Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Donat, Josefine, Josephine

* 1867 in Wien, Sterbedaten unbekannt (nach 1912), Violoncellistin und Violoncellolehrerin. Ausgebildet wurde sie von Ferdinand Weidunger, einem Violoncellisten der Wiener Hofkapelle, und Reinhold Hummer (18551912), Solo-Violoncellist der Hofkapelle, Lehrer am Konservatorium und 1884 bis 1900 Mitglied des Rosé-Quartetts. Eine Matrikel-Eintragung des Wiener Konservatoriums enthält den Namen ihres Vaters Albert Donat und ein Eintrittsdatum 9. Sept. 1876; ob ein Studium tatsächlich stattgefunden hat, geht aus diesem Dokument allerdings nicht sicher hervor.

Ein früher Auftritt ist in der „Österreichischen Musik- und Theaterzeitung“ für den 13. März 1890 in einer Veranstaltung des „Musik-Pädagogischen Vereines der Musiklehrerinnen“ belegt: „Frl. Donat spielte recht verständig auf dem Cello einmal den ersten Satz von Mendelssohn’s Sonate mit Clavier […], dann noch Elegie aus „Dom Sebastian“ von A. Balta, die jedoch bei entsprechendem ruhigeren Tempo mehr Eindruck hätte machen müssen“ (zit. nach Hauer, S. 35). Auch zwei Jahre später war Josefine Donat in diesem Verein aktiv und musizierte am 6. Apr. 1892 dort mit der Pianistin Henriette Hemala und der Geigerin Anna von Baumgarten Brahms’ Klaviertrio c-Moll op. 101. Ebenfalls im Frühjahr 1892 folgte ein eigenes Konzert, bei dem sie „durch ihre klare Technik und ihren warmen, schönen Ton die Gunst des Publikums und die Anerkennung der Kritik“ (Violoncellisten der Gegenwart, S. 4) errang. Am 10. Nov. 1894 wirkte sie im Wiener Bösendorfer-Saal bei der Uraufführung der Romanze für Violoncello und Klavier von Kitty von Escherich mit. „Außer in Österreich-Ungarn konzertierte Frl. Donat erfolgreich in Schweden, Norwegen, Rußland und Holland“ (ebd.), ohne dass diese Konzerte in der deutschsprachigen Presse Niederschlag gefunden hätten. 1896 musizierte Josefine Donat in Wien mit der Pianistin Margarethe Demelius und dem Brünner Konzertmeister J. Koreff das Klaviertrio c-Moll op. 66 von Mendelssohn. 1897 ist in Berlin ein Kammermusikabend nachgewiesen, der zumindest seiner ungewöhnlichen Besetzung wegen Aufsehen erregte: „In Berlin fehlt es nicht an Kammermusikgenossenschaften. […] Den [sic] etwaigen Bedürfniß nach einem weiblichen Trio war bis jetzt aber nicht entsprochen worden. Diese Lücke auszufüllen, haben sich die Damen [Marianne] Scharwenka-Stresow (Violine), [Agda] Lysell (Clavier) und Donat (Cello) vorgenommen. Das Debut der neuen Vereinigung fand in der Singacademie unter den günstigsten Auspizien statt. Die drei Damen, besonders die Violinistin, die schon vortheilhaft bekannt ist, und die Cellistin, die sich bei dieser Gelegenheit mit einem Concert von Händel günstig einführte, leisten sehr Erfreuliches. Sie spielten das Trio B dur von Anton Rubinstein und das in G dur von Jos. Haydn“ (NZfM 1897, S. 137). In anderer Besetzung bildete Josefine Donat 1900 mit der Pianistin Margarethe Eussert und der Violinistin Margarethe Baginsky, wiederum in Berlin, „a new Ladies’ Trio“ (The Monthly Musical Record 1900, S. 281). Ein weiteres Berliner Konzert gab die Cellistin am 18. Okt. 1900 mit Margarethe Demelius, ebenfalls mit positivem Echo: „Die Damen spielten, und zwar technisch und musikalisch, so sicher, so fertig, dass es eine Freude war, ihnen zuzuhören“ (Neue musikalische Presse 1900, S. 322). Seit 1900 hatte Josephine Donat ihren Wohnsitz in Wien, wo sie alljährlich ein Konzert gab. „Neben ihrer Tätigkeit als Solistin erteilt Frl. Donat Unterricht und widmet sich hauptsächlich der Pflege der Kammermusik“ (Violoncellisten der Gegenwart, S. 4) . Besonders verbunden war sie anscheinend mit der Pianistin Adele Radnitzky-Mandlick, in deren Wohltätigkeitskonzert zugunsten des Brahms-Denkmal-Fonds sie am 31. Jan. 1899 mitwirkte. Alma Mahler berichtet in ihrem Tagebuch am 2. Februar 1900 von einem Kammermusikabend bei Adele Radnitzky-Mandlick, bei dem die junge Komponistin mit Anton Steeber, Franz Radnitzky und Josefine Donat das Klavierquartett Es-Dur op. 47 von Robert Schumann zur Aufführung brachte. 1913 ist in Wien ein Konzert von Josefine Donat mit dem Pianisten Felix Rosenthal belegt.

