Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Macirone, Clara Angela

* 20. Jan. 1821 in London, † Okt. 1914 ebd., Pianistin, Klavierlehrerin, Komponistin und Schriftstellerin. Sie stammte aus einer wohlhabenden römischen Familie. Ihr Vater George Macirone war Sänger, ihre Mutter Mary Anne Macirone (?–1869) war Pianistin und Schülerin von Charles Neate. Ihre Schwester Emily Macirone (?–1888) ist als Aquarellmalerin bekannt geworden. Clara Angela Macirone erhielt ab 1839 in der Royal Academy of Music Klavierunterricht von Cipriani Potter (1792–1871) und William Henry Holmes (1812–1885), Kompositionsunterricht von Charles Lucas (1808–1869) und Gesangsunterricht bei einem Signor Negri. Nach Abschluss ihres Studiums im Jahre 1844 wurde sie aufgrund hervorragender musikalischer Leistungen von der Royal Academy of Music als Klavierlehrerin angestellt und zum Mitglied der Philharmonic Society ernannt. Am 26. Juni 1846 veranstaltete sie ihr erstes öffentliches Konzert in den Hanover Square Rooms. Bis 1864 konzertierte sie dort regelmäßig. Im selben Zeitraum fanden weitere Auftritte unter anderem im Crystal Palace und in der Exeter Hall statt. In diesem Rahmen betätigte sie sich auch kammermusikalisch und begleitete bekannte Kollegen wie Joseph Joachim (1831–1901) und Alfredo Piatti (1822–1901).

Im Febr. 1856 kaufte sie eine Concertina beim Concertina-Fabrikanten Wheatstone, tritt jedoch als Concertina-Spielerin in der Literatur nicht in Erscheinung.

Seit ungefähr 1870 wandte sie sich verstärkt der Komposition geistlicher Lieder und dem Unterrichten zu. Ihre Werke erhielten zahlreiche positive Kritiken, unter anderem von Felix Mendelssohn. In der Literatur wird sie als Schülerin Mendelssohns geführt, was nach derzeitigem Forschungsstand jedoch nicht bestätigt werden kann.

Macirone arbeitete von 1872 bis 1878 als leitende Musiklehrerin an der Askes School for Girls in Hatcham und anschließend an der Church of England High School for Girls in London. Auch als Leiterin des Chors „Village Ministrels“ wird sie in der Literatur erwähnt. Ihre Unterrichtsmethoden fanden großen Anklang und wurden von Zeitgenossen wie dem Komponisten George Macfarren (1813–1887) befürwortet.

Eine letzte Erwähnung Clara Angela Macirones als aktive Instrumentalistin erfolgt im Jahr 1889. Am 16. Nov. 1889 trug sie mit der Violinistin Gabrielle Vaillant (1853–1899) ihre eigene Suite de pièces in e-Moll für Violine und Piano in der Musical Artists Society vor. Zu ihrem Repertoire gehörten neben eigenen Werken besonders Kompositionen von Mendelssohn.

Clara Angela Macirone betätigte sich nicht nur als Pianistin, Komponistin und Lehrerin, sondern publizierte auch musikpädagogische Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften. Darin plädierte sie dafür, die musikalische Ausbildung der Amateurmusiker im Allgemeinen und die der Mädchen im Besonderen auf ein höheres Niveau zu heben. Sie setzte sich für eine systematische Musikausbildung an Mädchenschulen ein, da Musik positive moralische und mentale Einflüsse auf den Menschen ausübe. Dabei zielte sie aber nicht nur auf eine Ausbildung von professionellen Musikerinnen ab, vielmehr ging es ihr darum, das Familienleben durch anspruchsvolle Musik aufzuwerten.

Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie anscheinend in ärmlichen Verhältnissen. In einer Anzeige in der „Musical Times“ vom Juni 1910 wirbt der aus diesem Anlass gegründete „C. A. Macirone Fund“ um Spendengelder.

Der Nachlass von Clara Angela Macirone befindet sich in der Bibliothek der Royal Academy of Music in London.

 

Clara Angela Macirone. Aquarell von Emily Macirone.

