Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Perthaler, Caroline, Karoline, KarolinaCharlotte (Josefa Ottilia)

* 15. Dez. 1810 in Klausen (Südtirol), † 9. Okt. 1873 in Gries i. Sellrain, Pianistin, Klavierlehrerin und Komponistin. Ihre Mutter war Anna von Perlath zu Kaltenburg, Bürgermeisterstochter aus Klausen, ihr Vater Johann Perthaler aus Kufstein war später Rentmeister der Saline Hall i. T.

Caroline Perthaler begann im Alter von vier Jahren Klavier zu spielen und begab sich 1822 nach Wien, wo sie drei Jahre bei Carl Czerny (1791–1857) studierte. Ihren ersten öffentlichen Auftritt absolvierte sie mit 15 Jahren. 1826 wird in Graz eine Komposition von ihr, Variations sur un Theme favorit [sic] de l’opera Barbier de Seville de G. Rossini op. 2, unter dem Namen Charlotte Perthaler angekündigt. Weitere Kompositionen sind zurzeit nicht nachweisbar. Im Jahr 1828 trat sie eine mehrmonatige Konzertreise von Graz aus u. a. nach Prag, Leipzig, Dresden, Berlin und Weimar an, wo sie überall beeindruckende Rezensionen erhielt. Eine Woche nach ihrem Klavierabend in der Abonnement-Konzertreihe im Leipziger Gewandhaus am 12. Okt. 1828 debütierte die erst neunjährige Clara Wieck im Rahmen eines Extra-Konzertes von Caroline Perthaler im Gewandhaussaal.

Sie spielte mehrmals vor Goethe, der sie lobend erwähnt: „Demoiselle Caroline Perthaler, sehr geschickte Pianistin, ließ sich bei mir hören“ (zit. nach Reimann, S. 184). Nach Konzerten in Italien folgten wiederum welche in Wien, wo sie zusammen mit Chopin, Anna de Belleville und Josephine Eder konzertierte. Ihr Repertoire umfasste u. a. Klavierkonzerte und Solowerke von Halm, Henselt, Herz, Hummel, Kalkbrenner, Moscheles, Ries, Pixis und Steibelt. 1831 ließ sich Caroline Perthaler in München nieder, wo sie als Klavierlehrerin sehr gefragt war und weiterhin konzertierte. 1834 trat sie eine Reise durch Österreich an, 1835 reiste sie über Triest nach Griechenland, kehrte wieder nach München zurück und unterrichtete dort von Beginn der vierziger bis gegen Ende der sechziger Jahre. Ihren Lebensabend verbrachte sie bei ihrem Bruder, einem Priester, Kirchenmusiker und Komponisten, in Gries i. Sellrain, über den ihre Notensammlung an das Prämonstratenser-Chorherren-Stift Wilten in Innsbruck kam. Darin sind u. a. das Autograph der ihr gewidmeten Fantaisie tragique (1829) von Anselm Hüttenbrenner sowie ihre eigenen Kompositionen enthalten.

 

KOMPOSITION

Variations sur un Theme favorit de l’opera Barbier de Seville de G. Rossini op. 2, Graz o. J.

 

LITERATUR

AmZ 1828, Sp. 806, 858; 1829, Sp. 195f., 364, 536, 682; 1830, Sp. 766; 1832, Sp. 57

Berliner AmZ 1828, S. 452, 458f.

Castelli 1829, S. 75; 1831, S. 23

Der Aufmerksame [Beilage zur „Grätzer Zeitung“] 2. Mai 1826

Der Kaiserlich Königlich privilegirte Bothe von und für Tirol und Vorarlberg 1828, S 164

NZfM 1839 I, S. 60

Schilling, Becker, Gaßner, Schla/Bern, Wurzbach, Paul, Fétis, ÖBL

Ferdinand Schumann, „Erinnerungen an Clara Schumann, in: NZfM (1917), S. 69–72, 77–80, 85–88, 93–96, 101–104.

Ambros Mayr, Hans von Perthaler’s auserlesene Schriften, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1883.

Berthold Litzmann, Clara Schumann. Ein Künstlerleben, 3 Bde., Bd. 1, Leipzig 1906.

Moritz Enzinger, Goethe und Tirol, Innsbruck 1932.

Alfred Dörffel, Geschichte der Gewandhausconcerte zu Leipzig. Vom 25. November 1781 bis 25. November 1881, Leipzig 1884, Repr. Wiesbaden 1972.

Ambros Mayr, „Hans Perthaler“, in: Goethes Gespräche III, 2. Teil, hrsg. von Wolfgang Herwig, Zürich 1972, S. 702–704.

Robert Steiger u. Angelika Reimann, Goethes Leben von Tag zu Tag. Eine dokumentarische Chronik, 8 Bde., Bd. 8: 1828–1832, Zürich 1996.

Gertrud Pfaundler-Spat, Tirol-Lexikon, Innsbruck 2005.

Marlies Nussbaumer, Hände zum Malen schön. Die Klaviervirtuosin Caroline Perthaler 1810–1873, Innsbruck 2010.

CD Hände zum Malen schön. Marlies Nussbaumer auf den Spuren von Caroline Perthaler, Nussbaumermusic 2010.

 

Anja Herold/Marlies Nussbaumer

 

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