Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Bott, Katharina, Catharine, Louise, Luise

* 1823 oder 1824 in Darmstadt, † Juni 1894 in Kassel, Pianistin, Klavierlehrerin und Komponistin. Ihre frühe musikalische Ausbildung erhielt sie von ihrem Vater, dem Darmstädter Hofmusiker Johann Joseph Bott. In späteren Jahren wurde sie von einer Darmstädter Klavierlehrerin namens Wagner unterrichtet. Bereits 1833 trat sie in München und Nürnberg öffentlich auf und überzeugte die Musikpresse, die ihr eine für ihr Alter „höchst seltene Ausbildung“ (Castelli 1833, S. 207) attestierte, ihre technischen Fähigkeiten und ihr „ausnehmend ruhiges, sicheres Spiel mit schönem Ton“ (ebd.) hervorhob. 1835 unternahm sie gemeinsam mit ihrem Vater eine Konzertreise, die sie u. a. in die Niederlande führte. Vermutlich folgten weitere Reisen. In der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ heißt es 1837, dass sie „sich schon rühmlichst auch auf einigen Kunstreisen“ ausgezeichnet habe und „wahrscheinlich nächstens das auswärtige Publikum durch ihr Klavierspiel wieder erfreuen“ (AmZ 1837, Sp. 143) werde. Zu diesem Zeitpunkt wird sie außerdem bereits als Klavierlehrerin von Darmstadt bezeichnet. In den Jahren 1837 und 1838 trat sie mehrmals in Kassel auf, u. a. am Kurfürstlichen Hoftheater. Ein Jahr später konzertierte sie erstmals in Begleitung ihres Vaters in London: „This young lady had a concert, on Wednesday, at the Hanover Square Rooms, in which she was assisted by Mr Eliason, Mr and Mrs Seguin, M. Spagnoletti, Guilio Regondi, and other musical professors. She was herself, however, the principal object of interest in the room. [...] Her talents have been carefully cultivated, as well in reference to the theory (for she is a composer) as to the practice of music; and she has, although only 18 years of age, already distinguished herself at Munich, Berlin, and other places on the continent. The present was her first appearance before the English public. She performed a composition of Beethoven´s, in C minor, a variation (of her own) from the Sonnambula, and a fantasia, also by herself; which last was played with the left hand only. This really was a remarkable performance, exhibiting marvellous dexterity and mastery over the instrument; but the other pieces, which were played as usual with both hands, were more satisfactory evidences of her general talent. Her touch is singularly brilliant and forcible, and she appears to execute the most difficult and rapid movements with perfect ease. We could wish to hear a more tender touch at times; but, upon the whole, she must be considered as a most accomplished musician (Musical Examiner 21. Apr. 1839). Vermutlich hielten sich Johann Joseph und Katharina Bott für mehrere Jahre in London auf, da die Zeitschrift „Musical World“ im Jahr 1841 erwähnt, dass die Pianistin noch immer in London sei (MusW 1841, S. 14). Später übersiedelte sie nach New York. Laut Mendel war sie dort bis in die 1880er Jahre als Klavierlehrerin aktiv, kehrte jedoch nach Deutschland zurück, wo sie 1894 in Kassel starb.

Zu ihrem Repertoire gehörten u. a. Chopins Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll sowie Werke von Beethoven, Thalberg, Kalkbrenner und Mendelssohn.

 

WERKE FÜR KLAVIER

Trois Caprices pour le Piano-Forte, en forme de valse, suivies d´un galop 1843.

Phantasie für Piano Forte über Original-Thema's für die linke Hand allein.

Weitere Klavierkompositionen sind verschollen.

 

LITERATUR

AmZ 1837, Sp. 143; 1838, Sp. 141f.

Allgemeiner musikalischer Anzeiger 9. Jan. 1834

Castelli 1833, S. 207

The Examiner 21. Apr. 1839

Literary Gazette 1839, S. 396f.

Monatshefte für Musikgeschichte 1895, S. 93

The Morning Chronicle 20. Apr. 1839

MusT 1894, S. 554

MusW 1841, S. 14; 1843, S. 152

NZfM 1837 II, S. 183

Schilling Suppl., Mendel, Gaßner, Fétis (Art. Bott, Jacques), Grove 1, MGG 1 (Suppl.), MGG 2000, New Grove 2001

Erich Rosendahl, Geschichte der Hoftheater in Hannover und Braunschweig, Hannover 1927.

 

HB/JW

 

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