Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Capponi, Anna

* 24. März 1829 in Weinhaus bei Wien, † 4. Aug. 1858 in Mauer bei Wien, Pianistin und Klavierlehrerin. Sie verlor bereits im Alter von drei Jahren ihre Eltern. Ersten Klavierunterricht erhielt sie im Alter von fünf Jahren bei Wissmüller und Schuhecker. Letzterer stellte sie dem k. k. Hof-Klavierbauer Conrad Graf vor, auf dessen Instrumenten sie fortan üben durfte. Dort hörte sie 1838 der Pariser Klaviervirtuose Louis Lacombe spielen. Ermutigt von dessen Lob beschloss Anna Capponi, sich zur professionellen Pianistin auszubilden zu lassen. Ihr nächster Lehrer wurde bis zum Jahre 1841 Eduard Pirkhert (1817–1881). Danach erhielt sie Unterricht von Philipp Jacob Riotte (1776–1856), Theodor Kullak (1818–1882), der 1842 bis 1843 in Wien gastierte,  und Johann Evangelist Horzalka (1798–1860). Ein Vortrag zusammen mit Horzalka 1844 in Wien zählt zu den ersten öffentlichen Auftritten Anna Capponis. Ebenfalls 1844 trat die 15-jährige Pianistin in Pressburg und Pest auf. In den folgenden Jahren konzertierte sie mehrmals in Wien. 1846 gab sie ein Konzert im eigenen Salon „zum Besten des Unterstützungs- und Pensionsvereines für Lehrgehilfen“ (AWM 1846, S. 194f.).

Wiederholt trat sie auch in Konzerten von Künstlerkollegen auf. Im Nov. 1847 stellte sie zusammen mit Horzalka eine seiner neuesten Kompositionen – eine Fantasie über ein Motiv aus Meyerbeers Oper Bielka vierhändig –  vor. In demselben Jahr trat sie in einem ihrer Salons mit dem Pianisten und Komponisten Carl Voß auf. 1848 begleitete sie Nina Stollewerk, die einem Salonpublikum eigene Gesangskompositionen präsentieren wollte.

Als besondere Kennzeichen des Spiels von Anna Capponi nannte ein Korrespondent der „Niederrheinischen Musik-Zeitung“ ihren „höchst elastischen Anschlag, wahrhaft glänzende Fertigkeit und Bravour. Der Haupt-Vorzug bestand aber darin, dass sie, feind aller Charlatanerie und allen Knall-Effecten, die wahren Grund-Ideen des Tonstückes ergründete und durchdrang“ (Niederrheinische Musik-Zeitung 1858, S. 293). Das Repertoire der Pianistin umfasste in der frühen Jugend Werke von Thalberg und Liszt, später kamen Stücke von Giovanni Pacini, Beethoven, Weber, Theodor Döhler, Friedrich Kalkbrenner, Ferdinand Ries, Alexander Fesca, Johann Wenzel Tomaschek, Horzalka, Mendelssohn, Hummel, Joh. Seb. Bach und Händel hinzu.

Neben ihren Auftritten erteilte Anna Capponi Klavierunterricht. Zu ihren Schülerinnen zählten unter anderem Fanny Wisner und Julie Swoboda. Zu deren Pflichtprogramm, wie zu dem aller weiteren Schülerinnen Anna Capponis, zählten Etüden von Stephen Heller, Henri-Jérôme Bertini, Aloys Schmitt, Kalkbrenner und Johann Baptist Cramer. „In Folge ihres vortheilhaften Rufes wurde [… Anna Capponi …] am 24. Juni 1851 zur Professorin des Pianofortespiels an der damals neu gegründeten ‚Akademie der Tonkunst‘ ernannt, auf welche Stelle sie jedoch am 26. Juli 1853 schon besonders aus Gesundheits-Rücksichten verzichtete“ (Niederrheinische Musik-Zeitung 1858, S. 293). Erst 1855 sind wieder öffentliche Auftritte nachgewiesen. Hierzu zählt unter anderem ein Konzert im Salon von Eduard Seuffert, in dem Anna Capponi einige ihrer Schülerinnen der Öffentlichkeit vorstellte. Dabei erzielte sie „einen so glänzenden Erfolg […], wie man sich eines ähnlichen seit Jahren nicht entsinnen kann“ (Bock 1855, S. 78).

Anna Capponi ist Widmungsträgerin zahlreicher Werke von zeitgenössischen Komponisten. Unter anderem widmete Carl Czerny ihr und ihrer Schülerin Julie Swoboda Variationen für das Klavier über ein von Anna Capponi gewähltes Thema.

Nach längerer Krankheit starb die Musikerin im Aug. 1858 in ihrer Sommerwohnung in der Nähe Wiens.

 

LITERATUR

AWM 1845, S. 182f.; 1846, S. 33, 126, 194f., 614; 1847, S. 254, 356; 1848, S. 27, 162f.

Bock 1855, S. 70, 78, S. 336; 1858, S. 262

Castelli 1848, S. 50

MusW 1854, S. 216, 332; 1855, S. 149, 213

Neue Wiener MZ 1856, S. 122, 176; 1858, S. 129

Niederrheinische Musik-Zeitung 1858, S. 292–294 (Nekrolog)

NZfM 1846 I, S. 104

Österreichisch-ungarische Revue 1864, S. 155

RGM 1852, S. 359;1858, S. 283

Wiener AmZ 1847, S. 396, S. 492

Eduard Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 2 Bde., Bd. 1, Wien 1869, Repr. Hildesheim [u. a.] 1979.

 

AB/AH

 

© 2009 Freia Hoffmann