Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Lobach, Babette, verh. Oldenberg

* 24. Mai 1857 vermutlich in Königsberg (heute Kaliningrad), † 12. Nov. 1940 in Göttingen, Violinistin. Ihr erster nachweisbarer Auftritt fand 1880 in Bonn statt. Außerdem spielte sie 1881 im Leipziger Gewandhaus sowie bei Konzerten in Aachen, Heidelberg, Mannheim und Mainz. Im selben Jahr war sie in Großbritannien zu Gast. „Mlle. Babette Lobach, who made her first appearance in England, played Vieuxtemps’ flowing Ballade and sparkling Polonaise for violin and orchestra. The young lady will probably play well, but at present she lacks that breadth of tone and that power and grasp which only come to experienced and mature players (Monthly Musical Record 1881, S. 119).

Wegen eines Trauerfalls in der Familie zeigte sich Babette Lobach längere Zeit nicht in der Öffentlichkeit und zog von Königsberg nach Berlin. Nach dieser Pause trat sie erstmals wieder im Febr. 1882 im vierten Konzert der Berggesellschaft in Halle auf, spielte in diesem Jahr auch in Barmen. Im Dez. 1882 konzertierte sie mehrmals in Amsterdam und Den Haag. 1883 spielte sie in Berlin.

Ende des Jahres 1883 verlobte sich Babette Lobach mit dem bekannten Indologen Hermann Oldenberg (1854–1820). Das letzte nachgewiesene Konzert gab Babette Lobach am 30. Dez. 1883 in der Singakademie in Berlin. Über eine musikalische Tätigkeit nach ihrer Hochzeit ist nichts bekannt.

Das Ehepaar bekam 1888 den Sohn Otto Oldenberg, einen später bekannten Physiker. Die Familie unterhielt engen Kontakt mit dem Philosophen und Mathematiker Edmund Husserl. 1925 veröffentlichte Babette Oldenberg ihr Buch „Alkoholismus und das Recht“, in dem sie unter anderem das Familien- und Strafrecht der Weimarer Republik kritisierte. Daneben betätigte sie sich auch als Übersetzerin englischsprachiger Schriften.

Babette Lobach spielte bei ihren Konzerten vorwiegend Violinkonzerte von Mendelssohn, Bruch und Spohr. Daneben musizierte sie kleinere Virtuosenwerke für Violine und Orchester (etwa von Vieuxtemps, Sarasate). Die Kommentare zu ihrem Spiel sind positiv. In der „Neuen Zeitschrift für Musik“ wird ihr „unzweifelhaftes Talent (1881 I, S. 117) zugesprochen. „Sie führt ihren Bogen mit Schwung und Kraft, entlockt ihrer Geige einen markig-sympathischen Ton und ist im Besitze einer höchst respektablen Technik (ebd.). Außerdem wird im selben Artikel geschrieben, dass sich ihr Spiel durch „Wärme, Geschmack, Sicherheit und Bravur auszeichne. Die „Signale für die musikalische Welt“ zitieren eine Zeitungskritik Gumprechts: „Den Beifall, den ihr das Auditorium aus vollen Händen gespendet, dürfen wir fast ohne jeden kritischen Vorbehalt unterschreiben. Hervorragende Begabung that sich sowohl in der durchweg goldreinen Intonation wie namentlich auch in dem aus bewegter Innerlichkeit emporströmenden Modulationsreichthum des Ausdrucks kund. In Rücksicht auf Kraft läßt der Ton kaum zu wünschen übrig. Uneingeschränktes Lob gebührt der Sauberkeit der Gestaltung: in dem schwierigen Mendelssohn’schen Concert, in dem Spohr’schen Adagio, in dem anspruchsvollen spanischen Tanz von Sarasate ging dem Ohr auch nicht die kleinste Einzelheit verloren. Der Vortrag zeugte von lebendiger, mehr dem Feurigen und Schwungvollen als dem Zarten und Gefühlsseligen zugeneigter Empfindung (Signale 1883, S. 92).

 

LITERATUR

Babette Oldenberg, Der Alkoholismus und das Recht. Die Verantwortlichkeit der Mutter im Eherecht. Beitrag zu den bevorstehenden Rechtsreformen, Berlin 1925.

AmZ 1881, Sp. 78

Bock 1881, S. 62f.; 1883, S. 5

Monthly Musical Record 1881, S. 119

Muiscal Opinion and Trade Review 1883, S. 159

Musical Standard 1881 I, S. 273, 291

MusW 1881, S. 149, 198, 276, 289

NZfM 1880, S. 550, 20; 1881, S. 76, 98, 117; 1883, S. 7

Signale 1880, S. 565, 710f., 1097; 1881, S. 84, 93, 166, 252, 364, 554, 585, 596; 1882, S. 195, 216, 298, 1050; 1883, S. 74, 92, 323, 1021

Fritz Oldenberg, Familienchronik, Bern 1943−1945, unveröffentlicht.

Edmund Husserl, Briefwechsel, hrsg. von Karl Schuhmann, 11 Bde., Bd. 9, Dordrecht [u. a.] 1994.

Karl Schuhmann, Selected papers on phenomelogy, hrsg. von Cees Leijenhoerst u. Piet Steenbakkers, Dordrecht 2004.

Eva Labouvie u. Ramona Myrrhe, Familienbande – Familienschande: Geschlechterverhältnisse in Familie und Verwandtschaft, Böhlau 2007.

Grabsteine Stadtfriedhof Göttingen, http://grabsteine.genealogy.net/tomb.php?cem=2032&tomb=4819&b=, Zugriff am 22. Jan. 2016, mit Dank an Theo Oldenberg für den Hinweis.

 

Thea Elisa Henken/VT

 

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