ein weiterer Schwerpunkt bestand in Klavierliteratur von Girolamo Frescobaldi, Jean-Baptiste Lully, Domenico Scarlatti, Niccolò Porpora und Giovanni Battista Pergolesi. Zeitgenössische Klavierwerke (Chopin, Mendelssohn, Bull, Fumagalli) ergänzte sie durch eigene Kompositionen, die sogar die Zustimmung der „Neuen Zeitschrift für Musik“ fanden: „Das Programm […] bot u. A. auch zwei Compositionen der Concertgeberin, eine Phantasie über die ‚Afrikanerin‘ [Oper von Giacomo Meyerbeer 1865] und einen Salonwalzer. Letzterer, recht geschickt angelegt und durchgearbeitet, war mehr als ein gewöhnliches Machwerk“ (NZfM 1870, S. 193).

 

KOMPOSITIONEN FÜR KLAVIER

Walzer „Margherita"; Walzer „Les Amours"; Nocturne Es-Dur; Fantasie über die Afrikanerin [Giacomo Meyerbeer]; Reconnaissance. Mélodie pour piano, Florenz (Lorenzi) o. J.; Lieto ricordo. Mazurka, Udine (Berletti) o. J.; Seducente. Polka, Udine (Berletti), o. J.; Fantasia per pianoforte sull'opera Ruy Blas [Filippo Marchetti], Mailand (Lucca) o. J. (nach 1868)

 

LITERATUR

Armonia 1858, S. 147

Athenæum 1871 I, S. 793; 1872 I, S. 822; 1873 I, S. 25, 385; 1873 II, S. 570; 1874 I, S. 804

Boccherini 1862, 31. Dez.; 1863, 31. März, 30. Nov.; 1869, 31. Jan., 5. Apr.; 1874, 30. Juni

Critic 1861, S. 670

Gazzetta musicale di Firenze 1854, 30. März; 1855, 26. Apr., 21. Juni

Illustrated Review 1873, S. 369; 1874, S. 397

Italia musicale 1854, S. 23, 114f.; 1858, S. 190 [226]

Musical Standard 1872 I, S. 136, 312; 1873 I, S. 198f., 360; 1873 II, S. 289; 1874 I, S. 385

MusW 1861, S. 84, 254, 343; 1873, S. [157], 182; 1874, S. 388

NZfM 1870, S. 193; 1871, S. 94, 472

Orchestra 1871, S. 120

Saturday Review of Politics, Literature, Science, and Art 1873, S. 33

Signale 1861, S. 62; 1866, S. 394f.; 1867, S. 47

 

Freia Hoffmann

 

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