Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Menzel, Elsa, Elisabeth, Else

* vermutlich in den 1870er Jahren in Inowrocław (Inowraclaw/Polen), Sterbedaten unbekannt, Pianistin. Sie erhielt ihre frühe musikalische Ausbildung vermutlich in Breslau als Schülerin von Theodor Kullak (1818–1882). Weitere LehrerInnen waren Liszt (1811–1886) und Serafina Tausig geb. Vrabély.

Belege für Auftritte Elsa Menzels finden sich erstmals 1877. Am 5. Febr. des Jahres trat sie im Tonkünstlerverein Breslau auf und spielte hier einige Nummern aus Robert Schumanns Zyklus Kreisleriana op. 16 sowie Chopins Grande Polonaise brillante précédée d’un Andante spianato Es-Dur op. 22. Bis 1891 konzertierte die Pianistin in weiteren europäischen Städten wie Pest (1880), Berlin (1882, 1886, 1887, 1889), Wien (1885) und Leipzig (1888, 1889). Die Konzertprogramme enthielten vor allem Werke des 19. Jahrhunderts, darunter Kompositionen von Tschaikowsky, Chopin, Glinka, Taubert, Schubert, Henselt, Reinecke und Mendelssohn. Werke von Joh. Seb. Bach und Scarlatti trug die Pianistin in der Bearbeitung durch zeitgenössische Komponisten, wie Liszt (Joh. Seb. Bachs Präludium und Fuge a-Moll BWV 543) oder Carl Tausig, vor.

Hinsichtlich der musikalischen Fähigkeiten Elsa Menzels ergeben die Konzertberichte ein äußerst ambivalentes Bild. Nur selten waren die Besprechungen ausnahmslos positiv. Lob erhielt die Künstlerin vor allem für ihre technischen Fertigkeiten. Dementsprechend attestiert ihr ein Rezensent „eine ausgebildete Technik, viel Bravour und selbstständige Auffassung“ (Signale 1880, S. 487). Ähnlich äußert sich ein Korrespondent der „Neuen Berliner Musikzeitung“. Er schreibt, „dass die junge Pianistin zwar eine recht achtbare Stufe der Technik, jedoch noch nicht den für die Oeffentlichkeit nothwendigen Grad der Reife, namentlich der geistigen Reife erreicht hat“ (Bock 1886, S. 116).

Wiederholt war die hier erwähnte mangelnde künstlerische Reife Gegenstand der Kritik: „Der Eindruck, welchen das Spiel der jungen Dame auf uns hervorbrachte, war ein nur mäßiger; denn wir fanden, daß Fräulein Menzel zwar pianistisch entschieden begabt ist, auch fleißig studirt hat, aber noch nicht dahin gelangt ist, die Ansprüche zu befriedigen, welche man heutzutage an die Claviervirtuosität stellt. Ihrem ganzen Spiel haftet noch viel Unreifes, Schülerhaftes und blos Anstudirtes an“ (Signale 1880, S. 340). Auch ein Rezensent der „Neuen Berliner Musikzeitung“ sieht in ihrem Spiel „viel Unfertiges“ (Bock 1882, S. 110). Im „Musikalischen Wochenblatt“ spricht man von einer „arge[n] Enttäuschung: wiewohl dem Spiel der genannten Pianistin eine bedeutende technische Ausbildung nicht abgesprochen werden kann, so erhebt sich die künstlerische Leistungsfähigkeit von Frl. Menzel doch nicht über das Durchschnittspianistenthum, das mit einigen herausgepolterten Bravourgängen Alles gethan zu haben glaubt“ (FritzschMW 1888, S. 166).

Gegen Ende der 1880er Jahre fielen die Rezensionen positiver aus. Ein Konzertkritiker der „Musikpädagogischen Blätter“ bestätigt Elsa Menzel nach einem Auftritt im Frühjahr 1887 „Fortschritte“ (Musikpädagogische Blätter 1887, S. 118). Ähnlich klingt die Einschätzung eines Rezensenten in der „Neuen Berliner Musikzeitung“: „Immerhin aber hat Frl. Menzel eine Stufe der Ausbildung erreicht, welche bei vorausgesetztem fleissigen Weiterstudiren recht wohl noch vollkommenere Früchte zeitigen kann“ (Bock 1887, S. 141).

 

LITERATUR

Bock 1882, S. 110; 1886, S. 116; 1887, S. 102f., 141; 1891, S. 24, 65, 84, 162

FritzschMW 1888, S. 166

Musikalisches Centralblatt 1883, S. 506

Musikpädagogische Blätter 1887, S. 118

NZfM 1877, S. 312; 1885, S. 145; 1888, S. 153

Nordiks Musik-Tidende 1886, S. 44

Signale 1880, S. 487; 1886, S. 504, 521; 1887, S. 130; 1888, S. 340; 1889, S. 163

 

Anna-Lena Teichmann/Ricarda Richter/AB

 

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