Europäische Instrumentalistinnen
des 18. und 19. Jahrhunderts

 

Davies, Charlotte

Lebensdaten unbekannt, aus Bath, Pianistin, Klavierlehrerin und Komponis­tin. Char­lotte Davies war, wie die „Musical World“ betont, „not in any way related to the bet­ter-known Miss Fanny Davies (MusW 1887, S. 981). Wie Fanny Davies war aber auch sie eine Schülerin Clara Schumanns. In den Jahren 1881 und 1882 besuchte sie drei Semester lang deren Klavierklasse am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt a. M. Nach ihrem Studium kehrte Charlotte Davies nach England zurück und war zu­nächst als Klavier­lehrerin in Bath tätig. Zu ihren SchülerInnen zählten u. a. Amelia Copland, Mary Vessey Warburton (1869–1909) und William Ernest Fowler (1871 o. 1872–1954).

Seit Febr. 1886 sind Auftritte der Pianistin in ihrer Heimatstadt belegt. Am 3. Apr. des Jahres wirkte sie in einem Wohltätigkeitskonzert des Violinisten van Praag in den Pump Rooms mit. Zusammen mit Lucy King spielte sie hierin, der „Musical World“ zufolge „in brilliant style“ (MusW 1886, S. 239), Saint-Saëns’ Variationen über ein Thema von Beethoven für zwei Klaviere op. 35. Drei Tage später ließ sich Charlotte Davies in einem Konzert der Bath Choral Union hören. Die „Musical Times“ schreibt: „Miss Charlotte Davies, a pupil of Madame Schumann’s, charmed her audience by her delicate and expressive rendering of Beethoven’s ‚Moonlight‘ Sonata“ (MusT 1886, S. 285). Für die folgenden zwei Jahre lassen sich ausschließlich Auftritte in Bath bele­gen. Am 16. Apr. und 1. Dez. 1887 wirkte die Pianistin erneut in Konzerten von van Praag mit. Für den 14. Jan. 1888 hatte sie ein Engagement für das erste English Popu­lar Ballad Concert unter der Leitung von Albert Visetti.

Seit 1888 konzertierte Charlotte Davies auch in anderen englischen Städten, u. a. in Bristol (1888, 1890, 1898, 1899), Abingdon (1890), Liverpool (1902, 1903, 1907, 1909, 1913) und Leeds (1918, 1920, 1929). Auftritte in London können dagegen nicht nachgewiesen werden. Bis nach der Jahrhundertwende ließ sich Charlotte Davies vor­wiegend in Bath hören. Hier veranstaltete sie eigene Konzerte, trat aber auch mehrfach in Abonnementskonzerten der Bath Quartet Society auf. Zu ihren KonzertpartnerInnen zählten u. a. die Violi­nistInnen Joseph Ludwig, Theodore Carrington, Jan Hendrik Ten Brink, Theodore Lawson, Louis Pecskai sowie Zoë Pyne und die VioloncellistInnen van Gelder, William Edward Whitehouse und H. G. Terry.

Das Repertoire von Charlotte Davies umfasste insbesondere Musik des 19. Jahr­hun­derts. Für ihre Auftritte wählte sie Kompositionen von Meyer­beer, Schu­bert, Robert Schumann, Liszt, Joachim Raff, Anton Rubinstein, Salomon Jadassohn, Saint-Saëns, Anton Stepanovich Arensky und vor allem von Chopin, aber auch Werke von Purcell, Mozart und Beethoven.

Die Rezeption in der zeitgenössischen Presse ist ausnahmslos positiv. Schon 1887 bezeichnet ein Korrespondent der „Musical World“ Charlotte Davies als „well-trained and competent pianist“ (MusW 1887, S. 981). Der „Musi­cal Standard“ würdigt sie daneben als „a pianiste to whom it is a pleasure to listen“ (Musical Standard 1890 I, S. 145) und die „Musical Times“ sieht in ihr „a pianist possessing great natural tal­ent“ (MusT 1902, S. 261). Über einen Auftritt in Abingdon am 17. Febr. 1890 schreibt das­selbe Blatt: „One of the chief attractions of the programme was the performance of Miss Charlotte Davies, a pupil of Madame Schumann. Her rendering of the Mo­zart Concerto [Nr. 20 d-Moll KV 466] was very charming, and her solos (Raff’s ‚Fileuse‘ [op. 157 Nr. 2] and a Scherzo by Jadassohn) were given with great clearness, bril­liancy, and refinement“ (MusT 1890, S. 176). Ganz ähnlich äußert sich ein Rezensent in der Zeitung „The Bristol Mercury and Daily Post“ nach einem Konzert von Char­lotte Davies und Louis Pecskai am 19. Okt. 1898 in Clifton/Bristol: „Miss Davies […] more than confirmed the high opinion already formed of her great ability as a pianist. Although technical skill is not wanting, there is no doubt that the most conspicuous quality of Miss Davies’s playing is its refinement and exquisite taste“ (The Bristol Mercury and Daily Post 20. Okt. 1898).

Einer der letzten Auftritte von Charlotte Davies erfolgte am 26. Jan. 1929 in Leeds. In einem Konzert der Symphony Society − „a body of amateurs under the direction of Mr. Harold Mason“ (MusT 1929, S. 263) – spielte die Pia­nistin zwei Sätze aus einem Klavierkonzert von Mozart.

Im darauffolgenden Jahr wurde im Londoner Verlag Leonard, Gould & Bolter eine Komposition von ihr veröffentlicht. Die „Musical Times“ schreibt: „Charlotte Davies’s ‚Daffodils‘ (Wordsworth’s words) swings pleasantly, and is only just a little stiff in the rhythm, with too many fourcrotchet bars. With skill the curves can be got“ (MusT 1930, S. 127).

 

LITERATUR

The Bristol Mecury and Daily Post 1886, 12. Juli; 1888, 30. Juli, 8., 9. 10., 12. Nov.; 1894, 3., 7. Apr.; 1898, 6., 8., 10., 15., 17., 18., 19., 20. Okt.; 1899, 16. März

Magazine of Music 1890, S. 138; 1895, S. 9

Musical Courier 24. Dez. 1896

Musical Herald 1920, S. 556

Musical News 1895 I, S. 443; 1920, S. 14

Musical Standard 1888 I, S. 53; 1890 I, S. 145; 1903 I, S. 105; 1907 II, S. 392; 1909 I, S. 123f.

MusT 1886, S. 285; 1888, S. 741; 1890, S. 165, 176; 1895, S. 838; 1898, S. 746; 1902, S. 261; 1908, S. 45; 1909, S. 189; 1913, S. 823; 1918, S. 568; 1929, S. 263; 1930, S. 127

MusW 1886, S. 111, 239; 1887, S. 320, 981; 1888, S. 57f.; 1889, S. 816; 1890, S. 938

The Strad 1903, S. 293

John Warriner u. Joseph Bennett, National Portrait Gallery of British Musicians, London 1896.

Heinrich Hanau, Dr. Hoch’s Conservatorium zu Frankfurt am Main. Fest­schrift zur Feier seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens (1878−1903), Frankfurt a. M. 1903.

 

Annkatrin Babbe

 

 

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