Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Medeck, Madame

* 1791 in Litauen, Pianistin und Komponistin, Sterbedaten unbekannt. Sie studierte am Pariser Konservatorium und war hier Schülerin von Louis Adam (17581848). Ab 1814 trat sie öffentlich auf und machte sich bald als Pianistin einen Namen. In Paris lernte sie einen deutschen Violoncellisten und Komponisten namens Medeck kennen, den sie 1816 ehelichte. Zusammen mit ihm begab sie sich nach der Heirat auf eine Reise durch Südfrankreich nach Spanien. In Valencia, wo das Ehepaar einige Jahre lang lebte, gab sie Klavierunterricht. 1820 zogen die Medecks nach Madrid und wurden dort beide in der kgl. Kapelle angestellt. 1823 wurde die Kapelle aufgelöst, und fortan lebte das Ehepaar vom Unterrichten, wobei Madame Medeck laut Schilling „ein ziemlich bedeutendes Einkommen erzielte, „da sie namentlich für die vorzüglichste Lehrerin im Clavierspiele dort gilt“. Ihr Haus wurde zum musikalischen Treffpunkt der Stadt: „Sie [Madame Medeck] giebt ziemlich den Ton an in den musikalischen Gesellschaften. Ob ihre Kenntnisse sie dazu berechtigen, wissen wir nicht; ihr Geschmack aber sicher und ihre Virtuosität noch mehr. Ihr Haus ist das einzige in ganz Madrid, wo man zuweilen noch neuere deutsche Musiken von Mozart, Hummel, Klengel, Cramer, Dussek, Kalkbrenner u. Anderen zu hören bekommt. Es ist das eine große Seltenheit in Spanien, wo man jede ausländische Musik gewissermaßen als Contrebande betrachtet“ (Schilling). In einem Korrespondentenbericht aus Madrid, der 1825 in der Zeitschrift „Harmonicon“ veröffentlicht wurde, schreibt der Autor: „Among the instrumental performers of note resident here, I name to you, above all others, a first-rate pianoforte player, Madame Medeck. [...] A grand piano-forte of six octaves, which they [das Ehepaar] had procured at a great expense from Vienna, passes for the very best in the kingdom“ (Harmonicon 1825, S. 130).

Madame Medeck komponierte einige Stücke für Klavier, die jedoch nicht veröffentlicht wurden.

 

LITERATUR

Cäcilia 1825, S. 120

The Harmonicon. A Journal of Music, Bd. 3, 1825, S. 130

The Parthenon. A Magazine of Art and Literature 1825, S.  16

Schilling, Gaßner, Paul, Fétis, Cohen

Gustav Friedrich Klemm, Die Frauen. Culturgeschichtliche Schilderungen des Zustandes und Einflusses der Frauen in den verschiedenen Zonen und Zeitaltern, 6 Bde., Bd. 5, Dresden 1858.

 

AH

 

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