Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

HöfflmayerHöfflmair, Höfflmayr, Hoffmayer, Pauline

* ca. 1838, weitere Lebensdaten unbekannt, Violinistin. Pauline Höfflmayer begann bereits im Kindesalter mit dem öffentlichen Violinspiel. Als neunjähriges Mädchen trat sie – vermutlich zum ersten Male – 1847 in Homburg auf. 1850 spielte sie in ihrer Heimatstadt Frankfurt a. M., 1851 erneut in Homburg, 1852 in Frankfurt a. M. und Umgebung, 1853 im schweizerischen Aarau, 1854 in Bremen. 1855 war sie nochmals in Frankfurt a. M. zu hören. Weitere Konzertdaten sind nicht bekannt, auch über ihren späteren Werdegang liegen keine Informationen vor.

Pauline Höfflmayer erhielt trotz ihrer Jugend Unterricht von namhaften Lehrern: So war sie bereits 1850 in Brüssel Schülerin des Vieuxtemps- und Milanollo-Lehrers Charles-Auguste de Bériot (1802–1870), wobei unklar ist, ob sie Mitglied in de Bériots Meisterklasse am dortigen Konservatorium war. Schon 1851 kehrte sie zurück und wurde in der „Neuen Zeitschrift für Musik“ als Schülerin des Mannheimer Konzertmeisters Aloys Kettenus (1823–1896) bezeichnet (NZfM 1851 II, S. 157). 1855 schließlich berichtete dieselbe Zeitschrift, die Geigerin sei nun Schülerin des Pariser Konservatoriums. Pauline Höfflmayers Interesse an den westeuropäischen Zentren der Streicher-Ausbildung lässt sich möglicherweise mit den dort geltenden hohen Standards, aber auch mit den in deutschen Landen zu dieser Zeit noch fehlenden institutionellen Ausbildungsmöglichkeiten für Geigerinnen erklären.

Während über Pauline Höfflmayers Repertoire nichts bekannt ist, erscheint die Wahrnehmung ihres Spiels typisch für diese Zeit. Zwar attestieren ihr die „Signale für die musikalische Welt“ ein „ganz artiges, aber noch lange nicht durchgeschultes Spiel“ (Signale 1854, S. 186). Daneben aber werden als weiblich empfundene Eigenschaften mit ihrem Violinspiel in Verbindung gebracht. Bei einem Frankfurter Konzert etwa „erregte sie durch den natürlichen Adel ihres Adagio’s, durch schönen Ton, auffallende Reinheit und eine elegische Innigkeit die Herzen der Zuhörer. Man übersah deshalb die Mängel an imposanter Technik, welcher überhaupt auch eine so zarte Constitution nicht gewachsen sein kann“ (NZfM 1852 I, S. 228). „Wären ihr die Milanollo und Neruda nicht vorangegangen, so würde Pauline jetzt im Nominativ stehen“ (ebd.).

 

LITERATUR

AWM 1847, S. 256

Illustrirte Zeitung 14.1850, S. 318; 17.1851, S. 362

NBMz 1850, S. 141

NZfM 1851 II, S. 157; 1852 I, S. 228; 1855 I, S. 58

Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 22. Mai 1853, S. 10

Signale 1854, S. 186

 

VT

 

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