Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Herrschmann, Karoline, Caroline

* 1822 in München, Sterbedaten unbekannt, Pianistin. Sie war die Tochter eines Landshuter „k[önigl.]. Appellationsgerichtsrathes“ (Bayerische National-Zeitung 1837, S. 731) und dessen Ehefrau Anna. Klavierunterricht erhielt sie bei Carl Maria von Bocklet (1801–1881) sowie bei der Pianistin Caroline Perthaler. Erste Konzerte erfolgten, als sie sieben Jahre alt war. Am 14. März 1829 trat das Mädchen in der Münchener Gesellschaft des Frohsinns auf: „Wir sind seit mehreren Jahren gewohnt, Kinder als Virtuosen auftreten zu sehen. Ein neues Beispiel einer frühen Kunstausbildung sahen wir verwichenen Samstag […], wo die siebenjährige Caroline […] ein großes, schwieriges Concert von Hummel mit einer Sicherheit und Präcision vortrug, die uns ungewiß ließ, ob wir mehr die Kunstfertigkeit der Kleinen, oder die Geschicklichkeit ihres Lehrers bewundern sollten. Bei vieler technischer Fertigkeit zeigte [sic] ihr Vortrag auch von Gefühl und Empfindung, was bei fortgesetztem Fleiß und Studium zu großen Erwartungen berechtigt“ (Der Bayerische Volksfreund 1829, S. 184).

In den 1830er Jahren konzertierte Karoline Herrschmann vorrangig in München. Wiederholt spielte sie in Konzerten des Philharmonischen Vereins. 1838 begab sie sich – „in Bocklets Schule bereits zu einem bedeutenden Kunstgrad herangereift“ (AmZ 1839, Sp. 167) – auf eine „Ausbildungsreise nach Wien“ (NZfM 1839 I, S. 60). In einem eigenen Konzert spielte sie am 6. Nov. des Jahres im Wiener Saal der Gesellschaft der Musikfreunde den ersten Satz aus einem Klavierkonzert von Friedrich Kalkbrenner und Sigismund Thalbergs Grande Fantaisie et Variations sur ‚Don Juan‘ de Mozart op. 14. „So schwierig diese beiden Konzertstücke waren, welche nur ein durch lange Praktik routinirter Künstler mit ansprechendem Erfolge auszuführen vermag, und so sichtbar sich die Befangenheit der Vortragenden kund gab, so bewies doch unsere jugendliche und liebenswürdige Pianistin, welche wir unlängst in einem Konzerte im k. k. Hofoperntheater hörten, Talent, welches dieselbe bei fortgesetztem Fleiße, unter der Anleitung ihres ruhmbekrönten Meisters bald auf eine der ersteren [sic] Kunststufen erheben wird. Es vereinigen sich in dem kaum 17jährigen Mädchen Eigenschaften, welche, einzeln genommen, besondere Vorzüge bedeutender Künstlernaturen in sich schließen“ (Der Adler 1838, S. 1054).

 

LITERATUR

Der Adler. Allgemeine Welt- und National-Chronik 1838, S. 1047f., 1054

AmZ 1839, Sp. 167

Bayerische National-Zeitung 1837, S. 731

Der Bayerische Volksfreund 1829, S. 184

Der Bazar: Zeitschrift für Bildung und Unterhaltung 1837, S. 91

Neues Tagblatt für München und Bayern, 3. Dez. 1838

NZfM 1839 I, S. 60

Österreichischer Beobachter 1838, S. 1518

Christopher Howard Gibbs, „‚Just two words. Enormous Success”. Liszt's 1838 Vienna Concerts, in: Franz Liszt and his world, hrsg. von Christopher Howard Gibbs u. Dana Andrew Gooley, S. 171f.

 

HB/AB

 

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