Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Beningfield, Ethel (Isabel)

* 3. Mai 1870 (1873?) in Nazeing (damals Teil der Grafschaft Essex), † 10. Nov. 1967 in Sussex, Mandoline-Spielerin und -Lehrerin, Violoncellistin, Gitarristin (?) und Komponistin. Ihre Eltern waren vermutlich Thomas Beningfield (1833–1887) und Mary Anne Robinson (1845–?), die Besitzer des Crown Hotels in Nazeing.

Ab 1891 betätigte sich Ethel Beningfield als Lehrerin für Mandoline und Mandola und gab öffentlich Konzerte. Als Komponistin von Liedern für Singstimme und Klavier trat sie erstmals 1897 in Erscheinung. Seit ungefähr 1900 findet sie in der Literatur nur noch als Violoncellistin und gelegentlich als Komponistin Niederschlag.

Im Fach Violoncello wurde Ethel Beningfield, vermutlich Ende der 1890er Jahre, an der Guildhall School of Music von Ernest de Munck (1840–1915) ausgebildet. Im Juli 1900 erhielt sie für ihre Leistungen beim alljährlichen Wettbewerb der Guildhall School of Music eine Auszeichnung, im darauffolgenden Jahr zusammen mit einer weiteren Cellistin, Miss W. May Burgess, den „Libotton Memorial Prize“ (bestehend aus einem Violoncellobogen und einer Bronzemedaille) und im Jahr 1902 eine lobende Erwähnung. Später setzte sie ihre Ausbildung beim italienischen Violoncellisten Alessandro Pezze (1835–1915), vermutlich an der Royal Academy of Music, fort. Im Jahr 1904 soll sich die Musikerin in Durban (Südafrika) aufgehalten haben.

1894 gab Ethel Beningfield mit ihren Mandolinen-SchülerInnen ein Konzert in der Londoner Steinway Hall. Auch in weiteren großen Konzerthäusern wie der Londoner Bechstein Hall und der Queens' Hall sowie der Dubliner Leinster Hall sind Auftritte überliefert, meistens im Rahmen von Konzerten anderer MusikerInnen. In der Regel kamen dabei Bearbeitungen für Mandoline zur Aufführung. „She rarely played original mandolin music at her recitals, preferring to borrow from the violin repertoire, especially preludes of Wieniawski“ (Sparks, S. 91). 1895 musizierte sie im Rahmen einer Inszenierung von Verdis Otello in Covent Garden. 1895 sind Auftritte mit dem Beningfield-Trio (seit 1896/1897 Beningfield-Quartett) überliefert. Im Jahr 1899 unternahm „Miss Ethel Beningfield´s-Quintet“ (Myers, S. 152) für die „Concorde Concert Control Agency“ (ebd.) eine Konzertreise nach Schweden.

Zwischen 1900 und 1905 gastierte die Musikerin bei einigen Konzerten als Violoncellistin: Am 6. Dez. 1900 in der Bechstein Hall spielte sie beispielsweise zusammen mit der damals zehnjährigen und später hochberühmten Pianistin Myra Hess und dem Violinisten Dettmar Dressel bei einem Konzert des Sängers und Gesangslehrers Charles Copland. Eine ähnliche Dichte an Konzerten wie noch wenige Jahre zuvor als Mandolinen-Spielerin erreichte Ethel Beningfield jedoch nicht. Als Höhepunkt ihrer Karriere am Violoncello stellt sich vermutlich der Auftritt beim Leeds Musical Evening im Dez. 1905 dar: „Miss Ethel Beningfield, the solo cellist, played a ‚Concerto in A minor‘ and an ‚Andante and Allegro‘ by [Georg] Golterman, and exhibited good technique and style (Musical Standard 9. Dez. 1905, S. 377).

 

LITERATUR

The Era [London] 1891, 7. Nov.; 1895, 29. Juni, 7. Dez.; 1896, 31. Okt.; 1898, 22. Jan., 23. Juli

Freeman's Journal and Daily Commercial Advertiser [Dublin] 6. Dez. 1894

The London Gazette 28. Nov. 1967

Ludgate 1900, S. 388

Musical News 1898 II,  S. 24, 72

Musical Opinion and Music Trade Review 1894, S. 558

Musical Standard 1895 II, S. 307; 1900 II, S. 63; 1902 II, S. 75; 1905 I, S. 280; 1905 II, S. 377, 395

MusT 1905, S. 404

The Observer 8. Jan. 1899

The Pall Mall Gazette [London] 1. Dez. 1899

The Times [London] 1901, 24. Juli; 1905, 1. Juni, 9. Dez; 1907, 4. Okt.

Violin Times 1906, S. 14

Henry Saxe Wyndham u. Geoffrey L’Epine (Hrsg.), Who’s Who in Music. A Biographical Record of Contemporary Musicians, London 1913.

Margaret Myers, Blowing Her Own Trumpet. European Ladies’ Orchestras & Other Women Musicians 1870–1950 in Sweden, Göteborg 1993.

Silke Wenzel, „Ethel Beningfield, in: MUGI. Musik und Gender im Internet, http://mugi.hfmt-hamburg.de/A_lexartikel/lexartikel.php?id=Beni1875, Zugriff am 14. Nov. 2012.

Stephen Harris, „Crown, Broxbourne Bridge, Nazeing“, in: Pub History of London, Essex, Kent, Hertfordshire, Cambridgeshire, Middlesex, Suffolk, Berkshire, Buckinghamshire, Sussex, Oxfordshire, Gloucestershire, Hampshire, Devon, Somerset & Dorset, http://deadpubs.co.uk/EssexPubs/Nazeing/crown.shtml, Zugriff am 14. Nov. 2012.

 

JW

 

© 2012 Freia Hoffmann