Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Epstein, Rudolfine, Rudolphine

Geburtsdaten unbekannt, † 27. Febr. 1881 in Wien, Violoncellistin und Pianistin. Sie wuchs als Tochter von Julius Epstein (1832–1926), Pianist und Professor am Wiener Konservatorium, in einem musikalisch bereits vorgeprägten Umfeld auf. Ebenso wie ihre Schwester, die Violinistin Eugenie Epstein, und ihr Bruder Richard (1869–1919 oder 1921), der später vor allem in London als Pianist Bekanntheit erlangte, erhielt auch Rudolfine Epstein eine musikalische Ausbildung. Cellounterricht bekam sie zunächst bei dem Violoncellisten David Popper (1843–1913), einem Schüler Goltermanns. Am Wiener Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde, an dem ihr Vater seit 1867 lehrte, studierte sie außerdem in den Jahren 1866 bis 1869 Klavier und Cello.

Rudolfine Epstein konzertierte nahezu ausschließlich zusammen mit ihrer älteren Schwester Eugenie. Der erste Auftritt der beiden Frauen erfolgte im Rahmen eines von der Pianistin Malvine Brée in Wien veranstalteten Konzertes am 6. Jan. 1874. Es ist zu vermuten, dass in einigen späteren Konzerten eine weitere Schwester der beiden mitgewirkt hat (siehe Eugenie Epstein).

Während ihrer Auftritte in den Jahren 1874 bis 1879 trugen Eugenie und Rudolfine Epstein neben zahlreichen Klaviertrios mit wechselnden PianistInnen auch Solowerke vor. Das gemeinsame Repertoire umfasste vorrangig Trios von Mozart, Beethoven, Schumann, Mendelssohn und Bennett. Werke für Violoncello stammten zumeist von Goltermann.

Ein Eintrag aus der Zeitschrift „Signale für die musikalische Welt“ aus dem Jahr 1874 belegt einen Auftritt der Schwestern im Rahmen eines Konzertes eines „Wiener Damenorchesters“. Hieraus geht jedoch nicht hervor, ob die Musikerinnen Mitglieder dieses Orchesters waren oder lediglich einmalig im Rahmen eines seiner Konzerte solistisch aktiv geworden sind.

In den Jahren 1876 und 1877 unternahmen die Instrumentalistinnen eine Konzertreise durch Österreich und Deutschland, in deren Rahmen sie unter anderem in Wien, Berlin und Hannover spielten. 1878 und 1879 erfolgten Auftritte in Chemnitz, Mühlhausen in Th., Antwerpen, Zeitz, Graz und Regensburg. In Chemnitz traten beide – möglicherweise einmalig – auch als Pianistinnen auf. Die Schriftstellerin Octavia Hensel berichtet von Auftritten der Schwestern im östlichen Mitteleuropa: „The Epstein sisters were among the best known artists during my residence there. Their concerts throughout Bukowina and Moldaira have obtained marked success. Rudolphine Epstein, the violoncellist, was at that time not only a charming impersonation of youthful loveliness, but the exquisite grace with which she managed her violoncello was only equaled by the broad, firm tones she drew from that delicious instrument (Hensel, S. 567f.). Einer der letzten gemeinsamen Auftritte fand vermutlich im Rahmen eines Wohltätigkeitskonzerts der Antwerpener Liedertafel statt. Hiernach liegen keine Hinweise mehr auf eine weitere Konzerttätigkeit von Rudolfine Epstein vor. Ein Jahr vor ihrem Tod heiratete sie den Journalisten Armin Weimann.

Die Bewertungen der musikalischen Fähigkeiten von Rudolfine Epstein durch die Konzertkritiker fielen unterschiedlich aus. Über die nach ihrem Debüt als „Vereinigung jüngerer Talente“ (NZfM 1874, S. 27) bezeichneten Schwestern heißt es in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ drei Jahre später:  „Beide besitzen schon jetzt für ihr jugendliches Alter enorme technische Fertigkeit und Sicherheit, geschmackvolle Auffassung und elegante Spielweise“ (NZfM 1877, S. 153). Ein Rezensent der „Neuen Berliner Musikzeitung“ beschreibt die Instrumentalistinnen als „unstreitig musikalisch begabt“ (Bock 1877, S. 35f.), meint aber, dass „beide [...] in ihrer Ausbildung noch zu wenig fortgeschritten sind, um den durch ihr Programm erregten Erwartungen zu genügen. An Kraft des Tones wie auch an Gewandtheit des rechten Armes mangelt es beiden Damen nicht, dagegen blieb an Reinheit der Intonation viel zu wünschen, ebenso an Freiheit und Selbstständigkeit des Vortrags“ (ebd.). Lediglich in der „Ausführung einzelner Nummern des Programms“ sieht derselbe Rezensent mit Blick auf ein weiteres Konzert „einen Grad von Fertigkeit bekundet [...], der das Schwesternpaar auch jetzt schon zum öffentlichen Auftreten befähigt“ (Bock 1877, S. 78)

 

LITERATUR

Bock 1877, S. 35f., 70, 78; 1878, S. 54

FritzschMW 1878, S. 247

NZfM 1874, S. 27; 1875, S.  468; 1877, S. 153; 1878, S. 28, 83, 146, 508

Signale 1874, S. 68; 1878, S. 312; 1879, S. 215, 279

Riemann 1, Baltzell, Michel / Lesure Ency mus, OeML

Carl Ferdinand Pohl, Die Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaates und ihr Conservatorium, Wien 1871.

Édouard-Marie Oettinger, Moniteur des Dates, contenant un million de renseignements biographiques, génealogiques et historiquesSupplément et appendice, hrsg. von Hugo Schramm Macdonald, Leipzig 91882.

Octavia Hensel, „Student days in the imperial land“, in: Music. A monthly magazine, devoted to the art, science, technic and literature of music 1897, S. 567f.

Eduard Hanslick. „Aufsätze und Rezensionen 1862–1863“, in: Sämtliche Schriften, 6 Bde., Bd. 1, Wien [u.a.] 2008.

Rochus Kralik von Meyerswalden, Ein Kuss von Franz Liszt. Mathilde Kralik von Meyerswalden, Hamburg 2009.

 

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