Dem „Musikbuch aus Österreich“ und dem „Merker“ zufolge war Donats Adresse zunächst Wien, XVIII., Edelhofgasse 15, und spätestens ab 1910 Wien, IV., Johann-Strauss-Gasse 23.

 

 

 

LITERATUR

Conservatorium für Musik- und Schauspielschule der Gesellschaft der Musikfreunde Wien, Matrikel-Eintragung, Schuljahr 1876/7

Der Merker/Musikpädagogische Zeitschrift 1. Mai 1910, S. III; 10. Okt.1911, S. III; 2. Febr. 1912, S. III

Monthly Musical Record 1900, S. 281

Musikalisches Wochenblatt 1896, S. 396

Musikbuch aus Österreich. Ein Jahrbuch der Musikpflege in Österreich und den bedeutendsten Musikstädten des Auslandes 1904, N. P. (Wiener Musikeradressen)

Neue musikalische Presse 1897, S. 11, 78; 1900, S. 322

NZfM 1897, S. 137, 202

Signale 1880, S. 533; 1885, S. 227; 1886, S. 131; 1892, S. 565; 1897, S. 282; 1900, S. 407, 905

Wiener Almanach 1913, S. 353

Ludwig Eisenberg u. Richard Groner (Hrsg.), Das geistige Wien. Mittheilungen über die in Wien lebenden Architekten, Bildhauer, Bühnenkünstler, Graphiker, Journalisten, Maler, Musiker und Schriftsteller, Wien 1889.

Illustriertes Konversations-Lexikon der Frau, Berlin 1900, Art. Musikerinnen.

Eva Marx u. Gerlinde Haas, 210 Österreichische Komponistinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Biographie, Werk und Bibliographie. Ein Lexikon, Salzburg [u. a.] 2001, Art. Escherich, Kitty von.

Ferdinand Maria Wendt, Die Seele des Weibes. Versuch einer Frauen-Psychologie, Korneuburg 1891.

Violoncellisten der Gegenwart in Wort und Bild, Heilbronn 1903.

Edmund Sebastian Joseph van der Straeten, History of the Violoncello, the Viol da Gamba, their Precursors and Collateral Instruments, 2 Bde., Bd. 2, London 1915.

Albrecht Claus, Geschichte des Singvereines der Gesellschaft der Musikfreunde 18581933, Wien 1933.

Elizabeth Cowling, The Cello, New York 1983.

Alma Mahler-Werfel, Tagebuch-Suiten 18981902, hrsg. von Antony Beaumont u. Susanne Rode-Breymann, Frankfurt a. M. 1997.

Georg Hauer, Der Club der Wiener Musikerinnen. Frauen schreiben Musikgeschichte, Wien 2003.

Anne K. Gray, The World of Women in Classical Music, La Jolla/CA 2007.

 

Bildnachweis

Violoncellisten der Gegenwart, S. 3

 

FH

 

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