 

WERKE FÜR KLAVIER

Suite de pièces in E minor (für Violine und Pianoforte); Cantilena; Nacht Reise Lied; Summer Serenade, London 1870; Rondino in G, London 1889

 

SCHRIFTEN

Clara A. Macirone, „The Power of Music“, in: The Girl’s Own Paper, 15. Dez. 1883, S. 164–166.

Clara A. Macirone, „On Taste in the Choice of Songs“, in: The Girl’s Own Paper, 21. März 1885, S. 391–393.

Clara A. Macirone, „On Taste in the Choice of Songs, Second Letter“, in: Girl’s Own Paper, 30. Mai 1885, S. 549–551.

Clara A. Macirone, „On Taste in the Choice of Songs, Third Letter“, in: Girl’s Own Paper, 4. Juli 1885, S. 635–636.

Clara A. Macirone, „On Taste in the Choice of Songs, Fourth and Concluding Letter“, in: Girl’s Own Paper, 1. Aug. 1885, S. 697–701.

Clara A. Macirone, „A Plea for Music, Second Letter“, in: Girl’s Own Paper, 26. Jan. 1884, S. 269–271.

Clara A. Macirone, „A Plea for Music, Third Letter“, in: Girl’s Own Paper, 23. Febr. 1884,S. 331–333.

Clara A. Macirone, „A Plea for Music, Fourth Letter“, in: Girl’s Own Paper, 29. März 1884, S. 411–413.

Clara A. Macirone, „A Plea for Music, Fifth Letter“, in: Girl’s Own Paper, 19. Apr. 1884, S. 458–460.

Clara A. Macirone, „A Plea for Music, Sixth Letter“, in: Girl’s Own Paper, 14. Juni 1884, S. 581–582.

Clara A. Macirone, „A Plea for Music, Seventh and Concluding Letter“, in: Girl’s Own Paper, 19. Juli 1884, S. 661–663.

 

LITERATUR

The Athenæum 1858 I, S. 694; 1862 I, S. 637, 701; 1914 II, S. 336

Gentlemans Magazine 1876, S. 445

The London Review 1862, S. 490

The Musical Herald 1908, S. 154

Musical Standard 1894 II, S. 375

MusT 1910, S. 380

The Spectator 1856, S. 649

The Times [London] 1841, 10. Mai, 19. Juli; 1846, 24. Juni; 1847, 10. Juni; 1850, 27. Mai

Brown Bio, Brown Brit, Baptie, Baker 1, Cohen, Champlin, Hixon, GroveW

Charles u. Mary Cowden Clarke, „Recollections of Writers Known to an Old Couple When Young“, in: The Gentleman’s Magazine Bd. XVI, Jan.-Juni 1876, S. 445–453.

Greville Mc Donald, George Mac Donald and his wife, New York 1924.

Norma Olin Ireland, Index to the Women of the World from Ancient to Modern Times. Biographies and Portraits, Westwood 1970.

Arthur Elson, Woman’s Work in Music, Boston 1904, Repr. Portland 1976.

Gerald Leach, British Composer Profiles. A Biographical Dictionary and Chronology of Past British Composers 1800–1989, Gerrards Cross 1989.

W[illiam] L[ines] Hubbard, The American History and Encyclopedia of Music. Musical Biographies, 4 Bde.,  Bd. 2, Toledo/Ohio [u. a.] 1910.

Allan Atlas, Ladies in the Wheatstone Ledgers. The Gendered Concertina in Victorian England, 18351870 (= Royal Musical Association. Research Chronicle 39), London 2006.

Derek Hyde, New-Found Voices. Women in Nineteenth-Century English Music, Aldershot [u. a.] 31998.

Sarah Mc Neely, „Beyond the Drawing Room: The Musical Lives of Victorian Women“, in: Nineteenth-Century Gender Studies, Issue 5.2, 2009: http://www.ncgsjournal.com/issue52/mcneely.htm, Zugriff am 24. Febr. 2012.

 

Bildnachweis

Clara Angela Macirone, Royal Academy of Music: http://apollo.ram.ac.uk/emuweb/pages/ram/display.php?irn=2208, Zugriff am 24. Febr. 2012.

 

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