Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Ringbauer, Rugbauer, Josepha, Pepi

* ca. 1772 in Wien, Sterbedaten unbekannt, Violinistin. Über ihre Herkunft und Ausbildung liegen keine Informationen vor.

Josepha Ringbauer gehörte zu den ersten Violinistinnen, die sich am Wiener Konzertleben beteiligten. Ihr erster nachweisbarer Auftritt fand in der Akademie einer Familie Willmann am 16. März 1784 statt. „Kürzlich spielte im Nationaltheater ein Mädchen von 11 Jahren ein Concert auf der Violin von der Composition des Herrn Giarnovick, und erhielt unbeschreiblichen Beifall. Sie heißt Mademois. Ringbauer, und ist in Wien geboren“ (CramerMag 1784, S. 207).

Nachweise von Konzerten dieser Geigerin sind sehr selten. Am 15. Febr. 1788 spielte sie im Burgtheater in einem Konzert zugunsten des Baritons Stefano Mandini, in welchem u. a. Symphonien Haydns und Mozarts zu hören waren. In den Tagebüchern Joseph Carl Rosenbaums wird Ringbauer noch für den Dez. 1803 erwähnt. „Die Gyulas Th- soll während beyder Arien mit accompagnement der Violine, gespielt von Mad. Pepi Rugbauer, eine Sonate spielen“ (Tagebücher, S. 117).

Trotz der Seltenheit ihrer Auftritte blieb Josepha Ringbauer im Gedächtnis. Eduard Hanslicks „Geschichte des Concertwesens in Wien“ nennt „zwei violinspielende Mädchen, Demoiselle Ringbauer und Demoiselle Bayer, welche in den Jahren 1783 und 1784 in Wien Aufsehen machten“ (Hanslick, S. 256). Noch 1868 erinnert sich die „Neue Berliner Musikzeitung“ an das Ungewöhnliche einer Violinistin im 18. Jahrhundert: „Nur besonders seltsame Erscheinungen konnten auf grossen Zulauf rechnen, vorzüglich die Geigerinnen, unter denen ein Fräulein Ringbauer und eine Dlle. Strinasachi ihrer Zeit so berühmt waren, wie in unserer die Milanollo und Ferni (Bock 1868, S. 165).

 

LITERATUR

Bock 1868, S. 165

CramerMag 1784, S. 207

Wiener Zeitung 20. März 1784

Gerber 1

Else Radant (Hrsg.), Die Tagebücher von Joseph Carl Rosenbaum 1770–1829 (= Das Haydn Jahrbuch 5), Wien [u. a.] 1968.

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979.

Mary Sue Morrow, Concert Life in Haydn’s Vienna. Aspects of a Developing Musical and Social Institution (= Sociology of Music 7), Stuyvesant 1989.

New Mozart Documents. A Supplement to O. E. Deutsch’s Documentary Biography, hrsg. von Cliff Eisen, Stanford 1991.

 

VT

 

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