Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Godard, Magdeleine, Madeleine

Lebensdaten unbek. (* vermutl. in den 1850er Jahren in Paris, † nach 1925), Violinistin und Violinlehrerin. Sie erhielt zunächst Geigenunterricht bei Henri Vieuxtemps (1820–1881). 1877 wurde sie ins Pariser Konservatorium aufgenommen, wo sie bis zu ihrem Abschluss 1879 bei Lambert Massart (1811–1892) studierte. Anschließend nahm sie wieder Unterricht bei Vieuxtemps. Ihr Debüt gab sie 1872 bei einer Soiree, die Vieuxtemps organisiert hatte, mit dem Streichquartett G-Dur op. 33 Nr. 5 von Haydn. Vor großem Publikum spielte sie erstmals 1875 in Saint-Valery-en-Caux (nördlich von Paris am Ärmelkanal gelegen). Dem „Dictionnaire national des contemporains“ zufolge spielte sie dort das Concerto Romantique A-Dur op. 35 aus der Feder ihres Bruders Benjamin Godard (1849–1895); in der MGG wird die Uraufführung dieses Werkes allerdings auf 1876 datiert. Mit der Musik ihres Bruders beschäftigte sich Magdeleine Godard Zeit ihres Lebens und förderte deren Aufführung und Verbreitung.

Zusätzlich zu großen Konzertauftritten in Paris („dans tous les grands concerts“, Dictionnaire national des contemporains, S. 355), bei Wohltätigkeitsveranstaltungen und privaten Feiern sind Konzerte in Belgien belegt: Antwerpen (1884), Brüssel (1885) und Gent (1885). Dem „Dictionnaire“ zufolge hat Magdeleine Godard in Deutschland, England, der Schweiz, Belgien und Holland gespielt. Über das Konzert in Antwerpen ist in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ zu lesen: „Frl. Godard, eine talentirte Violinvirtuosin, hat sich mit dem Violinconcert ihres Bruders Leny [sic] Godard sehr vortheilhaft in der k. Harmoniegesellschaft in Antwerpen eingeführt (NZfM 1884, S. 227). 1909 beschreibt ein Rezensent der Pariser Zeitung „Le Figaro“ ihr Geigenspiel als „magistrale et captivant“ („meisterhaft und einnehmend“, Le Figaro 15. Juni 1909). Magdeleine Godard spielte Violinkonzerte ihres Bruders, Vieuxtemps’ und Bruchs sowie Werke von Bach, Grieg und Saint-Saëns. Ihr Repertoire enthielt auch Kammermusik, „où elle est vraiment supérieure“ („bei der sie wirklich herausragend ist“; Dictionnaire national des contemporains, S. 356). 1890 trat sie beim ersten Massenet-Festival in St. Etienne mit dem Crépuscule aus Massenets Oper Werther auf; dabei wurde sie vom Komponisten am Klavier begleitet. Ab 1900 veranstaltete Magdeleine Godard musikalische Soireen in ihrem Haus in Paris. Im Pariser Orphelinat des Arts, einem Waisenhaus für Kinder von Künstlern, Journalisten und Intellektuellen, arbeitete sie als Lehrerin für Violine und Klavierbegleitung. Sie hielt jährliche Schülervorspiele in der Salle Pleyel ab und erhielt aufgrund ihrer Verdienste um das französische Bildungswesen die Auszeichnung „officier de l’instruction publique“ (Dictionnaire national des contemporains, S. 356). Im Rahmen eines Schülervorspiels am 16. Mai 1899 spielte sie das Konzert d-Moll BWV 1043 für zwei Violinen von Joh. Seb. Bach, die Sonate für Violine und Klavier op. 13 in G-Dur und ein Trio von Rubinstein.

Ein Brief von Magdeleine Godard vom 14. Aug. 1918 an eine Mrs. Freer wurde am 7. Sept. 1918 in der „Chicago Sunday Press and the Women’s Press“ abgedruckt. Darin schreibt sie, dass sie vom französischen Bildungsminister beauftragt wurde, für die Soldaten an der Front und in den Lazaretten zu spielen.

1925 wurde sie in der Rubrik Instruction publique et Beaux Arts (öffentliche Ausbildung und Schöne Künste) mit dem Verdienstorden der Ehrenlegion ausgezeichnet (Chevalier de la légion d’honneur).

 

LITERATUR

L’Aurore [Paris] 1905, 4. Jan.; 1906, 10. Aug.; 1907, 22. Sept.

Les Cahiers de l’université populaire 1906, S. 550

Chicago Sunday Press and the Women’s Press 7. Sept. 1918

Le Figaro [Paris] 1885, 26. Febr.; 1890, 16. Okt; 1893, 25. Nov.; 1895, 10. Apr.;1900, 26. Febr.; 17., 30. März; 1902, 6. Jan., 22. Apr., 13. Juli; 1905, 25. Nov.; 1906, 7. Okt.; 1908, 5. Febr., 1. Apr.; 1909, 15. Juni; 1911, 12. Dez.; 1921, 17. Apr.

Journal des débats politiques et littéraires [Paris] 1884, 30. Apr.; 1885, 7. Juni, 22. Juli; 1886, 25. Jan., 2. Apr., 7. Mai, 7. Juni; 1889, 23. Juni; 1896, 7. Juni; 1899, 17. Mai; 1902, 23. Apr.; 1905, 10. Febr.; 1906, 15. Juni; 1907,13. März, 19. Nov.; 1911, 12. Jan.; 1912, 28. Mai; 1925, 30. Juli

Le Ménestrel 1881, S. 320; 1882, S. 207; 1883, S. 15, 326; 1884, S. 143, 200; 1886, S. 79, 104, 187, 372; 1888, S. 48, 112, 144; 1889, S. 127; 1892, S. 32; 1893, S. 63, 168, 415; 1894, S. 175; 1896, S. 168; 1897, S. 151f.; 1900, S. 63, 176; 1902, S. 184; 1903, S. 16; 1906, S. 168, 171; 1911, S. 16; 1923, S. 219

Le Monde artiste 1899, S. 335, 351; 1900, S. 301; 1901, S. 270; 1904, S. 313, 718; 1905, S. 231, 247, 791; 1906, S. 558; 1913, S. 30

Le Monde illustré 1896, S. 302

La Musette 1887, Mai, S. 8

La Musique pendant la guerre 1916, 14. Dez.

L’Oeil de Paris pénètre partout 1931, 3. Jan.

L’Ouest-Éclair 5. Aug. 1924,

NZfM 1884, S. 227

Le Parnasse 15. Dez. 1881

Le Populaire 1923, 13. Nov., 18. Dez.

Revue de la Prévoyance et de la mutualité 1896, S. 417

Salt Lake Telegram 1905, 3. Juli, S. 2

La Vie théâtrale 1897, 20. Jan.

C. E. Curinier (Hg.), Dictionnaire national des contemporains, Paris 1914.

 

Bildnachweis

http://www.culture.gouv.fr, Zugriff am 26. Febr. 2014

 

Elisabeth Champollion

 

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